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Report | Mittwoch, 20. Juni 18

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Bürgerversammlung für die Altstädter und Neumarkter. Der Oberbürgermeister präsentierte den 300 Zuhörern wichtige Zahlen und Fakten. (Foto: mediendenk)
Bürgerversammlung

Wie geht´s weiter mit Hängebrücke, Innpromenade und Steinweg?

In einer dreistündigen Bürgerversammlung hat der Oberbürgermeister den 300 Anwesenden drei wichtige Punkte erörtert: welche Sanierung für die Altstädter als nächstes zu Belastungsprobe wird; welche Möglichkeiten es gäbe, den Verkehr auf der Hängebrücke nach deren Fertigstellung neu zu regeln; wie das Verfahren um die umstrittene Flutmauer an der Innpromenade weitergeht. Bei den Diskussionen über mögliche Lösungen, zeigte sich, dass bei vielen Bürgern das eigene Interesse über dem Allgemeinwohl steht.

Wenn die Hängebrücke, eine Verbindung zwischen Altstadt und der nördlichen Donauseite, voraussichtlich ab Spätsommer wieder fertiggestellt ist und freigegeben werden kann, beginnt in der Altstadt die Sanierung einer der wichtigsten Gassen; die Verbindung vom Paulusbogen zum Domplatz. Die Kanäle stehen an und die Verbesserung der Oberfläche. Der Steinweg trägt das alte Pflaster, das den Charme einer historischen Stadt prägt, in die Jahre gekommen zur Buckelpiste geworden ist. Manche Anwohner sehen darin nicht unbedingt einen Makel: Es sorgt dafür, dass die Autofahrer sich an Schrittgeschwindigkeit halten.

Steinweg: OP im Herzen der Altstadt
Der Oberbürgermeister will den Steinweg, wie er wörtlich sagte, „gut befahrbar“ machen. Tatsache ist, dass diese Gasse eine wichtige Fußgängerverbindung ist, die so gut frequentiert wird, dass Touristen und Einheimische zu manchen Zeiten notgedrungen die Fahrbahn beschlagnahmen müssen.

Diesen Schleichweg für Autofahrer "gut befahrbar" zu machen, wäre der falsche Ansatz.

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Verkehr hat Vorrang? Der Steinweg führt durchs Herz der Altstadt. Sehenswürdigkeiten, Cafés und kleine Läden reihen sich auf dem Weg von Neumarkt zum Residenzplatz. (Foto: mediendenk)
Jedes Fahrzeug, allen voran die alten dieselbetriebenen Citybusse und dicken SUVs, beeinträchtigen Nase, Ohren oder Bewegungsfreiheit all derjenigen, welche die Schönheit der Altstadt genießen möchten: die Flaneure von und zum Dom, die Kaffeehausgäste am Residenzplatz, die Kellnerinnen und Kellner, welche auf dem Weg zu den Freiluftplätzen die Gasse überqueren müssen.

Die Mitarbeiter des Landratsamtes, des Rathauses, der Kirche, der Staatsanwaltschaft und der Dombauhütte, ja die Betreiber der Geschäfte selbst, die vom Tourismus leben, müssen sich kritisch die Frage stellen, ob ihr motorisierter Weg zur Arbeit auf dem letzten Abschnitt der richtige ist. Sie erzeugen vom lästigen Verkehr über das Altstadtpflaster wahrscheinlich den größten Anteil. „Andere Städte schaffen es auch, ihre Altstädte autofrei zu machen. Warum wir nicht?“ Diese Frage einer Bürgerin war nicht unberechtigt.

Die Fakten zum ersten Sanierungsabschnitt „Steinweg“: 230 Meter vom Paulusbogen bis zum Landratsamt, voraussichtlich mindestens drei Wochen Vollsperre, der Rindermarkt wird ampelgeregelt für den Lieferverkehr offengehalten.

Flutmauer am Inn: Neue Schadenssumme, neue Schadenshäuser
Zur umstrittenen Flutmauer an der Innpromenade hat der Oberbürgermeister ausführlich die Entwürfe der Landschaftsarchitekten und den Favoriten vorgestellt. In der Diskussion prallten die Meinungen erneut aufeinander. Die Nutznießer sprachen von einer Neiddebatte, die Kämpfer für Stadtbild und unberührte Innpromenade warnten vor einem „bösen Erwachen“ und zweifeln an der Verhältnismäßigkeit, an der Kosten-Nutzen-Rechnung.

Klärungsbedürftig ist in diesem Zusammenhang, warum die Stadt die Zahl der angeblich durch die Innpromenadeflutmauer geschützten Häuser von 40 auf 57 erhöht hat; warum neuerdings die Sanierung von Kellerräumen weit von der Flutlinie entfernter Gebäude in die Schadensbilanz einberechnet wird? Bekanntlich hält der technische Hochwasserschutz die Straßenoberfläche trocken, nicht jedoch die Keller. 

