Google-Anzeigen

Meinung | Mittwoch, 19. September 18

bild_klein_0000014475.jpg
Weiße Asche und ein paar Streichhölzer. Mit Bürgerblick-Papier hat ein Unbekannter an der Hausbank des Reporters die Nacht erhellt. (Foto: mediendenk)
Nach Bürgerblick-Bericht über AfD-Bezirkskandidat

Handfeste Beschwerden, harmlose Zündelei

Die Dinge sind aus dem Lot geraten.

Ein Passauer AfD-Mitglied, als Bezirkstagskandidat eher eine kleine Figur, hat nach einem Bericht dieses Magazins, der von anderen Medien aufgegriffen worden ist, zum großen Rundumschlag angesetzt: Er beschwert sich mit einem Fax beim ARD-Intendanten Urlich Wilhelm, dass der lokale BR-Reporter „Fake News“ verbreite und geht mit wahrscheinlich demselben unverschämten Ton den Chefredakteur der Heimatzeitung an, damit dieser seinen Lokalreporter maßregle.

bild_klein_0000014474.jpg
Robert Adolf Schregle hat mit einem illegal veröffentlichen Haftbefehl gegen Ausländer gehetzt, setzt jetzt mit Beschwerdebriefen an ARD und PNP Redakteure unter Druck. (Quelle: Facebook)
„Wie gut dass ich mein eigener Herr bin“, hat sich da der freie Journalist und Herausgeber dieses Blattes gedacht. Kein Verleger über mir, kein Intendant, kein Chefredakteur. Mein Kollege Martin Gruber vom Bayerischen Rundfunk musst eine Stellungnahme schreiben, die Rechtsabteilung des Senders ist beschäftigt und bei der „Passauer Neuen Presse“ raubt der schäumende AfD-Mann, wahrscheinlich auch denjenigen, die sich mit seinem Schriftstück beschäftigen müssen, Zeit und Kraft.

Es ist die brandgefährliche Methode dieser Partei, mit viel Wirbel und Provokation auf sich aufmerksam zu machen. Der aufrechte Journalist steht oft vor der Frage: Totschweigen oder anprangern?

Robert Adolf Schregle, 55 Jahre alt, Bezirkskandidat der AfD, hatte den Chemnitzer Haftbefehl, ein vertrauliches Dokument der sächsischen Justiz, auf seinem Facebook-Portal geteilt und verbreitet, um gegen Ausländer zu hetzen. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Der Beleg dazu liegt mir vor. In der Stellungnahme, die Schregle auf meine Anfrage abgegeben hat, beruft er sich auf mangelnde juristische Kenntnis und behauptet, er habe die Echtheit des Dokumentes angezweifelt. Das ergibt wenig Sinn.

Schregle verstrickt sich in der Folge in Unwahrheiten und Widersprüche. Denn in seinen Beschwerden gibt er jetzt  plötzlich den Rechtsexperten. Er könne zweifellos beurteilen, dass die Strafbarkeit sich nur gegen Beamte richte. Diese Einschätzung hätten unmissverständlich auch die Berichterstatter berücksichtigen müssen. Seine Darstellung, er habe die Echtheit des Dokumentes angezweifelt, straft sein eigener Kommentar Lügen, den er unter das Foto des Haftbefehls setzte: „Schaut authentisch aus“, schrieb er mit einem Ausrufezeichen.

Ob Schregle sich strafbar gemacht hat, wird der Staatsanwalt entscheiden. Seine Haltung hat er bereits entlarvt: Die illegale Veröffentlichung sollte wie bei allen seinen Gesinnungsgenossen dazu dienen, den Fremdenhass anzustacheln; dass Menschen vor einem ordentlichen Gerichtsverfahren nicht vorverurteilt werden dürfen, gehört offensichtlich nicht zu den rechtsstaatlichen Ansichten seiner Partei, die so gerne nach Rechtsstaat und Ordnung ruft.

Für mich stellte sich heute die Frage, ob ich diesen Beitrag schreiben und auf Schregles Rundumschlag reagieren soll. Seine Person gewinnt dadurch unangemessen hohe Bedeutung. Aber ich bedauere meine Kollegen, welche meine Berichterstattung aufgegriffen haben und ebenso zutreffend und wahrheitsgemäß berichtet haben. Dass nach einer Strafanzeige, es geht um Paragraf 353d, sich die Kripo und die Staatsanwaltschaft mit Schregle beschäftigt ist eben Fakt. Und Wähler sollten wissen, dass auf dem Wahlzettel unter den Bezirkstagskandidaten ein Mitglied dieser Gesellschaft steht, dem der Rechtsstaat dann egal ist, wenn es der pauschale Lüge dient, Migranten und Flüchtlinge als Kriminelle zu diffamieren.

Bei Bürgerblick ist kein Fax eingegangen, keine Schregle-Beschwerde, denn es gibt niemanden, der über dem Autor steht, ihn unter Druck setzen könnte. Er ist nur seinem Gewissen verpflichtet. Wie könnte man ihn dennoch einschüchtern, einen Schrecken versetzen?

Zündelei mit Bürgerblick-Papier
Es ist reine Spekulation, aber es steht in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zu meiner Veröffentlichung, die offensichtliche bei Schregle und den Seinen eine Welle des Zorns gegenüber Kollegen ausgelöst hat. In der folgenden Nacht ist in meinem Hauseingang an einer Holzbank gezündelt worden. Eine harmlose Zündelei ohne Folgen, denn diese waren wahrscheinlich gar nicht beabsichtigt, es ging vielleicht nur darum, ein Zeichen zu setzen. Der Unbekannte hatte aus sich aus einem Stapel Bürgerblick bedient, ein paar Blätter angezündet, sich offenbar sehr schnell wieder entfernt. Zurück blieben zwei Stellen mit weißer Asche und eine Handvoll Streichhölzer, abgebrannte und nicht abgebrannte.

„Haben Sie Feinde?“, hat mich der Polizeibeamte gefragt. Dass sich Nachbarskinder nachts auf mein Grundstück geschlichen haben, um mit Bürgerblick zu zündeln, ist wahrscheinlich die plausibelste Erklärung.  

Hubert Jakob Denk

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

17:30
Dienstag
16. Oktober 2018
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDER
16.10. | Dienstag
Keine Einträge

Google-Anzeigen