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Nachrichten | Samstag, 09. Januar 21

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Auto eines "Querdenkers". (Quelle der Fotomontage: Telegram)
Brisante Lage

Am Ende sterben wir sowieso

Stellen wir es mal sehr vereinfacht dar: Wissenschaftler warnten im Sommer vor dem Winter: Zweite Welle!

Politiker: Abwarten, alle sind so gut drauf.

Welle kommt.

Wissenschaftler: Bitte handeln!

Politiker: Ja, aber sachte. Viele sind vom Frühjahr noch frustriert.

Welle steigt.

Wissenschaftler: Letzte Lösung, absolute Kontaktsperre!

Politiker: Wir müssen Weihnachten retten. Lockdown light! Impfung kommt.

Virus mutiert, Impfstoff stagniert, Weihnachten wird stellenweise zum Seuchentreiber.

Wissenschaftler: Notbremse ziehen!

Politiker: Das ist zu hart, lasst uns Kreise ziehen.

Kritiker: Wer denkt sich diesen Unsinn aus?

Querdenker: Diktatur! Freiheitsentzug!

Wissenschaftler und Mediziner: Ihr habt alle nichts kapiert! Eine Mutation ist im Anmarsch, es könnte es noch schlimmer werden.

Gegenstimmen: Wir können es nicht mehr hören.

Ende der Debatte?

Dieses Bild gefällt vielen nicht, aber es ist zutreffend: Der Seuchentod schwingt unerbittlich die Sense. Ministerpräsident Söder hat es so ausgedrückt: Deutschlandweit stirbt alle zwei Minuten, bayernweit alle elf Minuten ein Mensch an oder mit Corona.

Und auch dies ist unbestritten: Wenn der Krieg gegen das Virus beendet ist, sind wir alle mehr oder minder traumatisiert.

Gespalten sowieso.

Wer sich darüber im Klaren ist, dass die Lage ernst ist, sich konsequent eingeschränkt, auf vieles verzichtet, blickt verständnislos und teilweise wütend auf die Ignoranten.

Wer die Seuche ignoriert - es gehört zu den menschlichen Schutzmechanismen unbequeme Wahrheiten zu verdrängen - wird am Ende dieser schwarzen Monate vom schlechten Gewissen geplagt werden. Oder auch nicht: Auch diese Unannehmlichkeit lässt sich durch neue, falsche Erzählungen wegwischen.

Was gefährlich ist: Die Seuche zwingt die Politik zu unpopulärem Handeln. Populisten und Staatsfeinde sehen ihre Sternstunde gekommen: "Hier habt ihr den Beweis, sie wollen uns unterdrücken und quälen!" Woran Sie die Irrprediger erkennen? Sie sind stets laut, nicht nur im Netz, auch auf den Marktplätzen. Sie verwenden falsche Etiketten und Erzählungen, um die Gesellschaft in die Irre zu führen.

In den USA haben wir gesehen, welche Eskalation ein einziger Irrprediger auslösen kann: Er hat den Nährboden für inländische Terroristen bereitet. Sie nennen sich "Patrioten" oder treten als "Kämpfer für die Wahrheit" auf. 

Unbequeme Nachrichten aus der Heimat:

  • Im Stadtgebiet Passau sind allein in dieser Woche zehn Corona-Tote zu beklagen, die drei jüngsten sind 41, 53 und 56.
  • 186 Corona-Patienten werden, Stand gestern, auf den Corona-Isolierstationen der drei Krankenhäuser in Passau, Vilshofen und Rotthalmünster sowie einem Notkrankenhaus in Aidenbach behandelt.
  • Bei 36 Corona-Erkrankten ist die Lage sehr kritisch, ein Drittel von diesen kämpfen an Beatmungsmaschinen gegen den Tod.

Wegschauen ist jedenfalls keine Lösung. Die Mitwirkenden an der "Corona-Front" können es auch nicht. Es soll bei uns kein zweites "Bergamo" geben, haben wir uns im Frühjahr geschworen. Die Lockerer von Gestern bekennen sich heute mit bleichen Gesichtern zum schärfsten Stillstand.

Die Politik erlebt, wie in der Seuche Demokratie zum Dilemma wird: Wer abwägt und Kompromisse sucht, demokratisch handelt, kommt zu Lösungen, die widersprüchlich, teilweise unwirksam sind.

Warum ist beruflich vieles erlaubt, aber privat fast nichts? Das ist eine der berechtigten Fragen, welche sich viele Menschen stellen.

Das Virus kann sich immer dort ausbreiten, wo Menschen sich begegnen. Ob Baumarkt oder Bauwagen auf der Großbaustelle, ab Restaurant oder Teeküche im Großraumbüro - Corona kennt keinen Unterschied.

"Am Ende sterben wir sowieso", hat ein "Querdenker" (mit einer Fotomontage) auf sein Auto geschrieben. Richtig, aber bitte nicht an einem Tod, der vermeidbar gewesen wäre und alles andere als menschenwürdig ist.

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16:54
Donnerstag
21. Januar 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
21.01. | Donnerstag

Gefangenenchor aus Venedig
 
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Bewegendes Neujahrskonzert aus dem Opernhaus von Venedig, "Teatro des Fenice". Mit Verdis "Nationalhymne" aus "Nabucco" ab Minute 44.30. Mehr als 100 Mitwirkende mit Mund-Nasenschutz, auch 12 Sängerinnen und 32 Sänger mit Masken, nur die 19 Musiker der Blasinstrumente sind befreit. Leitung: der britische Maestro Daniel Harding. Auf TV "Arte" abrufbar bis 31. Januar.


07:00 Uhr
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Hier am Heimkino erleben: Verwechslungskomödie von Johann Strauß um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein und seine untreue Frau Rosalinde. Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und führt eine dekadente Gesellschaft vor.  


13:00 Uhr

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