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Nachrichten | Mittwoch, 30. Dezember 20

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Stadtrat Matthias Koopmann am Mikro vorbildlich mit Maske. Im Hintergrund der Plätzchenmampfer mit Maske am Kinn, Hafners Parteikollege Dr. Achim Spechter. (Quelle: Rathaus-TV)
Schwarz-grüne Keksaffären

Von Pannen und Plätzchen

Kekse im Klinikum, Kekse im Stadtrat. Plätzchen in der Pandemie sorgen für Beschwerden und Verstimmungen.

Aus der Weihnachtsplätzchen-Affäre um Verkehrsminister Andreas Scheuer hat sich in Passau zudem eine „grüne Plätzchenaffäre“ entwickelt. Hier der Beitrag mit einer wichtigen Korrektur.

Rückblick: Verkehrsminister Andreas Scheuer hat zu Weihnachten einen Shitstorm erlebt. Es kam bei vielen unserer Lesenden nicht gut an, dass er als Corona-Dankeschön Weihnachtsplätzchen ans Klinikumpersonal verteilte. Werbewirksam. Wir hatten das als Erste ins Netz posaunt. Stimmt. Dass Scheuer der Prügelknabe der Nation geworden ist, dafür können wir nichts.

Wie Scheuer reagierte? Hinter den Kulissen soll es Ärger geben, weil der Bayerische Rundfunk das Thema nicht minder kritisch aufgegriffen hat. Bei Bürgerblick hat sich Scheuer nicht gemeldet. An wen sollte er sich auch wenden? Es schwebt über dieser freien Redaktion weder ein Verlagsleiter noch ein Intendant.

Was wenige Lesende dieser Seiten bis heute wissen: Die Keksgeschichte hat einen Parallelschauplatz. Der BR hat Ärger mit der CSU. Bürgerblick mit den Grünen. Man kann das sogar gut finden, denn es zeigt, dass der öffentlich-rechtliche Dampfer und das lokale Bötchen einen unabhängigen Kurs fahren.  

Der Ärger mit den Grünen kam so: Wir wollten Scheuer ein bisschen in Schutz nehmen, die Plätzchen-Affäre nicht auf ihn alleine abladen und haben einen kleinen Seitenhieb gefunden, der am selben Tag gegen die Grünen passte. Wir hatten festgestellt, dass  Weihnachtsplätzchen als Geschenk, egal ob Klinikum oder Stadtrat, in der Pandemie eine schlechte Idee sind. Denn sie verführen die Beschenkten die Maske abzunehmen und zu naschen.

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Stadtratssitzung in der Pandemie: Grünen-Stadtrat Dr. Stefan Hafner hält seinen Redebeitrag mit Maske am Kinn. (Quelle: Rathaus-TV)
Es war in der Liveübertragung vom Rathaus-TV deutlich zu sehen. Ein Stadtrat im Hintergrund, er saß auf den Bänken der Grünen, wurde von der Lust auf Süßes übermannt. Raschel, raschel. Tüte auf. Maske runter. Plätzchen rein. Maske rauf. Das Spiel von vorne. Schließlich ließ er die Maske baumeln, schneller Kekse mampfen.

Der Stadtrat erinnerte uns an einen Maskenmuffel im ICE, der unentwegt an einer Wurstsemmel kaut, haben wir geschrieben. Nicht hier, sondern auf Facebook. Das war ein bisschen bösartig und jetzt kommt´s: Wir haben die maskenlose Keksknabberei dem Grünen-Stadtrat Dr. Stefan Hafner zugeschrieben – und das war falsch. Dickes Pardon! 

Hafner, Grünen-Stadtrat und Betriebsarzt, hatte sich kurz darauf telefonisch gemeldet und beteuert, dass er seine Plätzchen unberührt mit nach Hause genommen habe. Seine Fraktionschefin Stefanie Auer legte mit einer E-Mail nach, wir sollten das sofort richtigstellen. Wir vertrösteten beide und wollten uns erst nochmal das Filmmaterial anschauen. Das war nicht so einfach, denn das Rathaus speichert die Livesendungen nicht. Es gibt kein Archiv. Jetzt liegen uns Bilder vor. Die Sache muss wie folgt berichtigt werden:

Es war nicht Dr. Hafner, es war sein Grünen- und Berufskollege Dr. Achim Spechter, der dem Naschwerk erlegen ist. „Glück gehabt“, haben wir uns gedacht. Wenigstens bleibt der „schwarze Peter“ bei den Grünen hängen und wir lagen nicht ganz so falsch. Hafner war als einer der wenigen Redner am Mikro mit "Maske am Kinn baumelnd" aufgetreten. Dies führte den Autor zum Irrtum, er sei derjenige, der zuvor mit "Maske am Kinn baumelnd" im Hintergrund die Kekse gegessen hat.

Die grüne Plätzchenaffäre, man glaubt es kaum, hat zum Schluss sogar einen Rechtsanwalt beschäftigt. Er drohte uns am Telefon mit Zivilklage wegen Rufschadens. „Dr. Hafner hält sich in der Pandemie vorbildlich an alle Regeln. Er führt hunderte Schnelltests durch und ist auf das Vertrauen seiner Patienten angewiesen“, erklärte uns Rechtsanwalt Sebastian Gaßmann. Das haben wir eingesehen.

Die gewünschte Berichtigung oder Löschung auf Facebook hätte wenig gebracht. Der Beitrag ist in der Tiefe der Zeitachse verschwunden. Deshalb hier auf der echten Medienseite als Wiedergutmachung und sichtbar für alle.

Wie nun der Passauer Seuchenarzt Dr. Achim Spechter mit der Plätzchenaffäre umgeht?

Wir wissen es nicht. Dieser Artikel, der Autor schaut auf die Uhr, wird um 3.20 Uhr früh nach der Erdbebengeschichte von Kroatien verfasst. Zu spät für ein Telefonat.

Vorschlag: Alle Hintergründe und Folgen zur schwarz-grünen Plätzchenaffäre bringen wir im nächsten Heft, nach der Winterpause im Februar.

Apropos Pause: In der Pandemie gibt es diese für Journalisten nicht. Die Sorge ist eher die, auf dem nächtlichen Spaziergang nach Hause während der Ausgangssperre in eine Polizeikontrolle zu geraten. Ob die Beamten als triftigen Grund durchgehen lassen würden, für diese Geschichte hier so spät noch zu arbeiten?

HJD



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KULTUR AM BILDSCHIRM
21.01. | Donnerstag

Gefangenenchor aus Venedig
 
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Bewegendes Neujahrskonzert aus dem Opernhaus von Venedig, "Teatro des Fenice". Mit Verdis "Nationalhymne" aus "Nabucco" ab Minute 44.30. Mehr als 100 Mitwirkende mit Mund-Nasenschutz, auch 12 Sängerinnen und 32 Sänger mit Masken, nur die 19 Musiker der Blasinstrumente sind befreit. Leitung: der britische Maestro Daniel Harding. Auf TV "Arte" abrufbar bis 31. Januar.


07:00 Uhr
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Hier am Heimkino erleben: Verwechslungskomödie von Johann Strauß um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein und seine untreue Frau Rosalinde. Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und führt eine dekadente Gesellschaft vor.  


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