Freitag, 28. November 2014
 
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Meinung >> Freitag, 05. Juli 13

PR-Aktionismus zur Katastrophe

Flashmob zur Flut und andere törichte Dinge

Die Hochwasserkatastrophe animiert Werbeagenturen zur fragwürdigen PR-Aktionen. Flashmob zur Flut. Spendenevents. "Passau hat sich herausgeputzt" als plumpe Übertreibung. Das stößt jedem Flutbetroffenen sauer auf, der sich auf eine langwierige Sanierung von wassergeschädigten Häusern, Läden und Wohnungen einstellen muss. Bürgerblick reagiert auf die jüngste Pressemitteilung des Citymarketings mit einem offenen Brief.

Liebe Verantwortliche des Citymarketings Passau,

Ihre PR-Mitteilung ist ein Schlag ins Gesicht zum Beispiel für die vom Hochwasser betroffenen Geschäftsleute im Unteren/ Oberen Sand, Bratfischwinkel, Brunngasse und Anwohner in den Fluthäusern, in denen bisweilen stockwerkhoch der Putz abgeschlagen werden muss, es möglicherweise nach Öl stinkt und die Luftentfeuchter noch wochenlang laufen müssen. Die betroffenen Passauer lesen tagtäglich von den zahlreichen Spenden, die mitunter werbeträchtig vermarktet werden, aber gesehen haben sie davon wahrscheinlich noch nichts.

So gut gemeint das "Spendenevent" am 13. Juli (warum hat man sich nicht mit der tags davor stattfindenden Kunstnacht zusammengetan?) auch sein mag, die Ankündigung selbst ist eine Katastrophe. Davon stehen Aufwand und Erlös oft im fragwürdigen Missverhältnis. Straubing hat beispielsweise Xavier Naidoo, einen wirklich prominenten Künstler, für ein Benefizkonzert verpflichtet - heraus kamen 30.000 Euro für die Fluthilfe, das sind gerade mal fünf neue Einbauküchen. 

Zitat aus Ihrem Text: "Nur wenige Wochen nach dem Hochwasser glänzt die Drei_Flüsse_Stadt Passau m e h r  als je zuvor". Was bringen solche plumpen, unwahren Übertreibungen? Von der schrägen Schreibweise ganz abgesehen: Dreiflüssestadt braucht keine drei Unterstriche.

Der Text strotzt von solchen peinlichen Superlativen. "Eine so noch nie dagewesene Form des Zusammenhalts und der Hilfsbereitschaft gipfelt nun in eine Spendenveranstaltung der Superlative". Heften sich die Organisatoren diesen Erfolg prophetisch an? Warum maßen Sie sich an, die Solidarität der Tatkraft in den Katastrophentagen in den Schatten stellen zu können?

"Der Rathausplatz soll sich in ein blaues Meer verwandeln". Menschen mit blauen T-Shirts sollen ihn bevölkern. Vielen wäre ehrlich gesagt lieber, er würde für die nächsten Jahrhunderte grau und trocken bleiben. Glauben Sie ernsthaft, dass Passauer ein blaues T-Shirt anziehen müssen, um zu bekennen "Ja, ich liebe Passau". Oder könnte es sein, dass so mancher dies als lächerliches Kindertheater empfindet?  Wer zeichnet verantwortlich für diesen triefenden Text und die intellektuellen Ideen? Soll dies ein "Red Bag Day" in "Blau" werden oder stecken dahinter ähnlich durchgeknallte Aktionisten wie jenige, welche sich den peinlichen "Entspannungsabend" in der menschenleeren Dreiländerhalle ausdachten? Den betroffenen Wirten war wenig geholfen. Es kamen gerade mal 50 Gäste.

In einem "Flashmob" zur Flut gipfelt der PR-Aktionismus. Zum Schluss wollen die Benefizveranstalter den Passauern ein schlechtes Gewissen zu machen: "Wer nicht kommt, ist selber schuld". Sind solche lauten Werbetrommeln angebracht und nötig?

Bürgerblick hat Citymarketing Passau um eine Stellungnahme gebeten, die wie folgt lautet:

"Uns ist bewusst, welche verheerenden Folgen das Hochwasser in Passau hinterlassen hat, waren wir doch vom ersten Tag an bei der Koordination der Helfer beteiligt und haben das Ganze live miterlebt. Seither helfen wir tagtäglich denen, die unsere Hilfe annehmen, wo wir nur können. Das Benefizfest am 13.07.2013 soll neben dem Sammeln von Spenden, auch eine Plattform für die vom Hochwasser betroffenen Betriebe sein, um sich zu präsentieren und um Einnahmen zu generieren, die sie dringend benötigen. Deshalb öffnen am 13.07. viele Geschäfte und Lokale, obwohl die Renovierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind und nutzen diese Gelegenheit.

Mit dabei sind  aus den stark betroffenen Gebieten im Neumarktgebiet Brunngasse, Unterer Sand, Theresienstraße, Bratfischwinkel, Kleine Klingergasse ... beispielsweise Goldenes Schiff, Aquarium, Sellys, Vinothek, Bernhards Cornershop, Stadtbeisl, Der Weltladen, Klangbild,...In der Altstadt ist die Höllgasse dabei, die Wirte am Römerplatz gehen nach draußen, der Ratskeller bewirtet den Rathausplatz.

Der Wunsch der meisten Gewerbetreibenden egal ob direkt oder indirekt vom Hochwasser betroffen ist, ein gewisses Maß an Normalität einkehren zu lassen und Besucher und somit Kunden wieder nach Passau zu holen, um Einnahmen zu erzielen. Wir müssen daher die Botschaft verbreiten, dass Passau wieder einen Besuch wert ist. Dies wurde bereits am 10. Juni mit den Gewerbetreibenden so vereinbart. Mit einem Fest in dieser Größenordnung erreichen wir auch die überregionalen Medien, die genau diese Botschaft nach außen tragen.

