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Nachrichten | Sonntag, 04. April 21

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"Tanktouristen" am Karsamstag bei der Rückreise aus Österreich, mutmaßlich ohne digitale Einreiseanmeldung. (Foto. mediendenk)
Seuche und Spritsparfüchse

Tanktourismus: Sonntagsblatt korrigiert PNP

Wie ist das nun mit dem Tanktourismus in der Pandemie? Erlaubt oder verboten? Antwort: Erlaubt, aber mit Konseqenzen, die sich keinesfalls rechnen. So haben wir gestern an dieser Stelle ausführlich berichtet und einen irreführenden Bericht der Heimatzeitung widerlegt. Das kostenlose Sonntagsblatt aus demselben Verlagshaus korrigiert heute zudem die PNP und ergänzt, dass selbst für Einreisende nach Österreich unmittelbar die Quarantäne gelte.

Autofahren und Spritpreise sind für manche ein Erregerthema. Deshalb sei vorausgeschickt: Die Titelseite des kostenloses Sonntagsblattes erweckt den Eindruck, die verhinderten Spritsparfüchsinnen und -füchse würden um hohe Summe gebracht. Diesel kostet laut Abbildung an der Grenztankstelle in Achleiten knapp 90 Cent. Erneut soll Verwirrung und Verärgerung verhindert werden: Es handelt sich um ein altes Archivfoto, da die Redaktion offenbar den Aufwand scheute, ein aktuelles Bild anzufertigen.

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As korrgiert PNP: Quarantäne wird für Einkaufsfahrten über die Grenze zur Pflicht. (Foto: mediendenk)
Diese Redaktion war gestern am späten Nachmittag am Schauplatz: An der Grenzlandtankstelle leuchete auf der auf der Digitalanzeige der Literpreis für Diesel mit knapp 118 Cent. An den bayerischen Zapfsäulen diesseits der Grenze kostete er knapp 128 Cent. 40 Liter getankt bedeuteten also gefühlt 4 Euro gespart; Spritverbrauch und Zeitverlust für die Anreise und verlorene Steuereinnahme für das eigene Land blenden die Tanktouristen aus.

Vermutung: Einreiseverstöße im Dreiminutentakt
Getankt und mutmaßlich gegen die Seuchenschutzverordung verstoßen haben haben gestern, am Tag der Werbeanzeige, wohl ein paar Hundert Autofahrerinnen und Autofahrer. Eine halbstündige Stichprobe ergab gestern: Unaufgeklärte oder uneinsichtige Autofahrerinnen und Autofahrer haben etwa im Dreiminutentakt die Grenztankstelle angefahren. „Jetzt ist tote Hose. Sie hätten am Morgen kommen sollen“, erklärt ein Anwohner in Haibach dem Reporter. Kontrollen von bayerischer Grenz- oder Bundespolizei gibt es zu diesem Zeitpunkt, gegen 17 Uhr, offensichtlich nicht. Die Bußgeldkasse hätte kräftig geklingelt, 5.000 Euro die Stunde bei 250 Euro je Verstoß. Denn es ist kaum anzunehmen, dass einer der Betroffenen eine digitale Einreiseanmeldung ausgefüllt oder sich in Quarantäne begeben hat. Um 20 Uhr, nach Feierabend der Grenztankstelle, postiert sich ein Kombi der Bundespolizei: Migrationskontrolle. Was das Osterwochenende an Verstößen ergeben hat, werden die Polizeistellen am Dienstag melden.

Hätte Bürgerblick die Werbeanzeige abgelehnt?
In dieser Redaktion wurde gestern diskutiert, ob wir die fragwürdige Werbeanzeige, den Lockruf der Grenztankstelle und die verschwiegenen Bußgeldgefahr, abgedruckt oder auf die Einnahme verzichtet hätten. Mehrheitlich kam das Team zum Entschluss: ablehnen, denn der Inhalt der Anzeige ist nicht nur ein falsches Signal in der Pandemie, er führt die Verbraucher in die Irre. Kaum ein Mensch würde in der Abwägung „mehrtägige Quarantäne für Ersparnis von ein paar Euro“ zur Fahrt nach Österreich aufbrechen; die zudem kein triftiger Grund und damit genau genommen ein weiterer bußgeldbewehrter Verstoß gegen die Seuchenschutzmaßnahmen wäre. Wer dennoch hinüberfahrt, dem geht es manchmal ums Prinzip, Regeln, die seiner Meinung nach nicht sinnvoll sind, zu brechen. Diese Haltung zeigt sich in ihrer Reaktion. Nachdem vorgestern einige wenige Tanktouristen von der Bundespolizei eine Anzeige kassiert hatte, beschwerten sich diese über das Vorgehen der Kollegen bei der Landespolizei.

Der Bericht des Sonntagsblattes, Überschrift "Klartext: Tank-Touristen müssen in Quarantäne", korrigiert teilweise den irreführenden Beitrag, der tags zuvor in der Heimatzeitung erschienen ist: „Journalistische Sorgfaltspflicht“ ist neuerdings den Gratisblättern, die paralallen im Netz lesbar sind, auferlegt. Dazu informieren wir in einem Beitrag im aktuellen Aprilheft.   

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