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Nachrichten | Montag, 02. Januar 17

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Das "Hallo!" zum 1. Januar war ein "Tschüss!": Redaktionsleiter Sebastian Daiminger hat die "Am Sonntag" verlassen. Die Redaktion ist führungslos. (Quelle: AS)
Daiminger dankt ab

"Passauer Neue Presse": Sonntagsblatt führungslos

Als wäre der Streit um die Lohnpolitik bei der "Passauer Neuen Presse“ (PNP) für die Verlegerfamilie nicht Ungemach genug, bricht jetzt eine wichtige Führungskraft bei den Anzeigenblättern weg: Ein langjähriger Redaktionsleiter kehrt dem Haus den Rücken.

Sebastian Daiminger hat zum Jahreswechsel die redaktionelle Leitung des kostenlosen Boulevardblattes „Am Sonntag“ (AS), eine PNP-Tochter, aufgegeben. Er übernimmt eine neue journalistische Aufgabe bei einer richtigen Zeitung, der "tz-München". Dort sitzen bereits mehrere Kollegen, die aus dem PNP-Haus nach München gewechselt sind. Daiminger stand seit sieben Jahren an der Spitze der AS-Redaktion. Die Verlegerfamilie Diekmann hatte das Sonntagsblatt 2000 gegründet, um einen wichtigen Marktplatz zu besetzen. Es gab die Befürchtung, dass ein oberösterreichischer Verleger mit einer Sonntagszeitung das Passauer Medienmonopol stört.

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Sebastian Daiminger bei seinem Antritt bei der "Am Sonntag" im Sommer 2009. (Quelle: mediendenk)
Als Daiminger im August 2009 die AS übernahm, war er mit 30 Jahren der wohl jüngste Redaktionsleiter Niederbayerns. Anfangs überwog die Freude über den Karrieresprung, später stieg vielleicht die Unzufriedenheit über die undankbare Aufgabe. Daiminger hatte seit vielen Jahren damit geliebäugelt, sich beruflich zu verändern. Jetzt ist offenbar das passende Angebot gekommen. Die tz-München soll ihn angeblich einsetzen als Bindeglied zwischen Chefredaktion und dem sogenannten Newsdesk, der dort neu eingerichtet wird.

Journalisten erleben bei Gratiszeitungen bisweilen eine unbefriedigende Aufgabe: Sie sollen ein redaktionelles Umfeld schaffen, das die Leser zur Lektüre reizt, eine grelle Verpackung schaffen. Es hat sich bewährt, mit Schlagzeilen und kurzen Texten die Bildzeitung zu imitieren; mangels Professionalität und Personal entsteht oft ein Pseudo-Boulevard. Protagonisten (und Opfer) der meist aufgeblasenen Skandal- und Sensationsgeschichten werden ausschließlich diejenigen, die keine potentiellen Anzeigenkunden sind: Politiker, Beamte und einfache Bürger. Zugleich müssen die Redakteure oft gegen ihre Überzeugung den Werbekunden und der Werbewirtschaft dienen.

Die Luft war bei der „Am Sonntag“ zum Jahresende, zu Daimingers Abgang, spürbar raus: In ihrer letzten Ausgabe des Jahres 2016 erschien das Wurfblatt mit abgespeckten 20 Seiten, davon die Hälfte Werbung. Ein Nachfolger für Daiminger ist noch nicht gefunden. Seine Kündigung hat das Haus offenbar überrascht. Die Kündigungsfrist hat es selbst vorgegeben: vier Wochen. Aus dem Impressum vom 1. Januar ist Daiminger verschwunden; es werden zwei Redaktionsmitglieder aufgeführt, aber kein verantwortlicher Redakteur. Solange der Posten nicht besetzt ist, trägt die redaktionelle Verantwortung der Geschäftsführer der GmbH, Reiner Fürst, ein ehemaliger Anzeigenvertreter und CSU-Gemeinderat.

Sebastian Daiminger, ein gebürtiger Chamer, begann seine Ausbildung beim „Straubinger Tagblatt“, sammelte Erfahrung beim Lokal-TV und scherte vor zehn Jahren unter dem damaligen AS-Redaktionsleiter Stefan Kürthy, später Klatschreporter bei „Bild“, beim Sonntagsblatt ein.

Offenlegung: Der Autor dieser Zeilen war Chefredakteur bei der Gründung dieses Anzeigenblattes im Jahr 2000. Nach knapp einem Jahr war ihm die fristlose Kündigung ausgesprochen worden. Er hatte sich geweigert, die Leser mit bezahlten redaktionellen Inhalten zu täuschen, pochte auf eine klare Trennung von Redaktion und Werbung. Dies war ihm als „Geschäftsschädigung“ ausgelegt worden. Vor dem Arbeitsgericht hielten die fristlose Kündigung und ihre Begründung nicht stand. Die Verleger mussten den Kläger großzügig entschädigen. Er erhielt eine Abfindung, die gemessen an der Beschäftigungszeit einem Vielfachen des Üblichen entsprach; der Journalist wiederum musste sich zum Stillschweigen verpflichten. Dies führte zu einer falschen, rufschädigenden Darstellung auf Wikipedia: der Verlag habe den Chefredakteur „fristlos entlassen“. Wegen der Rechtslage des Aufhebungsvertrages blieb dies bis heute unwidersprochen.

Hubert Jakob Denk

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