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Printmagazin | Donnerstag, 09. April 20

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Lokaljournalismus

Zahlende Leser sind Rettungsschirme

Der Journalist ist in diesen Krisentagen hin- und hergerissen.

Soll sein Herz bedrückt sein darüber, dass seine Leistung - wie diejenige vieler gesellschaftlicher relevanter Berufe - immer noch zu wenig geschätzt wird? Den Kolleginnen in den großen Verlagen droht Kurzarbeit, wenn sie nicht schon eingesetzt hat.

Nein, sein Herz hüpft manchmal vor Freude, weil seine Botschaft mehr und mehr angekommen ist: Freiheitlicher, der Demokratie dienender Journalismus kann nur von der Gesellschaft getragen werden und darf nicht von der Wirtschaft abhängig sein. Das zeigt sich in dieser Krise.

Transparenz ist das oberste Gebot. Die ehrlichen Verleger sollten uns jetzt sagen, wie viel Geld sie in die Redaktionen stecken, wieviel ins Marketing, was die Werbekunden aufbringen und die Abonnenten und Käufer am Kiosk, wie Chefredakteure und Geschäftsführer bezahlt werden.

Abonnenten sind schwer zu gewinnen, die Tageszeitungen verlieren jährlich drei bis fünf Prozent.

Wir haben seit Anfang März ein Dutzend neuer Abonnenten hinzubekommen, davon sieben als Premiumförderer mit 100 Euro im Jahr. Wir feiern jeden Einzelnen, denn sie sind wie Butter auf hartes Brot.

Heute kam eine Spende per Post über 50 Euro, am Konto gingen 250 Euro an Spenden ein. Das ist die schönste Motivation. In der Sperrwies mag man diese Summen belächeln. Bürgerblick bäckt kleine Brötchen, aber sie schmecken offenbar.

Natürlich ist dieses Lokalmagazin Bürgerblick mit 100.000 Euro Jahresumsatz, ein Zwei-Mann-Betrieb mit einem Netzwerk von einem Dutzend Mitwirkender als Freie oder Studenten, nur ein winziges Beiboot auf dem sturmgepeitschten Ozean der Presse. Es geht vielleicht nicht so schnell unter, weil sich jeder am Riemen reißt und in die Ruder legt.

Die Verlagsgruppe Passau GmbH ist - am Umsatz gemessen - ein 2.700mal so großer Pressedampfer. Da helfen keine Ruderer mehr, wenn die Maschinen stoppen.

Der BB-Herausgeber sichert sich seine Existenz als freier Mitarbeiter für andere Verlage, ein Umsatz von knapp 25.000 Euro im Vorjahr. Mit Beginn der Corona-Krise sind diese monatlichen Einnahmen auf null gefallen. Klar, in der Krise konzentrieren sich die Verlage auf ihre eigenen Mitarbeiter.

Der "Zusatzverdienst" der PNP-Verlagsgruppe? Sie holt sich Auftrieb im Immobilien- und Baugeschäft.

Im nächsten Heft werden wir offenlegen, was wir verdienen, damit sie wissen, ob es fair und gerecht ist.

Journalismus, so die Auffassung des Autors, ist ein existenzieller Dienst in einer demokratischen Gesellschaft und keine Nudelfabrik, kein Geschäftsmodell. Man muss dafür brennen, denn was gibt es schöneres, als ein erfülltes Leben.

Wir treten alle nach Corona in eine neue Welt, denn in dieser Auszeit lassen sich viele Dinge grundsätzlich hinterfragen. Und es wäre schade, wenn in der Zeit nach der Quarantäne, der Entschleunigung und des Nachdenkens, alles so weiterlaufen würde wie bisher.

Corona wirkt wie ein gigantischer Rettungsschirm, den sich die Erde selbst aufgespannt hat. Alles, was wir für so wichtig gehalten haben, gibt es derzeit nicht mehr. Reisen und Partys, Fitnesstudio und Stammtisch, Theater und Kino,

Wir müssen uns zurechtfinden in einem Leben, dass sich auf unsere engsten Mitmenschen reduziert. Kein Grund, sich die Köpfe einzuschlagen, aber eine Chance, voneinander zu lernen.

Hubert Jakob Denk

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10. August 2020
 
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