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Report | Freitag, 15. September 17

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Der Angeklagte Dominik R. wird von Justizbeamten an Händen und Füßen gefesselt ins Passauer Landgericht gebracht. (Photo: Tobias Köhler)
Freyunger Mordprozess

Was der Chefermittler erzählt

Im Mordprozess am Landgericht Passau um eine erstochene junge Mutter aus Freyung hat der Chefermittler der Kripo ausgesagt. Erstmals kam zur Sprache, warum sich die Tat offenbar minutengenau eingrenzen lässt.

Woher weiß man, dass der Mord im Schlafzimmer stattfand? Die Leiche war Wochen später in einem Müllsack in einer Ofennische entdeckt worden, gefüllt mit Katzenstreu, um wahrscheinlich den Verwesungsgeruch zu überdecken. Bei der ersten Nachschau, als Polizeibeamte mit der Oma die Wohnung durchsuchten, war nichts Verdächtiges entdeckt worden. Der Täter hatte sogar daran gedacht, Kleidung der Ermordeten mitzunehmen, damit es aussieht, als sei sie verreist. „Die Matratze war blutdurchtränkt“, berichtete der Chefermittler im Zeugenstand von den Untersuchungsergebnissen. Neben dem Bett der Ermordeten sei das Kinderbett des gemeinsamen Sohnes gestanden, sagte er. Dies nährt die furchtbare Vorstellung, dass sich die Bluttat im Beisein des damals 18 Monate alten Buben abgespielt haben könnte.

Als Tatzeit hatte der Staatsanwalt angegeben: „Wohl am 27. Oktober zwischen 0.17 Uhr und 11.16 Uhr“. Wie diese minutengenauen Angaben möglich sind, war bisher nicht klar. Der Chefermittler gibt erstmals einen Hinweis: Die junge Mutter habe vor der Tatnacht mit ihrem neuen Freund fast über fünf Stunden hinweg eine rege schriftliche Unterhaltung übers Handy geführt, diese sei um 0.17 Uhr abgebrochen. Nachrichten, die später vom Handy der Getöteten versandt worden sind, könnten auch vom Täter stammen.

Am Tag nach dem die Leiche von der Mutter der Ermordeten entdeckt worden ist, soll der Angeklagte in einem Telefonat mit einem Angehörigen die Tat gestanden haben. Er habe eine Flasche Wodka getrunken und könne sich an nichts erinnern, soll er erzählt haben. Am Morgen habe er die Wohnung gesäubert und die Leiche verpackt. Auf der Flucht benutzte der Angeklagte den Personalausweis seines Bruders, um unter falschem Namen Hotelzimmer buchen zu können.

Wer waren die letzten Zeugen, welche die Ermordete lebendig gesehen haben? Der Chefermittler erzählt, dass es am Abend vor der mutmaßlichen Tatnacht vor der Wohnung zu einer Aussprache gekommen sei, bei der sich auf der einen Seite der Angeklagte und sein Bruder und auf der anderen die später Getötete und ihre beste Freundin beteiligt hätten. Bereits Mitte August hatte die junge Mutter diese Freundin darum gebeten, bei ihr einzuziehen, weil sie Angst vor dem Angeklagten habe. Dieser habe sie bedroht, provokant mit dem Wohnungsschlüssel vor der Haustür gewunken, um ihr klarzumachen, dass er jederzeit zu ihr kann. Der Kripobeamte erzählt von weiteren Zeugen, die berichteten, der Angeklagte habe der Schwangeren in den Bauch geschlagen, sie unter Drohungen aufgefordert, das Kind abzutreiben.

Der 23-jährige Angeklagte Dominik R., schwarzer Jogginganzug, dunkle Hornbrille, bat während des Vortrags des Kripobeamten um eine kurze Pause. Sein Gesicht hatte sich gerötet, er rieb sich mehrfach die Augen und machte einen erschöpften Eindruck.

Dies war der dritte Prozesstag. Das Verfahren wird am 29. September fortgesetzt. Der Zuschauerandrang ist so groß, dass Platzkarten ausgegeben werden.

Das Verbrechen hatte im letzten Herbst für Aufsehen gesorgt. Dominik R. war mit seinem damals 18 Monate alten Sohn auf der Flucht in Spanien verhaftet worden. Bis zur Entdeckung der Leiche der jungen Mutter waren zwei Wochen vergangen. Nach bisherigen Zeugenaussagen hat der Angeklagte eine gute Woche lang mit der Toten in der Wohnung verbracht.

Christian Zarnke

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