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Hintergrund | Samstag, 03. März 18

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Ein rechter Spinner, eine Netzseite mit 18 Aufrufen und eine E-Mail, die besser im Spamfiler gelandet wäre, beschäftigen PNP und Polizei. (Bildschirmfoto: PNP)
Neonazi droht Wirten

Zu hoch gehängt

Ein rassistisch verwirrter Kopf hat mit einer Sammelnachricht an bayerische Wirte, die Grünen- Stammtische oder andere „Linke“ beherbergen, unerwartet die Aufmerksamkeit der Polizei und der Medien bekommen.

Die Heimatzeitung bringt heute als Topthema im Lokalteil, dass ein als Adressat betroffener Passauer Wirt wegen des bedrohlichen Inhalts der E-Mail Strafanzeige erstattet habe. Der anonyme Absender, der sich mit dem lateinischen Namen „glücklicher Trinker“ schmückt, auf seiner Netzseite eine Fantasieadresse in Greifswald angibt, droht damit, die Wände der Gasthäuser zu beschmieren und deren Fenster einzuschlagen, wenn sie weiterhin linke Gruppierungen oder Parteien bewirten; ausdrücklich werden dabei auch die Grünen genannt.

Die bayerische Polizei ermittelt jetzt gegen Unbekannt. Der rechtsradikale Verfasser bezeichnet auf seiner Netzseite afrikanische Flüchtlinge als „Humanschrott“, verfasst seine rassistischen Thesen im Stil einer studentischen Arbeit, benennt seine Organisation nach einem SS-Offizier, der bei der Befreiung des italienischen Diktators Mussolini mitwirkte und von Nazis zum Helden hochstilisiert worden ist.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass bislang nur Wirte aus dem Großraum München diese Droh-E-Mail erhielten: Ammersee und Landkreis Starnberg. Hier wurden in der Folge Veranstaltungen unter Polizeischutz abgehalten, in einem Fall eine Weihnachtsfeier der SPD. Zu Zwischenfällen kam es nicht. In Greifswald, dem angeblichen Sitz des Verwirrten, hat ein Gastwirt, bei dem sich die Grünen treffen, von der rechtsradikalen Greifswalder Organisation noch nie gehört, wie unsere Anfrage ergibt.

Die erste Drohnachricht wurden offenbar bereits Ende letzten Jahres versandt. Damals existierte diese rechtsradikale Internetseite noch nicht. Der Passauer Wirt hat seine E-Mail am 21. Februar erhalten, offenbar zeitgleich mit dem Erstellen der Internetseite.    bb/hud

Ein Fall für den Spamfilter
Es wäre besser gewesen, die E-Mail des Verwirrten wäre - wie es wahrscheinlich bei vielen Wirten der Fall war - auch beim Passauer Wirt im Spamfilter gelandet und automatisch gelöscht worden. Mit dem Bericht der Heimatzeitung und der Nennung der Internetseite hat sie unverdiente Beachtung, kostenlose Werbung erhalten. Dies beflügelt den Absender, vergrößert die Wirkung seiner Aktion. Seine rassistische Internetseite hat bislang 18 (in Worten: achtzehn) Aufrufe erhalten, die Aufrufe des PNP-Kollegen und der Ermittler mitgezählt. Was mich am meisten ärgert: Fast zwei Stunden haben ein Kollege und ich den Samstag mit Recherche und Schreiben für diesen kostenlosen Online-Beitrag verbracht. Zeit und Energie, die dieser Neonazi als Guthaben für sich verbuchen kann; ebenso die Zeit und Energie, welche Ermittler oder der betroffene Wirt aufbringen, sich damit zu beschäftigen.

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