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Report | Mittwoch, 26. Dezember 18

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Der Haupteingang des "Instituts für Spaß und Gesellschaft", das viele Veranstalter als neuen Klub für eine Nacht buchen. (Foto: mediendenk)
Reizgasattacke im Weihnachtsklub

Spaßgesellschaft zum Weinen gebracht

Passau - Die laut Veranstalter „glamouröseste Weinachtsparty“ der Stadt, der Rechtschreibfehler hatte etwas Prophetisches, hat tatsächlich die Menschen zum Weinen gebracht, mit Tränen und Blaulicht geendet.

Dutzende Gäste flüchteten mit Augenreizungen, Übelkeit und Atemnot ins Freie; vier Menschen ließen sich von Sanitätern behandeln und wurden zur ambulanten Weiterbehandlung ins Klinikum gebracht. Die niederbayerische Einsatzzentrale der Polizei in Straubing berichtet auf Anfrage von acht Verletzten, die registriert worden sind. Es werden sich wohl noch weitere melden.

Beim „Ball der Liebe“ in einer Partyhalle am Güterbahnhof hatten sich laut Polizeibericht zwei Männer um eine Frau gestritten. Dabei setzte einer sein Pfefferspray ein!

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Um 23 Uhr hatten die Gäste noch ausgelassen gefeiert, wie Bilder in den sozialen Netzwerken zeigen. Es stand gerade DJ Van Art am Pult, als die Pfeffersprayattacke geschah. (Quelle: Facebook)
Die Veranstaltung, die gegen 23 Uhr in Schwung gekommen war und bis 5 Uhr früh gehen sollte, wurde abgebrochen, die Räume gelüftet. Als das Reizgas sich gegen 1.50 Uhr ausbreitete, brach in der Menge teilweise Panik aus. Die Notausgänge auf der Seite zu den Bahngleisen wurden geöffnet, die Lichter gingen an. Die Rettungsleitstelle, die von der Einsatzzentrale der Polizei informiert worden war, schickte zwei Rettungswagen zum Schauplatz. Drei Streifenwagen trafen ein.

Der 31-jährige Reizgassprüher ist von der Besatzung der alarmierten Polizeistreife festgenommen und zur Vernehmung aufs Revier mitgenommen worden. Er muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

„Ich bin sofort aufs Klo gerannt und hab´ mir mehrmals die Augen ausgewaschen“, erzählt Markus, 29, ein Gast. Es sei ihm noch Stunden danach schlecht gegangen, er werde nachträglich bei der Polizei Anzeige erstatten. Anfangs sei nicht klar gewesen, was los ist, bis einer schrie „Pfefferspray! Pfefferspray!“ Die Reizgaswolke hatte sich zuerst auf der Tanzfläche ausgebreitet. Die Streitenden standen wohl in der Nähe des DJ-Pults. Der Mann, den es voll erwischt hatte, wurde von einem Freund gestützt nach draußen gebracht. Er musste sich, wie manch andere auch, übergeben. Das Personal brachte Gläser mit Wasser und Handtücher nach draußen, damit sich die Betroffenen auswaschen konnten.

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Nach dem Pfeffersprayeinsatz eines 31-jährigen Mannes suchten die Gäste den schnellsten Weg ins Freie, hier ein markierter Notausgang des "Instituts für Spaß und Gesellschaft" am Ausgang beim Bahngleis. (Foto: mediendenk)
Was ist das für ein Veranstaltungsort? Kulturraum oder getarnter Klub?

Im westlichsten Trakt der grau getünchten Passauer Hallen am Güterbahnhof, wo sich früher Einrichtungshäuser befanden, hat sich dieses Jahr unter dem Namen „Institut für Spaß und Gesellschaft“ ein Veranstaltungsraum etabliert. Die Immobilie wird von der PNP-Verlegerfamilie Diekmann, den neuen Eigentümern, verpachtet. Nach dem Panoramarestaurant auf Oberhaus schwingt der Medienriese (PNP, Donaukurier, Wochenblatt, Am Sonntag, Radio Galaxy, Unser Radio, Pressekurier) hier sozusagen sein zweites gastronomisches Spielbein.

Die Veranstalter dieses Abends, bekannt für Bootspartys, hatten diese Weihnachtsparty in der Diekmann-Immobilie mit Superlativen angekündigt: „Ein unvorstellbar glamouröses Weihnachten“ in „Passaus begehrtester neuer Location“; die „goldigste“ Weihnachtsparty, mit „Parkplätzen ohne Ende.“ „Wir feiern die Nacht, wie es der große Gatsby nicht besser hätte tun können.“

Laut Polizeibericht waren 200 Gäste anwesend.

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"Die Veranstaltung wurde abgesagt", änderten die Veranstalter den Eintrag im Netz nach dem Blaulichteinsatz wegen Reizgases. Sie war angekündigt als "Weinachtsparty".
Die klassischen Diskothekenbesitzer blicken auf die neue nächteweise Tanzwirtschaft offenbar mit Neid und Missgunst. Da es sich um Einzelveranstaltungen verschiedener Veranstalter unter dem Deckmantel „Kultur“ handele, seien die gastronomischen Auflagen weniger streng kontrolliert, kritisiert ein Betroffener. Dass die Musik nicht zwingend im Vordergrund steht, verrieten die Veranstalter diesmal selbst: „Lasst beseelt besinnlich die Korken knallen!“, „Wir versorgen Euch mit allem was das Trinker Herz (sic!) begehrt“. Für die feste Unterlage, Döner und Falafel, sorgte vor der Tür ein Imbisswagen.

 

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