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Nachrichten | Samstag, 02. November 19

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Passanten bleiben am Gedenkort für den getöteten Passauer Iman R. stehen. (Foto: mediendenk)
Tödliche Messerattacke

Haftbefehl wegen Mordes

Am Mittwoch um 16 Uhr wird die Gemeinde der Evangelischen Freikirche in Passau-Haidenhof, der das Mordopfer aus dem Univiertel angehörte, eine Gedenkfeier abhalten. Es wird gesammelt für die Überführung des Getöteten nach Teheran.

"Wir wollen Geld sammeln, dass seine Leiche in der Heimat bestattet werden kann", erzählen die besten Freunde des Getöteten. Das sei der Wunsch der letzten Angehörigen, die in Teheran leben: eine alte, kranke Mutter, ein behinderter Bruder und eine Schwester.

3. November, 11 Uhr

Der Haftrichter hat den mutmaßlichen Mörder des Passauer Küchenangestellten Iman R. (33) ins Gefängnis geschickt. Der 26-jährige Asylbewerber aus dem Iran, ein Landsmann des Getöteten, wird bis zum Prozess in Untersuchungshaft bleiben.

Der Haftbefehl ist am Sonntagvormittag ausgestellt worden wegen Mordes. Nach Angaben von Beobachtern hat der Beschuldigte bei der einstündigen Haftvorführung sich nicht zur Tat geäußert. Er hatte sich am Vortag in Wiesbaden der Polizei gestellt. Die Ermittler hatten bereits den Namen des Tatverdächtigen gekannt und sprechen von "Beziehungsproblemen".

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Von der Messerattacke bis zur Stelle, wo der tödlich Verletzte starb; der kürzeste mögliche Fluchtweg misst 500 Meter. (Quelle: maphub/mediendenk)
In der Halloweennacht soll es zwischen den beiden Männern am Zentralen Busbahnhof von Passau zur Konfrontation gekommen sein. Bei einem Messerangriff erlitt der 33-Jährige schwere Stichverletzungen am Oberkörper. Er muss in Panik davongelaufen sein. Warum in der belebten Partynacht nicht früher Passanten auf ihn aufmerksam wurden, ist unklar.

2. November, 15.30 Uhr

Enge Freunde haben am Nachmittag einem verlorenen Leben ein Gesicht gegeben: Sie stellten im Univiertel am Gedenkort für den getöteten Passauer Iman R. (33) Kerzen und Bilder auf. 

Nach Auskunft der Trauernden lebte Iman R., ein gebürtiger Iraner, seit fünf Jahren in Passau, hatte eine Wohnung in einem Stadteil nördlich der Donau und arbeitete in der Gastronomie, zuletzt einem Speiselokal im Neumarkt. Sein jüngerer Landsmann soll erst vor zwei Monaten in die Stadt gekommen sein.

2. November, 13 Uhr

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Ein Landsmann des erstochenen 33-jährigen Passauers hat sich am frühen Samstagmorgen im 500 Kilometer entfernten Wiesbaden der Polizei gestellt. Zwischen Opfer und Täter soll es laut Polizeibericht "seit längerem erhebliche Beziehungsprobleme gegeben haben."

Der 26-jährige Festgenommene wird nach Passau überstellt und einem Haftrichter vorgeführt. Er hat in Wiesbaden offenbar Bekannte. In die Fahndung war laut Polizeibericht eine 20-köpfige Arbeitsgruppe der Kripo eingebunden. Ausgangspunkt des Streits soll nach neuesten Erkenntnissen das Umfeld des Nibelungenplatzes, zwischen Supermarkt und Busbahnhof, gewesen sein. Ein Zeugenaufruf erfolgte zudem auf Persisch. Dort und auf dem Fluchtweg des Attackierten sind zahlreiche Überwachungskameras installiert.

1. November, 16 Uhr

Bis zum Nachmittag sind bei der Polizei mehrere Hinweise auf das Verbrechen im Unviertel eingegangen, die derzeit ausgewertet werden. Ebenso die Aufzeichnungen der Überwachungskameras.

Der Pressesprecher des Polizeipräsidium Straubing hatte um 13 Uhr erste Details zum Tötungsdelikt im Univiertel herausgegeben:

  • Es gibt keine Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat. Es handelt sich bei dem Getöteten um einen Passauer mit iranischen Wurzeln, einem ehemaligen Asylbewerber. 
  • Tatort und der Ort, an dem der Erstochene aufgefunden worden ist, sind nicht identisch.
  • Die Polizei fragt deshalb, ob jemand einen Streit, eine Auseinandersetzung im Umfeld der Innstraße, Nähe Eisenbahnbrücke, auf dem Uni-Gelände, am Zentralen Omnibusbahnhof oder am Kleinen Exerzierplatz ("Klostergarten") gemacht hat: 0851 - 9511-0

In Studentenkreisen ist bekannt, dass die Rückseite der Innsteg-Aula ein beliebter Treffpunkt von Migranten ist. Er ist von der Straße her nicht einsehbar, liegt etwa 200 Meter vom Auffindeort des Getöteten entfernt.

