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Universität | Freitag, 20. Oktober 17

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Am menschenleeren Innkai wird morgens eine Radfahrerin von der Polizei verwarnt. (Photo: Bürgerblick)
Fahrradkontrollen zum Semesterstart

"Wegen 15 Euro lass ich mir den Tag nicht vermiesen"

Nebel, 7 Grad. Nicht unbedingt ein Wetter, das Flaneure an die Innpromenade lockt. Flussabwärts am Ausgang der Zinngießergasse haben sich um eine Fremdenführerin ein Dutzend Touristen versammelt. Ansonsten zeigt sich der Innkai menschenleer - bis auf zwei blau Uniformierte. Sie warten Höhe Rudhart-Denkmal neben ihrem Streifenwagen. Worauf? Auf gesetzeswidrige Radfahrer.

Radfahrer im Stadtgebiet sollten eigentlich auf Händen getragen werden. Sie begnügen sich mit einem Viertel des Verkehrsraums eines Autos, verbrennen Kohlenhydrate statt Kohlenwasserstoffe. Das ist gut für die Gesundheit und gut für die Luft.

Die schwarzgelockte Frau um die 40, dunkles Brokatkleid, weiße Turnschuhe, ist Musikerin und liebt Publikum. Doch jetzt winkt sie ab. „Bitte kein Foto von mir!“ Ihre Stimmung ist am Tiefpunkt. Einer der blau Uniformierten hat sie gestoppt, als sie auf dem Innkai mit ihrem weißen Damenfahrrad heranradelte. Sie hat das Verbotsschild „Radeln verboten!“, 60 Meter flussaufwärts steht es in Sichtweite, nicht beachtet. „Ich habe mir extra Turnschuhe angezogen, damit ich auch bequem neben dem Rad herlaufen kann“, erzählt sie. Doch auf der menschenleeren Uferpromenade hatte ihr die Motivation gefehlt, abzusteigen. Der Innkai hätte sie auf bequemsten Weg zum Ziel geführt, dem Klosterwinkel in der Altstadt. Sie ist unter Zeitdruck.

Personalausweis, Ordnungswidrigkeit, 15 Euro. „Bitte überweisen Sie das Geld fristgerecht“, mahnt der Polizist und wünscht mit einem freundlichen Lächeln "Noch einen schönen Tag!“ Die Verwarnte schiebt ihr weißes Rad durch den Park hinauf zur Gottfried-Schäffer-Straße. „Wegen 15 Euro lass ich mir den Tag nicht vermiesen“, sagt sie. Ihr Gesichtsausdruck sagt etwas anderes. „Sie werden heute nicht die einzige sein, die der Polizei ins Netz geht“, tröstet der Reporter. Er blickt auf die Marienbrücke, dort rollen ausländische Reisebusse und Schwerlaster, welche die engen Gassen verstopfen. Sie auf Umwege zu verbannen, machte Sinn. Manchmal sind die Schwerpunkte der Verkehrskontrollen und Verkehrsführungen schwer zu verstehen.

Zum Semesterstart haben die zweiwöchigen Fahrradkontrollen begonnen. Sie können als Erziehungsmaßnahme für die 4.000 Erstsemester gesehen werden: In Passau ist Radfahren am östlichen Innkai, auf dem Fünferlsteg und in weiten Teilen der geräumigen Fußgängerzonen verboten. Der Förderung des Fahrradverkehrs dienen die Verbote nicht. Aber der Passauer Stadtrat lässt sich offenbar von dem pauschalen Vorurteil leiten, dass Radfahrer sich gegenüber Fußgängern generell rücksichtslos verhalten. Dem beengten Verkehrsraum nützt es nicht. Ein schiebender Radfahrer benötigt mehr Platz als ein am Rad sitzender.

Hubert J. Denk

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