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Nachrichten | Sonntag, 02. Mai 21

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Eine Frischgeimpfte an frischer Luft holt sich nach der Wartepause im Innenhof ihre Unterlagen ab.
Bedienung durchs Fenster

Corona-Impfungen in Passau: Beim Hausarzt geht´s ab wie beim Schnellimbiss

Der weitläufige Innenhof mit Gartenbeeten und Fahrradständern ist zum Entlassungsraum auf dem Weg in die neue Freiheit geworden. Die frisch Geimpften warten die Viertelstunde ab, welche das Hausärzteteam ihnen empfohlen hat, bevor sie den Heimweg antreten. Sie sitzen auf Bänken oder Freitreppen, wischen über Handybildschirme, studieren den neuen Eintrag in ihrem Impfpass oder genießen einfach die milde Frühlingsluft und das Vogelgezwitscher.

„Da wartet man so lange darauf und dann geht es plötzlich so schnell“, sagt ein Geschäftsmann um die 50. Die Meldungen der letzten Tage, dass Geimpfte wahrscheinlich schneller alte Freiheiten genießen können, ein leichterer Zugang zum Freizeit-, Sport und Kulturleben, hat für einen zusätzlichen Motivationsschub gesorgt.

Es geht an diesem Freitagvormittag bei der Hausarztpraxis mit Innenhof zu wie beim Schnellimbiss. Die Arzthelferinnen bedienen die wartenden Geimpften aus einem offenen Erdgeschossfenster zum Innenhof. Es wird zur Impfpassausgabe und das Fensterbrett dient manchmal als Unterlage, Formulare auszufüllen oder zu unterschreiben. Die Impflinge nicht im Wartezimmer zu versammeln, sondern an die frische Luft zu schicken, das ist perfekt in der Pandemie. 

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"Geht´s Euch gut`?" - Eine Arzthelferinnen erkundigt sich bei den Frischgeimpften im Innenhof. Das Erdgeschossfenster wird zur Impfpassausgabe.
„Geht´s Euch gut? Das freut mich!“, wendet sich eine Frau, türkisfarbener Kittel, FFP2-Maske, durch das Fenster an die Frischgeimpften draußen. Sie ruft die Namen derer auf, die ihren Impfpass abholen können. „Mein Impfpass stammt von 1969“, erzählt einer seinem Sitznachbarn. Er hat ihn offenbar nach langer Zeit hervorgekramt und ist erstaunt, welche Impfungen er seit seiner Kindheit hinter sich hat.

„150 Impfdosen haben wir heute erhalten“, sagt der Hausarztpraxisinhaber auf Nachfrage. Es treffen auch viele jüngere Leute ein, die priorisiert sind: Angestellte aus Buchhandlungen, aus Lebensmittel- und Drogeriemärkten.

Passau hat an diesem Tag bei den Erstimpfungen, sogenannte Corona-Genesene berücksichtigt, auf die Gesamtbevölkerung gesehen eine Quote von rund 47 Prozent erreicht. Das wären etwa fast die Verhältnisse der USA (53 Prozent), aber deutlich hinter Israel (65). Die deutschlandweite Quote liegt bei 31 Prozent.

Von „Impfwunder“ zu sprechen ist vielleicht etwas übertrieben, es bedarf folgender Einordnung: 3.700 Extradosen erhielt das 52.800 Einwohner zählende Passau wegen seiner besonderen Grenzlage zu Österreich und Tschechien. Die Inzidenz im oberösterreichischen Nachbarbezirk Schärding liegt heute bei 221. Im November hatte die Dreiflüssestadt am Höhepunkt der zweiten Welle, das war im November, die deutsche Rekordinzidenz von fast 600 erreicht. Sie verzeichnete lange Zeit die höchste Sterberate der Bundesrepublik nach vielen Ausbrüchen in den Altenheimen. Der Oberbürgermeister setzte die Impfungen nach Priorisierung, die Alten und Schwächsten zuerst, konsequent durch, während in anderen Kommunen als systemrelevant bewertete Staatsbedienstete in den eigenen Häusern vorgezogen worden sind.

