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Meinung | Montag, 23. Juli 18

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Ein Stadtbus und ein Sattelzug sind sich in der Kurve beim Granitpoller zu nahe gekommen. Ein Lotse hilft bei der Millimeterarbeit. (Leserfoto: Wimmer)
Innstadt blockiert

Stadtbus schmust mit Brummi

Der ungewöhnlich lange Mittagsstau von und in die Innstadt war heute Gesprächsstoff. „Was war da los?“, wollte nach der Rathaussitzung eine Leserin von mir wissen. Ich musste passen. Als ich später mein elektronisches Postfach leerte, fand ich die Antwort.

„Deppenalarm“ hat der Absender wenig freundlich sein beigefügtes Foto beschriftet. Es zeigt die rote Zugmaschine eines Sattelzugs und einen blauen Bus der Stadtwerke, die sich in der engen S-Kurve am Kirchenplatz verhakt haben. Das Rangieren, das Vor und Zurück ohne Schrammen war wohl ein längeres Unterfangen.*

Zufällig hatte ich diesen Vormittag die Rathaussprecherin befragt, ob denn für die Bewohner der Innstadt bald ein Befreiungsschlag in Aussicht sei. Wir sprachen über die großen, langen Busse, die den konkurrierenden Kreuzfahrthafen in Engelhartszell bedienen und dummerweise nicht unter die Durchfahrtssperre für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen fallen. Wir sprachen über die Handvoll Unternehmer, die für ihre Schwer- und Langfahrzeuge Ausnahmegenehmigungen besitzen. Zu den Privilegierten gehören ein Lkw-Anhängerbauer, ein Langholztransporteur und offenbar auch ein Bauschuttrecycler mit Muldenkippern.

In der Schlucht der Mariahilfgasse belasten die höchsten Stickoxidwerte der Stadt Lunge und Atemwege. Begegnungen von Langfahrzeugen führen immer wieder zur kurzfristigen Verkehrsblockaden. Angesichts der Abgasdebatte sollten die Ausnahmegenehmigungen für den Schwerlastverkehr erneut auf den Prüfstand gestellt werden, ebenso die Durchfahrtserlaubnis für die Kreuzfahrttouristenbusse: Steht der Schutz der Fußgänger, Radfahrer und Anwohner nicht höher als der Anspruch der Wirtschaft auf kurze Wege? Dass der Verkehr zügiger fließt wäre ein Nebeneffekt, der den Autofahrern gefallen dürfte.

Es werde nach Lösungen gesucht, sagte die Rathaussprecherin. Sie erinnerte an die Pförtnerampel, die in einer der letzten Verkehrsausschusssitzungen der Ordnungsreferent angesprochen hatte und erwähnte, dass weitergehende Durchfahrtsbeschränkungen geprüft würden. 

„Meine Frau steht am Ende der Marienbrücke“, klagte der Leser, der mir das "Deppenalarm"-Foto schickte. Zumindest der Stadtbusfahrer hätte wissen müssen, dass das nicht passt.

Stimmt. Die Stadtwerke müssen sich selbst an der Nase nehmen, weil sie auch ihre Gelenkbusse durch die Innstadtgässchen schicken. Der frühere Stadtwerkechef hatte mir mal erklärt, dass die Einsatzplaner keine Möglichkeit sähen, dies zu vermeiden. Den Busfahrern sei nicht zuzumuten, dass sie immer dieselbe Runde drehten. Man schicke sie deshalb auf große Fahrt durch verschiedene Stadtteile. Außerdem gebe es Stoßzeiten, zu denen diese Gelenkbusse auch in der Innstadt gut ausgelastet seien. Meine Meinung: Die Busfahrgäste würden sich wahrscheinlich mehr über kürzere Taktzeiten freuen.

Wie lange der Stadtbus mit dem ungarischen Sattelzug schmuste, hat der Leserreporter nicht mitgeteilt. 

*Nachtrag: Wie die Polizei mitteilt, hatte der 34-jährige Lkw-Fahrer die für ihn gesperrte Innstadt durchfahren und musste nach dem Zwischenfall eine Sicherheitsleistung hinterlegen. In der Engstelle am Kirchenplatz war das Ausweichmanöver für beide Fahrzeuge nicht ohne Schrammen abgegangen. Der Lkw touchierte den Grantitpoller und der Stadtbus riss einen Metallpfosten aus der Verankerung.

hud

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