Der Verkauf der blauen T-Shirts zielt in erster Linie der Einnahme von Spenden und ist als Nebeneffekt ein schönes Zeichen. Ich persönlich freue mich darüber, dass unsere Studenten den Slogan "wir lieben UNSERE Stadt" gewählt haben, zeigt es doch, dass sie sich hier heimisch fühlen. Ich stelle ihnen sehr gerne in einem persönlichem Gespräch das Konzept des Benefizfestes vor, denn sicher sind sie dann vom Nutzen für die vom Hochwasser betroffenen Betriebe überzeugt.

Mit freundlichen Grüßen aus der DREI_FLÜSSE_STADT Passau
i.A. Christiane Kickum

Anm. d. Red.: Auf die kritisierten Übertreibungen und plumpen Superlative des PR-Textes geht die CMP-Chefin nicht ein. Hätte es nicht genügt, der Welt etwas Ehrliches zu verkünden: Kommen Sie nach Passau und staunen Sie - nicht nur über Hochwassermarken, auch darüber, wie eine Bürgerschaft vorbildlich mit Fleiß und Solidarität einer Flutkatastrophe ausgehalten und überwunden hat. Mit jedem Cent, den Sie bei uns investieren, verhelfen sie der Perle an den drei Flüssen zum neuen Glanz.  

Der PR-Text im Original:

… Passau hat sich rausgeputzt!

Das große Benefizevent nach dem Jahrtausendhochwasser

Nur wenige Wochen nach dem Hochwasser glänzt die Drei_Flüsse_Stadt Passau mehr als je zuvor.  Viele überschwemmte Läden und Gastonomiebetriebe öffnen ihre Türen um in den sonnigen Sommertagen Jung und Alt mit ihrem Angebot zu begeistern.

Um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung aus Nah und Fern wieder auf die romantischen Gassen und die quirlige Fußgängerzone zu lenken, wird es am 13.07, von 10 – 23 Uhr, ein großes und aufregendes Benefizspektakel unter dem Motto: „… Passau hat sich rausgeputzt“ geben.

Die breit aufgestellte Benefizveranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Passau, Universität Passau, allen politische Fraktionen, dem Innside- und Paul-Verlag und den Brauereien, organisiert vom City Marketing Passau. Hierbei wird die gesamte Innenstadt vom Klostergarten bis zur Ortspitze bespielt, um somit genügend Aufmerksamkeit zu erregen und alle mit einzubeziehen.

Eine so noch nie dagewesene Form des Zusammenhalts und der Hilfsbereitschaft gipfelt nun in eine Spendenveranstaltung der Superlative.  Auf 14 Aktionsflächen werden sich die großen Namen der Region die Klinke in die Hand geben – die Antenne Bayern Band, Sergeant Pepper, Rawgroove, Helga von Hochstein, der bekannte Uni-Professor und DJ  „DJ Trackmann“ und viele viele weitere Bands und Solokünstler geben sich an diesem Tag die Ehre.

Die offizielle Eröffnung um 11:30 Uhr übernehmen der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Uni-Präsident Prof. Dr. Burkhard Freitag am Rathausplatz.

Hierbei spielen die beliebten blauen „Passau räumt auf“-Tshirts eine große Rolle. Der Rathausplatz soll sich dann nämlich in ein blaues Meer aus Menschen verwandeln, um somit auch zu zeigen: „Ja, wir lieben die Stadt Passau!“.

Deshalb ist natürlich auch jeder dazu aufgerufen sich eines dieser Benefizartikel in einem der Passauer Läden zu besorgen, um an diesem Tag seine Solidarität mit den Passauern ausdrücken zu können.

Alle eingenommenen Reinerlöse, angefangen bei den Ständen der Benefizmärkte bis hin zu den Erlösen der Auktionen, werden komplett auf das Spendenkonto der Stadt Passau überwiesen und entsprechend der dokumentierten Schadenshöhe an die Betroffenen verteilt.

Staunen, begeistern lassen und Mitmachen heißt es auch auf dem Residenzplatz. Die Passauer Feuerwehr präsentiert Fahrzeuge und  Maschinen, die beim Hochwasser im Einsatz waren. Der beliebte Zauberclown „Magic Michi“ läutet an diesem Tag das bunte und abwechslungsreiche Kinderprogramm ein.  Ob Bauchreden, Kinder-Body-Airbrush oder auch das allseits beliebte Kinderschminken – die kleinen Gäste werden durch ein Zauberland an Attraktionen wandern.  Trapezkünstler, Wortartisten und Luftballontiere sorgen für einen bunten und abwechslungsreichen Erlebnistag.

Um 16:00 sollen sich möglichst viele Besucher entlang einer Linie vom Klostergarten bis zum Rathausplatz aufstellen, um bei dem ersten Passauer Flashmove dabei zu sein. Diese Flash- Laola-Welle wird von mobilen und fliegenden Kameras begleitet und schließt um 17 Uhr mit großem Finale am Rathausplatz.

Doch damit nicht genug: Um genügend Geld für die Flutgeschädigten zu sammeln wird es eine Tombola mit vielen hochwertigen Preisen ortsansässiger Firmen geben. Außerdem werden bei einer Benefizauktion überraschende und begehrte Objekte versteigert, die bestimmt viele Bieter auf den Platz rufen werden.

Von 10 – 23 Uhr heißt es in der gesamten Innen-und Altstadt: Auf einen erfolgreichen und erlebnisreichen Spendentag – wer nicht kommt, ist selbst schuld!

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