1. November 9.40 Uhr:

Passau - Ist der 33-jährige Erstochene aus dem Universitätsviertel ein Student oder ein Asylbewerber, ein Passauer oder ein Tourist?

Die Staatsanwaltschaft hat angeordnet, dass die Herkunft des getöteten Mannes vorerst nicht bekannt gegeben wird.

Die Pressemitteilung über die tödliche Messerattacke, die sich vermutlich auf offener Straße ereignet hat, beschränkt sich auf einen verspäteten Zeugenaufruf: Hat jemand zwischen 21 und 22 Uhr verdächtige Wahrnehmungen gemacht?

Auf dem Gehweg der Innstraße, vor einem Parkplatz nahe der Pizzeria „Padu“, hatten Passanten gegen 21.40 Uhr den Sterbenden entdeckt, der am Oberkörper stark verwundet war. „Trotz sofortiger Reanimation durch den herbeigerufenen Notarzt verstarb das Opfer noch am Auffindeort“, heißt es im Polizeibericht. In der Pizzeria, 15 Meter entfernt, war zu dieser Zeit Betrieb. 

Passanten hätten den den Schwerverletzten auf dem Gehweg liegend bemerkt, heißt es im Polizeibericht. Widersprüchlich dazu berichtet im Netz eine angebliche Augenzeugin, dass der Schwerverletzte ihrer Gruppe, sie schreibt von vier Begleitern, entgegengelaufen sei. Er sei in ihren Armen gestorben, habe keine Lebenszeichen mehr gezeigt, als der Notarzt eintraf. Diese Betroffene gibt an, dass das Opfer mit einer auffällig weißen Jacke bekleidet gewesen sei. Dies sei ein wichtiger Hinweis für mögliche Zeugen des vorangegangenen Streits.

Um 7 Uhr morgens, neun Stunden nachdem das Verbrechen entdeckt worden ist, bei Dienstbeginn der neuen Schicht, hat die Polizei ihren ersten Fahndungsaufruf gestartet. Warum war es neun Stunden lang nicht für notwendig erachtet worden, die Bevölkerung zu informieren, nach verdächtigen Wahrnehmungen zu fragen? Ja, vielleicht auch vor einem Messertäter zu warnen?

Im digitalen Netz verkündet das Polizeipräsidium manchmal jeden Maidulteinsatz. Hier bleibt es stumm. Neun Stunden vor dem Verbrechen hat es in der letzten Twitternachricht des Polizeipräsidiums geheißen: "Wenn ihr Halloween feiert, natürlich viel Spaß und viel Vergnügen dabei und allen guten "Geistern" eine schaurige und friedliche Halloweennacht." Es folgt - fast makaber - als nächste Meldung der Zeugenaufruf zu "Messerstich - Opfer stirbt."

Die Spurensicherer haben im Umkreis des Tatorts das Laub weggekehrt. Kreidestriche markieren den Umriss des Getöteten. Jemand hat vier Rosen abgelegt. Auf einer Haustreppe in der Nähe liegen eine blaue Wolldecke und ein grün-weiß-kariertes Kissen, die wohl die Ersthelfer verwendet haben.

Ein Sprecher der Einsatzzentrale in Straubing, welche federführend an einem Feiertag für die Auskünfte zuständig ist, weiß darauf keine Antwort, warum eine öffentliche Fahndung zunächst über viele Stunden nicht notwendig war. Er kann nur vermuten, dass der "Sachverhalt sich geändert" habe. Im Klartext: Man ist offenbar davon ausgegangen, dass sich der Täter mit eigenen Kräften schnell ermitteln lässt.

Passau ist eine überschaubare Provinzstadt und das alltägliche Polizeiaufgebot so groß wie noch nie in deren Geschichte. Es hängt mit der Grenznähe zusammen. Seit dem Migrationsdruck 2015 sind hier neue Einheiten von Seehofers Bundespolizei und Söders sogenannter Grenzpolizei installiert worden. So eine Polizeidichte kenne man nicht mal in Berlin, erzählen sich Studenten und berichten, dass beispielsweise vor Kurzem bei einer Privatparty wegen nächtlicher Ruhestörung gleich drei Streifenwagen vorgefahren seien.

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Die Innstraße ist normalerweise die Hauptverkehrsstraße im Univiertel. Am Allerheiligentag, nach der Halloweenpartynacht, herrscht Ruhe. (Foto: Tobias Köhler/mediendenk)
In dieser Halloween-Nacht waren in der Studentenstadt Passau Tausende Nachtschwärmer unterwegs, es gab viele Partys; Abfall und Scherben auf den Straßen zeugen davon. Als der Zeugenaufruf der Polizei kam, das Verbrechen bekannt gemacht worden ist, haben alle diese möglichen Zeugen fest geschlafen und manche schlafen wahrscheinlich jetzt noch.

Die Staatsanwaltschaft will im Laufe des Tages neue Einzelheiten bekannt geben.

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