Warum ist individueller Hochwasserschutz an den Häusern in der Senke an der Gottfried-Schäffer-Straße (Inn, Unterer und Oberer Sand) keine Alternative, wenn dieser bei den wesentlich häufiger überschwemmten Häusern an der Fritz-Schäffer-Promenade (Donau, Höllgasse) längst erfolgreich praktiziert wird? Diese Frage stellte beispielsweise ein Hotelbesitzer, der mit seinem Haus an der tiefsten Stelle der Altstadt am häufigsten betroffen ist, aber am routiniertesten mit dem Hochwasser umgeht.

Wer sein Haus individuell schützt, erhält 70 Prozent der Kosten erstattet. Diese Förderung gelte seit 2011 bis heute, verkündete dazu ein Rathausbeamter.

Für Irritation sorgte eine Aussage des Vertreters vom Wasserwirtschaftsamt, der auf Nachfrage erklärte, dass die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen im Neumarkt sich auf Altstadt und Innstadt „nicht wesentlich“ auswirken dürften. Was er unter „nicht wesentlich“ versteht, war an anderer Stelle zu vernehmen. Er sprach von nur „15 Zentimeter“, die gewonnen wären bei bestimmten Maßnahmen im Unterlauf. Ein Hausbesitzer warf ein, dass „15 Zentimeter“ bei der Flut 2013 durchaus für manche Betroffene eine entscheidende Größe gewesen wären.
 

Hängebrücke: konsequent, halbherzig oder gar nicht sperren?

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Die Luitpoldbrücke, wegen ihrer Konstruktion schlicht Hängebrücke genannt, überspannt die Donau in Höhe der Altstadt. (Foto: mediendenk)
Bei Sanierung der Ilzbrücke und den damit verbunden Sperrungen hat es vor zehn Jahren die überraschende Erfahrung gegeben, dass weniger Fahrspuren und weniger Abbiegemöglichkeiten manchmal den Verkehrsfluss verbessern. Ein Probelauf wurde zur Dauerlösung: Eine Fahrbahn wurde stillgelegt. Die Sperrung der Hängebrücke, die mit der Sanierung im April 2017 begonnen hat, zeigt, dass der Wegfall der Linksabbieger von und zur Brücke den Verkehrsfluss auf der vierspurigen Bundesstraße (Am Anger) verbessert hat. Selbst zu Stoßzeiten gibt es keinen längeren Stillstand mehr. Es sollen jeweils rund 2.000 Linksabbieger stadteinwärts und stadtauswärts täglich gewesen sein.     

Es gibt verschiedene Ideen:

  • die Hängebrücke fortan für den "motorisierten Individualverkehr" sperren, ein konsequenter Schritt zu einer autofreien Altstadt.
  • künftig nur mehr den Verkehr stadtauswärts zulassen, eine halbherzige Lösung; damit könnten sich wohl die motorisierten Bediensteten von Rathaus, Kirche und Justiz arrangieren.
  • zurück zum alten Zustand; dies fordern die Anwohner vom Anger, die klagen, dass sich seit Sperrung der Hängebrücke das Verkehrsaufkommen vor ihren Häusern deutlich erhöht habe.

Selbst eingefleischte Autofahrer aus der Altstadt, die zunächst wegen des Umwegs über die Schanzlbrücke klagten, sind mittlerweile von den Vorteilen einer Sperre überzeugt:

  • weniger Verkehrslärm
  • bessere Luft in den Gassen
  • kein Verkehrschaos zu Schulbeginn und -ende am Römerplatz ("Helikopter-Mütter mit SUV")
  • weniger Autofahrer und Motorradfahrer in den engen Gassen; die Kaffeehausgäste in der Schustergasse erleben immer wieder, wie Motorisierte handbreit an ihren Terrassenstühlen vorbeibrausen, freie Fahrt begehren.
  • weniger verbotswidrige Durchfahrer Richtung Residenzplatz, die den Schleichweg zur Innstadt über die Innbrückgasse nutzen wollen.
Dass Stadtbusse und Einsatzfahrzeuge die Brücke in jeder Variante uneingeschränkt nutzen können, versteht sich von selbst. Sonderrechte für E-Mobile wären diskutierbar, um Anreize für abgasfreien, leisen Verkehr zu schaffen. 

Wie Radfahrer und Fußgänger sich die Brücke teilen, ist ebenso offen: ein Gehweg für Radfahrer, einer für Fußgänger? Oder gibt man auf der Fahrbahn den Radfahrern den Vorrang?

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