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Meinung | Samstag, 10. November 18

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Die Stars des Abends beim Schlussapplaus: Yitian Luan (weißes Kostüm), Irina Zhytynska (Brautkleid), Guido Jentjens (König) und Victor Campos Real. (Foto: mediendenk)
Umjubelte Passauer Premire

Brennende Herzen, bebendes Opernhaus

Die Theaterwelt schaut mit Bewunderung auf die Passauer Oper: Dort erlebte gestern Abend eine moderne, mitreißende Inszenierung der Belcanto-Oper „Anna Bolena“ ihre umjubelte Premiere. 

Das Publikum huldigte der preisgekrönten chinesischen Sopranistin Yitian Luan, die mit ergreifender Schwermut und schöner Stimme die gedemütigte Königin Anna Bolena verkörpert.

Eine internationale Besetzung aus sieben Nationen (China, Ukraine, Mexiko, Südkorea, USA, Österreich, Deutschland) hat der britische Regisseur Ultz zu einer Opernfamilie zusammenwachsen lassen, deren Mitglieder sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen.

Dirigent Basil Coleman und seine niederbayerische Philharmonie sind Meister des Fachs. Seit zehn Jahren widmet sich das niederbayerische Landestheater dem italienischen Schöngesang – beginnend mit den Opern Vincenzo Bellinis, gefolgt nun nach „Lucia di Lammermoor“ und „Lucrezia Borgia“ von der dritten Produktionen des Komponisten Gaetano Donizetti.

Die Sängerinnen und Sänger des Chores großartig als Medienmeute mit Kameras und Mikrofonen, gesanglich wie darstellerisch.

Das Bühnenbild wie perfekter italienischer Espresso: schwarz und stark – und heiß, wenn sich Schlafzimmertüren öffnen. Auf dem blütenweißen, bühnenbreiten Betten mit weichen Kissen räkeln sich Mitglieder des Königshauses; mit beigem BH die Hofdame oder in himmelblauer Boxershort der König, gebratene Hühnerschenkel vom Schnellimbiss knabbernd.

Ultz, der britische Regisseur, ist immer für Überraschungen gut. Er wirkt an den Opernhäusern in London und München. Vor neun Jahren hat er in Passau Humperdincks Hänsel und Gretel vom Wald in einen Großstadtdschungel versetzt.

Die Intrigenspiele am englischen Königshof unter Heinrich VIII. des 16. Jahrhunderts projiziert Ultz in das 20. Jahrhundert. Dazu gehören die sensationsgierige Regenbogenpresse und schaulustige Zaungäste, Laptop und Handy. Er setzt Akzente, die die komplexe Beziehungstragödie dem Zuschauer nahbar werden lassen, in dem fast dreistündigen Werk schleicht sich keine Sekunde Langeweile ein.

Die Geschichte: Der König verleumdet seine Ehefrau des mehrfachen Ehebruchs, damit er sich ihrer entledigen und eine die jüngere Hofdame heiraten kann. Sein egoistischer Trieb reißt jeden mit ins Unglück, selbst die junge Braut, weil sie die Intrige durchschaut und Mitleid mit der verstoßenen Königin hat. 

Das Passauer Opernhaus bebte zum Schluss vor Begeisterung. 

Besetzung:

Der Rheinländer Bassist Guido Jentjens (Heinrich, König von England)
Die chinesische Sopranistin Yitian Luan (Anne Boleyn)
Die ukrainische Mezosporanistin Irina Zhytynska (Jane Seymour)
Der südkoreanische Bariton Kyung Chun Kim (Lord Rochefort)
Der mexikanische Tenor Victor Campos Leal (Lord Richard Percy)
Die Salzburger Mezzosopranisin Reinhild Buchmayer (Smeton)
Der US-Amerikaner Tenor Jeffrey Nardone (Sir Hervey)

Opernchor des Landestheaters Niederbayern

Niederbayerische Philharmonie

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