Google-Anzeigen

Meinung | Mittwoch, 10. Mai 17

bild_klein_0000011716.jpg
Das Genussquartett: Stefanie Buchhold, Holm Putzke (Brille), Stephan Öller (Bart) und Hubert Scheungruber (Foto: Tobias Köhler)
Toms Genussquartett

Chiemsee-Whisky, ein steirischer Witz und Passauer Schokolade

Der „Brexit Whiskey“ aus dem steirischen Traditionshaus Gölles ist eine Anspielung auf das Referendum, bei dem die Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben. Allerdings will sich der Brexit nicht politisch positionieren, sondern eher zum Smexit anregen. Also zum Ausstieg aus der Welt des traditionellen Single Malts.

Das Unpolitische möchte man dem Brexit kaum abnehmen, da auf dem Etikett mit den zwölf Sternen der EU gezündelt wird. Geschmacklich hingegen ist der Brexit sicher eine Alternative zu den üblichen Malt Whiskys. Mit seinem Maisanteil von über 50 Prozent entspricht er einem Bourbon. Außergewöhnlich ist seine individuelle zusätzliche Getreidemischung aus Gerste, Roggen, Weizen und Dinkel.  Aus regionalen Zutaten ist ein ungewöhnlicher Mash Bill entstanden, der auf der Zunge einen Zebrastreifen aus harmonischen Aromen hinterlässt: Süße, dezent würzige und grasig-getreidige Notenwechseln sich ab und sorgen durch perfektes Zusammenspiel für einen angenehmen Abgang. Es ist schade, dass dieses hochwertige Produkt einen missverständlichen Namen und ein mehrdeutiges Etikett besitzt.

Der oberbayerische Kymsee beeindruckt bereits durch sein außergewöhnliches und edles Flaschendesign. Die Destille ist in Grabenstätt am Ostufer des Chiemsees beheimatet. Hier geht Oliver Lange seiner Passion nach und verwandelt seit 2012 dunkles bayerisches Gerstenbraumalz in einen goldgelb schimmernden Single Malt. Das Geheimnis der Qualität liegt in Geduld und Handwerk: Zubereitung im sogenannten Würzeverfahren, schonende Gärung, dreifache Destillation, Lagerung in amerikanischen Weißeiche fässern und Verdünnung auf Trinkstärke mit dem Wasser aus der Steinweiherquelle. Unter dem gleichen Dach wie die Whiskybrennerei befindet sich die Gaststube des Chiemseebräus. Hier finden regelmäßig Verkostungen des eigenen und von schottischen Whiskys statt. Beim Tasting wird handgeschöpfte Schokolade der Passauer Confiserie Simon gereicht. Ein Schokoladenerlebnis, das sich auch gut mit dem Brexit kombinieren lässt.  

bild_klein_0000011708.jpg
Brexit Whiskey:0.7 Liter, 43,3 Prozent, ca. 45 Euro, bewertet mit 3 von 5 Punkten (Foto: Tobias Köhler)
Testergebnis zum "Brexit Whiskey"

Stefanie Buchhold, Leiterin des Passauer Oberhausmuseums: "Der Brexit ist ein goldgelber Tropfen, der die Nase mit süßen Obstnoten und dem Duft nach Gras und Getreide begrüßt. Im Geschmack ist er vollmundig, buttrig und süß, gepaart mit Frucht-  und Grasnoten. Im Nachklang spiegeln sich die Aromen aus Heu und Gras. Dazu gesellt sich eine leichte Bitterkeit." 3,0 Punkte

Stephan Öller, Inhaber des Passauer Lokals "Weingut": "Der Geruch ist eine Mischung aus dezenter Frucht- und Obstaromatik, aus Vanille, etwas Mandel und Heu. Beim ersten Schluck präsentiert er sich ruppig. Dann wird er zunehmend milder und angenehmer. Es finden sich Gras- und leichte Karamelltöne. In der Nase angenehm, geschmacklich eher kompliziert." 2,0 Punkte

Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Uni Passau: "Goldgelb, angenehm, dezent und trotz der Zutatenvielfalt gut ausbalanciert. Geschmacklich schwer fassbar und schwierig zu beschreiben.  Klar erkennbar sind Mais, Holz und Apfel. Im Erst - kontakt präsentiert sich der Brexit ruppig, aber man kann sich reintrinken. Mit jedem Schluck überzeugt er mehr." 3,5 Punkte

Hubert Scheungraber, Inhaber der Passauer Bar Journey: "In der Nase finden sich mehrere Aromen mit - einander verwoben: Holztöne, Fruchtnoten, Mandel, Vanille und Honig. Insgesamt schwer zu definieren. Auf der Zunge stellen sich fruchtige, grasige und frische Noten plus eine gewisse Bitternote ein. Als Gesamteindruck bleibt seine Vielschichtigkeit" 3,0 Punkte

bild_klein_0000011709.jpg
Kymsee Whisky, 0,5 Liter, 45 Prozent, ca 43 Euro, bewertet mit 4 von 5 Punkten (Foto: Tobias Köhler)
Testergebnis zum "Kymsee Whisky"

Stefanie Buchhold: "Zunächst bestimmen Alkohol- und Hefenoten den Geruch. Aber nach kurzer Zeit im Glas wird der Whisky gefällig. Auf der Zunge wechseln sich Noten von Kakao, Birne, Nuss, Sherry, Sahne und Karamell ab. Im Abgang ist der Kymsee sehr harmonisch und hinterlässt einen angenehmen, nachhhaltigen Eindruck" 4,0 Punkte

Stephan Öller: "Den Ersteindruck dominieren Hefearomen.  Dann folgen Fruchtnoten, Zwetschge, Vanille und Rauch. Alles sehr dezent. Geschmacklich überzeugt der Kymsee durch seinen kräftigen, klaren Körper. Dann fruchtiges Steinobst, Toffee, leichte Nuss und intensive Kakaoaromen. Sehr angenehm und komplex am Gaumen." 4,5 Punkte

Holm Putzke: "Rein optisch besitzt der Kymsee im Glas eine gewisse Öligkeit. In der Nase überlagert die Hefe die anderen Aromen. Dann folgt die Anmutung von Sägewerk. Im Mund offenbart der Whisky seine differenzierte Struktur. Auf der Zunge ist er süß, samtig und nussig. Im Abgang entgegenkommend und lang." 3,0 Punkte

Hubert Scheungraber: "Beim Geruch dominiert anfangs eine Hefenote, die sich rasch verflüchtigt. Dann präsentieren sich Vanille, Frucht und dezente Nuss als Aromen.  Schmeckbar sind zunächst fruchtiges Steinobst, gefolgt von Holz, Nuss und Bitterschokolade. Ins - gesamt ein sehr angenehmer, langanhaltender und milder Whisky." 4,0 Punkte

Unsere Tester vergeben maximal fünf Punkte. Ein Siegel für ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis wird bei Bedarf gesondert verliehen.

0 Punkte: enttäuschend
1 Punkt: annehmbar
2 Punkte: durchschnittlich
3 Punkte: gut
4 Punkte: sehr gut
5 Punkte: herausragend

Übermäßiger Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich. Bitte genießen Sie alkoholische Getränke verantwortungsvoll.

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

19:22
Mittwoch
22. November 2017
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

KULTURKALENDER
22.11. | Mittwoch
CAFÉ MUSEUM
John Arman Organ Trio
 

Jazzformation aus Gitarre, Hammond-Orgel und Schlagzeug.


20:00 Uhr | 20 Euro, ermäßigt 10 Euro
UNIVERSITÄT
Lesung:Kateřina Tučková
 

Die tschechische Autorin stellt ihren Roman "Das Vermächtnis der Göttinnen" vor. Der fantastisch anmutende Titel behandelt die Härte totalitärer Regime.

Ort: Libray Lounge in der Zentralbibliothek


20:00 Uhr | Eintritt frei

BÜRGERBLICK AUF FACEBOOK

Google-Anzeigen