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Report | Dienstag, 29. Mai 18

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Am Bauschild des neuen Investors, den die Stadt hofiert: 100 Dorfbewohner sind zum Ortstermin gekommen. (Foto: Stefan Schopf/ Bürgerblick)
Flächenfraß in Vilshofen

Bürgeraufstand gegen neues Industriegebiet

Ein Industriegebiet hoch über den nördlichen Donauhügeln von Vilshofen (Landkreis Passau) soll nach den Plänen des Rathauses weiter wachsen. Aber die Bürger des betroffenen Dorfes rufen „Stopp!“. Es seien genug landwirtschaftliche Flächen und Wälder vernichtet. Die bayerische Politik erlebte heute wohl ihren eindrucksvollsten Protest gegen den sogenannten Flächenfraß.

Fast alle 600 Dorfbewohner von Albersdorf haben eine Petition an den Bayerischen Landtag unterschrieben, um die „Zerstörung der Heimat“ zu beenden. 13 sind als Antragsteller unmittelbar betroffen, 568 haben uterschrieben. Heute ist es zum Ortstermin gekommen. Vertreter des Petitionsausschusses, des Ministeriums, der niederbayerischen Regierung, des Passauer Landratsamtes und der Stadt Vilshofen setzten sich mit den Initiatoren an einen Tisch.

100 Bürger beim Ortstermin

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Für die Besprechung mit den Vertretern aus München, Landshut, Passau und Vilshofen hat die Familie des Antragstellers in ihrer Partyhütte einen "runden Tisch" geschaffen. Das Dorf ist gekommen, um zuzuhören. (Foto: Stefan Schopf/ Bürgerblick)
Die Vertreter der Politik und der Antragsteller waren nicht allein: 100 Bürger, darunter junge Familien, Landwirte und Dorfburschen sind zu diesem brisanten Treffen gekommen. Er habe schon viele Petitionen erlebt, aber noch keine, an der sich beim Ortstermin so viele beteiligt hätten, sagte Landtagsabgeordneter Hans Ritt (CSU). Er war für den Petitionsausschuss zusammen mit seiner Kollegin Jutta Widmann (Freie Wähler) angereist. Nicht erschienen war der Vilshofener Bürgermeister Florian Gams (SPD). Er ließ sich entschuldigen, befindet sich auf Kurzurlaub.

Mehr als 500 Hektar verlorene Natur und Landwirtschaft

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Johann Eder, ein ehemaliger Schuldirektor, hat gemeinsam mit seinem Sohn die Petition angestoßen. (Foto: Stefan Schopf/ Bürgerblick)
Der Initiator und Sprecher auf der Seite der Bürger, ein ehemaliger Schuldirektor, dessen Sohn als Hausbesitzer das neue Industriegebiet vor die Nase gesetzt würde, hatte den Irrsinn des Flächenfraßes auf Schautafeln illustriert. Mindestens eine halbe Million Quadratmeter Gewerbe- und Industrieflächen haben die Kommunen im Umkreis von 15 Kilometern ausgewiesen. Warum diese Parzellen nicht bedient würden, bevor neues Land vernichtet wird, sei nicht nachvollziehbar.

Kommentar
Die Wurzel des Übels: Die Gemeinden liefern sich einen Konkurrenzkampf, um möglichst viel Gewerbesteuerzahler auf ihr Land zu ziehen, ja sie werben sich gegenseitig Investoren ab. Diese fühlen sich wie ein Mann auf Brautschau, der von Dutzenden Bräuten umworben wird. Schlimmstenfalls bleiben Industriebrachen zurück, wenn der Umzug in die Nachbargemeinde für einen Gewerbe- oder Industriebetrieb attraktiver oder lukrativer wird.

Mögliche Lösung des Problems: Die Gewerbesteuer muss der Hoheit der Kommunen entrissen werden. Die Abgabe sollte auf Bezirks- oder Landesebene abgewickelt werden und von dort nach einem fairen Schlüssel über die Kommunen verteilt werden. Das würde die Gier der Gemeinden stoppen und das Gesicht Bayerns bewahren.

Flächenfraß: Aufstand in Albersdorf from Bürgerblick on Vimeo.

Mehr zum Thema im nächsten gedruckten Heft. Eine Langfassung folgt für Abonnenten.

 

Kostenlose Online-Berichterstattung von Hubert J. Denk/ Text und Stefan Schopf/ Fotos.
Zeitaufwand: jeweils drei Stunden für Fahrt und Ortstermin, jeweils zwei Stunden für Text- und Bildbearbeitung.

 

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18:12
Samstag
20. Oktober 2018
 
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