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Report | Dienstag, 06. Februar 18

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Ein Feuerwehrfotograf hat im letzten Jahr festgehalten, was passieren kann, wenn sich Reisebusse und Caravangespanne in der Innstadt begegnen: Sie verkeilen sich und alles steht.
Bringt Maut mehr Autobahnflüchtlinge?

Ampeln an der Staatsgrenze gegen Passauer Verkehrskollaps

Von der Gesundheit der Bürger war keine Rede. Nicht von Dieselabgasen, nicht von Stickoxiden. Das Passauer Rathaus sieht den Stadtteil am südlichen Innufer, die Innstadt, meistens nur unter einem Aspekt: Wie vermeidet man Stau? Heute hat der Leiter des Ordnungsamtes mit einer Horrorvision aufgewartet: Möglicherweise müssten irgendwann an den Grenzübergängen Ampeln aufgestellt werden, um einen Verkehrskollaps zu vermeiden. Die Durchfahrtsrechte für Reisebusse und Lkw über 7,5 Tonnen zu beschränken, wäre aktuell eine Maßnahme, den Stadtteil zu entlasten.

Fernfahrer und Autofahrer, die den Einreisestau auf der A3 umgehen wollen, weichen seit den sogenannten Grenzkontrollen der Bundespolizei auf Schleichwege aus und belasten zusätzlich umliegende Dörfer, aber auch die Passauer Innstadt, ein Verkehrsnadelöhr der Dreiflüssestadt. Die Folgen sind noch dreckigere Luft, noch mehr Lärm, aber auch mehr Staus, weil sich in den engen Gassen lange Fahrzeuge verkeilen. Sattelschlepper, Reisebusse, Lastzüge, Caravangespanne.

Diese Autobahnflüchtlinge könnten noch mehr werden, wenn zu den Kontrollen der Bundespolizei die Autobahnmaut kommt, warnte heute in der Sitzung für Stadtentwicklung der Leiter des Ordnungsamtes. Er hatte Zahlen der Verkehrszählungen von November des Vorjahres präsentiert und diese mit Zahlen vom März 2013 verglichen. In der Gesamtschau sei das Verkehrsaufkommen in der Innstadt nahezu gleichgeblieben, etwa 18.000 Fahrzeuge pro Tag. Er musste zugeben, dass der gewählte Monat November nicht gerade glücklich gewählt worden sei.

November. Kein Reiseverkehr, keine Saison für Kreuzfahrttouristen oder Passau-Besucher, weniger Fahrzeuge insgesamt auf der Straße. Bekanntlich melden vor allem Sportwagen- und Cabriofahrer viele Fahrzeuge über den Winter ab.

Jeder 5. Wagen ein Tanktourist

Sein Fazit des Vergleichs: Die Lkw unter 7,5 Tonnen hätten zugenommen, wohl wegen der boomenden Wirtschaft, die Lkw über 7,5 Tonnen seien etwas weniger geworden. Die Zahl der Tanktouristen, welche die Innstadt zur Durchfahrt benutzen, sei deutlich gestiegen. Von 80 Tanktouristen pro Stunde (2006) auf knapp 100 pro Stunde; insgesamt 3.600 Fahrten pro Tag während der Öffnungszeiten (5 Uhr bis 23 Uhr), das entspricht einem Verkehrsaufkommen von drei Fahrzeugen im Minutentakt und 20 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens.

Die Erhebungen sind über einen Zeitraum von zehn Stunden gemacht worden.

Durchfahrtsverbot für Reisebusse und Ausnahmegenehmigungen einziehen?

Zwei bis drei Reisebusse je Stunde wurden gezählt, die wegen ihrer Überlänge ebenfalls oft in den Kurven den Verkehr blockieren; es dürften in den Sommermonaten ein Vielfaches mehr sein. „Man sieht sie manchmal in Fünferkolonnen fahren“, erwähnte ein Stadtrat. Diese Verkehrsbelastung erzeugt ein vor allem ein Busunternehmer, welcher den Kreuzfahrttourismus eines donauabwärts gelegenen österreichischen Dorfes bedient. Die Überlegung, diesem die Durchfahrt zu verbieten, ihn auf den Umweg über Landstraße und Autobahn zu zwingen, ist laut angedacht worden; ebenso, die ausgegebenen Durchfahrtsrechte völlig einzuziehen, beispielsweise für einen Anhängerbauer mit Sitz im benachbarten Österreich sowie einen Holzunternehmer mit Langholztransporten. Vier Passauer Betriebe und ein Unternehmen im benachbarten Grenzland sind derzeit noch Inhaber einer Ausnahmegenehmigung.

Zwei bis drei Lkw über 7,5 Tonnen je Stunde haben nach Beobachtung der Zähler die Innstadt zur Durchfahrt benutzt, wahrscheinlich die Hälfte ohne Genehmigung.

Um den Verkehr in der Innstadt im Fluss zu halten, ist vieles probiert und teilweise erfolgreich geändert worden. Straßen, die für Gegenverkehr freigegeben waren, wurden zur Einbahnstraße erklärt und später in der Richtung umgedreht (Lederergasse). Eine Nebenstraße wurde an einer bestimmten Einmündung zur vorfahrtsberechtigten Hauptstraße hochgestuft und die Hauptstraße abgewertet (Kapuzinerplatz). Eine sogenannte Pförtnerampel, die den Verkehr im beengten Zentrum der Innstadt koordiniert, hielt der Referent nicht für sinnvoll. Sie würde den Verkehrsfluss mehr verzögern als beschleunigen, rechnete er vor.

Andere Ampeln dagegen, so führte er aus, könnten die letzte Rettung sein, wenn die Autobahnmaut kommt und Ausweichrouten noch beliebter werden. Die Signalanlagen müssten dort aufgestellt werden, wo früher Schlagbäume waren, an der Grenzübergängen. Sie wären die einzige Möglichkeit, um die Innstadt vorm Verkehrskollaps zu retten. Von der Gefahr durch noch mehr Dieselabgase und dreckige Luft für Bewohner, Fußgänger und Radfahrer sprach er an dieser Stelle wieder nicht. Es liegt wohl daran, dass dieser Referent für Ordnung zuständig ist, nicht für Umwelt.

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27. Mai 2018
 
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