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Nachrichten | Freitag, 09. November 18

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Passauer Schüler und Honoratioren der Passauer Gesellschaft haben am NS-Mahnmal der Menschen gedacht, die Opfer eines fanatischen Rassismus geworden sind. (Foto: mediendenk)
80 Jahre Reichspogromnacht

Gedenkfeier mit neuer Brisanz

Wie soll die Erinnerung an Mitbürgerinnen und Mitbürger wachgehalten werden, die von den Schergen des Naziregimes verschleppt und ermordet worden sind? Politiker, die den Holocaust verharmlosen, sitzen seit der Landtagswahl in Bayern wieder in der ersten Reihe. Die Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht tragen eine  neue Brisanz.

Passau hat sich 2015 für die mit einer beschrifteten Messingplatte versehenen Betonklötzchen entschieden, die am Wohn- oder Wirkungsort der Ermordeten und Verfolgten in den Boden eingelassen werden. 14 solcher sogenannter Stolpersteine sind mittlerweile im Stadtgebiet verlegt worden, darunter in der Nikolastraße, in der Ludwigstraße und am Anger. Die Patenschaft haben Passauer Schulen und kirchliche Jugendverbände übernommen.

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80 Jahre Reichspogromnacht. Am Denkmal für die Opfer des Naziregimes hat der Passauer Oberbürgermeister mit Schülern einen Kranz niedergelegt. (Foto: mediendenk)
An den fünf stählernen Stelen an der Passauer Innpromenade, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, hat heute mittag am 80. Jahrestag der Reichspogromnacht eine öffentliche Gedenkfeier stattgefunden. Der Oberbürgermeister legte einen Kranz nieder und Schüler riefen auf zum Gebet für Toleranz und Menschenfreundlichkeit.
In seinen Reden hatte Jürgen Dupper in der Vergangenheit an jenem Mahnmal davor gewarnt, dass Hetze und Ausgrenzung in der Gesellschaft wieder Raum gewinnen. Heuer hat er erstmals unfreiwillig, aber korrekt, einen Parteivertreter zu dieser Gedenkfeier begrüsst, der angesichts der Botschaft des Gedenktages und der Gebete der Schüler hätte vor Scham im Erdboden versinken müssen.

Holocaust-Verharmloser in der ersten Reihe
Gestern Abend, bei einem Festakt im Großen Rathaussaal zum 100. Geburtstag des Freistaates, war er erstmals auf einem Platz in der ersten Reihe gesessen: der AfD-Landtagsabegordnete Ralf Stadler, ein Vertreter des ultrarechten Flügels, ein bekennender Höcke-Freund, der im Netz als Fürsprecher für eine Holocaustleugnerin aufgetreten ist.

Die Demokratie ist eine gutmütige Dame, die selbst diejenigen hofiert, die sie bespucken. Protokollarisch hat das Rathaus korrekt gehandelt. Landtagsabgeordneten gebührt bei gesellschaftlichen Ereignissen im Großen Rathaussaal ein Sitzplatz in der ersten Reihe. Während die Zeitzeugen der Gräueltaten ihre Erinnerungen mit ins Grab mitnehmen, sehen wir mit Sorge, dass Ausgrenzung und Hetze in der Politik wieder salonfähig geworden sind.

Bei der sogenannten Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im ganzen Land Geschäfte, Häuser und Synagogen jüdischer Bürger zerstört. Etwa 400 Menschen kamen ums Leben. Der Holocaust hat das Leben von sechs Millionen Menschen, die der jüdischen Religion angehörten, ausgelöscht.

Die christlichen Jugendverbände und der Stadtjugendring zeigen um 21 Uhr im Scharfrichter-Kino den Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“. Der Eintritt ist kostenlos.

hud

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