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Report | Sonntag, 23. März 14

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Bischofskandidat Stefan Oster: 49 Jahre alt, Theologieprofessor, Salesianerpater, gebürtiger Oberpfälzer. (Photo: BB)
Neuer Passauer Bischof

Verräterische Signale im Netz

Das Netz sendet über einen als Bischof von Passau gehandelten Kandidaten verräterische Signale.

Wenn Passau nach 18 Monaten Wartezeit endlich einen neuen Bischof bekommt, werden mittags die Kirchenglocken der 285 Pfarreien des Bistums ein zehnminütiges Freudengeläut anstimmen. Ob der Schraml-Nachfolger tatsächlich Theologieprofessor Stefan Oster heißt, der Salesianerpater vom Kloster Benediktbeuren wird, das soll bis zum Glockenschlag geheim bleiben. Aber was bleibt in Zeiten von NSA und Facebook schon geheim?

Wikipedia ist wichtig
Der möglicherweise bald bevorstehende Amtsantritt des in Amberg (Oberpfalz) geborenen Salesianerpaters wirft seine digitalen Schatten voraus. Wenn die Passauer Kirchenglocken tatsächlich für ihn läuten, sollen die Gläubigen googlen können, wer da eigentlich kommt. Ein neuer Bischof, den Wikipedia, das große Nachschlagwerk im weltweiten Netz, als Persönlichkeit nicht kennt? Das würde vielleicht einen schlechten Eindruck hinterlassen. Wikipedia kannte den 49-jährigen Theologieprofessor aus Benediktbeuern bis dato nicht. Das wurde Anfang März nachgeholt. Ein Benutzer aus dem Ordenskreis, so verrät es die Chronologie, hat ihn eingepflegt, zur Persönlichkeit erhoben.

"Presseschau" gelöscht
Osters Biografie und seine persönlichen Leistungen wurden seitdem auf der Wikipedia-Seite verbessert und erweitert. Was soll herausgestellt werden, was dient ihm nicht? Welche Formulierung ist die richtige? Darum wird offenbar gerungen. Als ein Benutzer beispielsweise am 8. März zur Personalie Oster anfügte, „Im März 2014 wurde er in der Presse als Kandidat für den Bischofssitz in Passau gehandelt“, löschte der Bearbeiter des Originals diesen Zusatz zwei Tage später wieder heraus. „Keine Presseschau!“, mahnte er. Unpassend fand er die Formulierung außerdem: „Da es da nichts zu kaufen gibt, kann auch nicht gehandelt werden“, fügte der Zensor augenzwinkernd an.

Am 1. März hat die "Passauer Neue Presse" Stefan Oster als neuen Bischof gehandelt, ihm einen längeren Beitrag gewidmet. Just an diesem Tag, abends um 9 Uhr, wurde er zur relevanten Figur auf Wikipedia. Wohlgemerkt nicht durch das Zutun eines Pressevertreters, sondern eines offenbar eingeweihten Kirchenmannes, eines Glaubensbruders. Das ist ein gutes Zeichen. Das Netz ist offenbar nicht nur allwissend, es taugt bisweilen auch zum Propheten.

Wer sich ein Bild von Stefan Oster, dem jugendlich wirkenden Don-Bosco-Anhänger, machen will, hier zwei Videos.

Hier beantwortet er Jugendlichen zehn Fragen zu seinem Orden:

Hier zeigt er, wie gut er als kirchlicher Animateur aufs Publikum zugehen kann:

Don Bosco in Passau
Der Ordensgründer der Salesianer ist Don Bosco (1815-1888), dessen Jugendarbeit den Mönchen als Vorbild dient. Wie alle Salesianer eifert Oster ihm nach. In Passau hat die Idee der Salesianer in den 90er Jahren Wurzeln geschlagen. Im Jugendtreff "Don Bosco", dem Josefsheim in der Neuburger Straße, kümmern sich Mitarbeiter unter anderem um die Eingliederung von Kindern russischer Aussiedlerfamilien. 2000 wurde der Verein "Don Bosco" gegründet.

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