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Nachrichten | Freitag, 02. Februar 18

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In einem Weißbiergärkeller der Löwenbrauerei diskutierten sie über sozialen Wohnungsbau. Till Hofmann (Vollbart, schwarzes Sakko) hat seine Idee vorgestellt: Brauerei, Stiftung und Bürger als Partner zusammenbringen für eine soziale Wohnungsgenossenschaft
Soziale Wohnungsgenossenschaft

Stachel im Fleisch der Baulöwen

Wenn sich Bürger und eine Brauerei zusammentun, könnten sie ein kleiner Stachel im Fleisch der Baulöwen sein, die den Passauer Wohnungsmarkt beherrschen.

Eine bunte Mischung der Passauer Gesellschaft hat sich am Freitagabend in einem weiß gekachelten Raum auf 25 harten Bierbänken getroffen, um einem spannenden Thema zu lauschen: Kann man der Handvoll Baulöwen, die den Wohnungsmarkt beherrschen und die Preise bestimmen, nicht ein Modell entgegensetzen, das allein sozialen Zwecken dient?

Der Münchner Kleinkunstveranstalter Till Hofmann, der mit seinen Gastspielen „Eulenspiegel-Zeltfestival“ und „Oide Dult“ mit seiner Heimatstadt Passau fest verwurzelt ist, präsentierte seine Idee von einer sozialen Wohnungsgenossenschaft. Was in München funktioniert, sollte in Passau auch gehen. Konkret: In Kooperation mit der Löwenbrauerei und deren Stockbauer-Stifung könnte auf dem westlichen Areal des Brauereihügels, die Bebauung entlang der Hollergrippe, eine neues Wohnareal geschaffen werden. Es liegt unberührt vom geplanten Erweiterungsbau der Universität, welche der Freistaat auf der östlichen Seite des Löwenbrauereihügels, zum Kleinen Exerzierplatz hin, plant.

Das Interesse der Bürger für neue Modelle, die bezahlbaren Wohnraum schaffen, war größer als Hofmann erwartet hatte. Es zeigt, dass das Thema auf den Nägeln brennt. Das für die Präsentation vorgesehene Stockbauerstüberl wäre zu klein geworden. Der Brauereidirektor hatte vorausschauend für die letztendlich 150 Besucher einen Raum angerichtet, der als neuer Weißbierkeller geschaffen worden ist.

Mit Hofmanns Idee könnte sich die Brauerei einen Teil ihres Geländes sichern und selbst entwickeln, für das Investoren und Freistaat Vorkaufs- und Erbbaurecht besitzen. In den nächsten zwei, drei Jahren, so der Brauereidirektor, müsste die Umsetzung erfolgen, wenn sie zielführend sein soll.

Der Blick ins Publikum war fast spannender als die Präsentation des Wohnungsgenossenschaftsmodells. Wer war an interessierten Stadträten da? Drei Grünen-Politiker, darunter als Vertreterin des Rathauses die dritte Bürgermeisterin; ein Seniorstadtrat der CSU. Wer war von den Vertretern der Baulöwen da, auf welche Hofmann in seiner Rede indirekt mit den Fingern zeigte? Der Hausarchitekt des großen Zeitungsverlags, dessen Inhaber im Immobilienmarkt kräftig mitmischen; die Ehefrau vom Generalbevollmächtigten eines großen Baulöwen, die als angestellte Rechtsberaterin der Löwenbrauerei eine Doppelrolle spielte; der Vertreter eines großen Immobilienbüros, der zuletzt einen schillernden Düsseldorfer Wohnungsinvestor betreute. Außerdem: der ehemalige Festspielintendant und eine Kreisrätin der Grünen, städtische Angestellte und Bürger, die die aktuelle Entwicklung des Wohnungsmarktes offenbar satt haben.

Am Ende der Präsentation standen viele noch lange mit Bierfläschchen in der Hand in Grüppchen zusammen und diskutierten. „Ja, es bewegt sich was“, sagten sie. Der Hofmann Till wurde mit Lob überschüttet und von alten Freunden umarmt. "Könnte nicht die Stadt Passau Flächen für so ein Genossenschaftsmodell zusätzlich zur Verfügung stellen?", fragte jemand. "Das müsste doch auch einem SPD-Oberbürgermeister gefallen", glaubte ein anderer.

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