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Nachrichten | Montag, 28. September 20

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Das Tongestein im Gebiet westlich von Simbach am Inn taugt laut Erstbewertung besser für ein Endlager als der möglicherweise klüftige Saldenburger Granit. (Quelle: BGE)
Endlagersuche Atommüll

Rottaler Tongestein sicherer als Saldenburger Granit

Wo lässt sich hoch radioaktiver Atommüll am sichersten unter der Erde einschließen? In unserer Region eignet sich wegen seiner möglichen Zerklüftung weniger der Granit des Bayerischen Waldes, besser das bis zu 1200 Meter dicke Tongestein im Innbecken westlich von Simbach am Inn.

Eine Endlagerstelle wäre nach den bisherigen Ergebnissen 50 Kilometer südlich von Passau wesentlich wahrscheinlicher als im oft diskutierten Saldenburger Granit.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat heute 90 Teilgebiete veröffentlicht, die für Atommüllendlagerung zur näheren Untersuchung infrage kämen. Ein Ampelsystem beleuchtet, wie tauglich der Untergrund ist.

Es handelt sich um neun Gebiete mit Tongestein, sieben mit Steinsalz und vierundsiebzig mit Felsstruktur.

Die Vorgaben: Der strahlende Abfall soll bestmöglich eingeschlossen sein, kein Grundwasser gefährden; die Lagerstätte soll 500 Jahre lang zugänglich sein, falls eine Bergung notwendig ist.

Hochradioaktive Stoffe haben die Eigenschaft, dass sie hohe Temperaturen entwickeln. Das Gestein, das sie einschließt, sollte deshalb zudem hitzebeständig sein.

Jede Gesteinsart hat Vor- und Nachteile.

  • Salzgestein: vermeidet Überhitzung, ist grundsätzlich undurchlässig für Gase und Flüssigkeiten, aber eben auch wasserlöslich.
  • Tongestein: dichtet sehr gut ab, schützt also das Grundwasser, aber verliert diese Vorteile bei hohen Temperaturen.
  • Kristallines Gestein, wie Granit: sehr stabil und nicht wasserlöslich, aber wasser- und gasdurchlässig, wenn es klüftig ist.

Jeder weitere Schritt werde öffentlich kommuniziert. Es seien keine Fakten geschaffen worden. "Wer uns fragt, bekommt Antworten", sagt BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. Er verweist auf die öffentliche Datensammlung im Netz. Für jedes Teilgebiet werden "Sprechstunden" angeboten. Nächstes Treffen ist am dritten Oktoberwochenende in Kassel.

Die Standortsuche soll bis 2031 abgeschlossen sein.

  • In Zwischenlagern und Landessammelstellen lagern derzeit mehr als 120.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle.
  • Durch den Rückbau der Kernkraftwerke steigt der Anfall von radioaktivem Abfall bis 2050 stark an.

Fachleute erwarten bis zum Jahr 2080 rund 10.500 Tonnen hochradioaktiver Abfälle aus Brennelementen; geschätzt 30.000 Kubikmeter.

Zur Einordnung: 55.000 Kubikmeter Volumen fasst der Kugelgasbehälter von Wuppertal.

Ministerpräsident Markus Söder sieht Bayern durch radioaktiven Abfall bereits heute mehr belastet als jedes andere Bundesland. Er erwähnt, dass Tschechien ein Atomendlager an der niederbayerischen Grenze plant. "Wir werden keine Totalblockade machen", sagt er. Er nennt es eine sehr ambitionierte Gesprächsführung, dass auch Städte betroffen sein und befragt werden. Er zählt auf: "Augsburg oder Nürnberg oder Regensburg beispielsweise oder das schöne Passau."

 

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