Anfangs nur 52 Prozent Impfwillige bei 60plus

Zu Wahrheit gehört auch, dass es in Passau zu Beginn unter der Generation 60plus weitaus weniger Impfwillige gab als zuvor unter den Betagten. Abgeschreckt von Berichten über Astrazeneca hatten sich von 6.300 angeschriebenen Passauerinnen und Passauer der Priorisierungsstufe 3 nur 3.300 zur Impfung angemeldet, das sind 52 Prozent. Manche haben aus taktischen Gründen abgewartet, bis die Impfzentren ausschließlich auf Biontech-Pfizer wechselten. Die neuen Freiheiten in Aussicht, dürften sich viele dieser Impfzögernden mittlerweile angemeldet haben. Bei fast 90 Prozent liegt die Impfquote bei den Betagten. Nachzüglerinnen und Nachzügler, die den Auflauf im Impfzentrum scheuten, wurden schließlich von den Hausarztpraxen bedient. Es ist unterschätzt worden, dass das Vertrauen zum Hausarzt in der Seuchenbekämpfung eine entscheidende Rolle spielt.  

Impfvordränglerinnen und Zweitwohnsitz

In der Lokalpresse ist eine Empörung darüber hochgespielt worden, dass zwei Studentinnen, die anonym bleiben wollen, im Impfzentrum die Spritze verweigert worden sei. Sie seien abgewiesen worden mit dem Hinweis auf ihren Zweitwohnsitz. Die Kommunen erhalten ihre Impfdosen zugeteilt nach der Einwohnerzahl. Wenn die Zahl der Zweitwohnsitznehmer gering ist, führt dies zu keinen Engpässen. Es gibt – wie beschrieben - Überschüsse an Impfstoff durch die Impfverweigerer. In der Universitätsstadt Passau jedoch entstünde bei mehr als 10.000 angemeldeten Zweitwohnsitzen ein Mangel an Impfstoff für die Kernbevölkerung. Entsprechend müsse die Impfstoffzuweisung erhöht werden, äußert sich der Oberbürgermeister in der PNP, der seinen Fokus auf die Passauerinnen und Passauer legt.

Die wichtigste Frage hatte die Lokalredakteurin, welche die Geschichte der Beschwerdeführerinnen schrieb, nicht gestellt: Wie kann es sein, dass diese jungen Studentinnen bereits aufgerufen waren? Die Nachfrage ergibt, dass sie sich offensichtlich mit Angaben, die sich als nicht richtig erwiesen, unberechtigt hochgestuft hätten. Mit der Zweiwohnsitzdebatte wurden den Abgewiesenen fern jeder Einordnung ein Sprachrohr der Empörung gegeben, das in Sätzen wie diesen gipfelte: „Man sei anscheinend gerade gut genug, um überhöhte Mieten in heruntergekommen Wohnungen und Wohnheimen zu zahlen, sowie nützlich genug, um die Jobs in der Gastro zu machen und sämtliche 450-Euro-Arbeiten zu erledigen, um beim Aufräumen nach dem Hochwasser zu helfen… .“

24-Jähriger greift bei Astrazeneca zu

Dass nur einige wenige Studierenden so frech und fordernd auftreten, ist anzunehmen. Hier ein Beispiel, das unserer Redaktion vorliegt: Der 24-jährige Passauer Jurastudent Thomas A. hat sich letztes Wochenende in den Zug gesetzt, um sich in seiner Heimatstadt Ingolstadt mit Astrazeneca impfen zu lassen. Wie es kam und wie es ihm erging? Wir haben ihn um seinen Bericht gebeten:

“Ich habe das `Sonderangebot´ der Stadt Ingolstadt angenommen, die 5.000 Impfdosen Astrazeneca an Stadtbürger abseits der Priorisierung vergeben haben. Man musste schnell sein, denn die Termine waren innerhalb eines Tages weg“, schreibt er. Die Impfärztin habe ihn aufgeklärt, dass wegen seines relativ jungen Alters eine schwere Impfreaktion zu erwarten sei. „Direkt nach der Impfung hatte ich keine Beschwerden, aber nach sechs Stunden ging es los: Unwohlsein, leichte Gliederschmerzen.“ In der ersten Nacht seien Fieber und Kopfschmerzen hinzugekommen. „Es fühlte sich an, wie eine Grippe im Schnelldurchlauf“, sagt er. Die typischen Schmerzen im Oberarmmuskel und Schlappheit, die zwei, drei Tage anhielten. „Trotzdem würde ich mich wieder mit Astrazeneca impfen lassen.“ Er sei motiviert gewesen durch seine persönliche Risikoabwägung. "Ich wollte nicht zu lange warten".   

         

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18:14
Sonntag
16. Mai 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
16.05. | Sonntag
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Die unsichtbare Hand
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro

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