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Report | Freitag, 30. August 19

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Der Innenhof des U-förmigen Biobackhauses: Im linken Flügel wird der Teig zubereitet, im mittleren Abschnitt kann er ruhen, im rechten Flügel wird gebacken, ausgeliefert und verkauft; im Innenhof sitzen die Gäste des Bäckereicafés. (Foto: mediendenk)
Bio-Brot boomt

Feuchte Augen beim Glücksbäcker

Das Glück winkt oft denjenigen, die die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt haben. "Ich bin der Hans im Glück", sagt Hans-Peter Wagner, ein schlanker, drahtiger Bio*-Bäcker aus dem Landkreis, der die 50 überschritten hat, vor zwölf Jahren seinen Betrieb bio-zertifizieren ließ.

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Familienfoto für die Presse: vier Generationen und ein Laib Brot. (Foto: mediendenk)
Wenn er mit Stolz und Freude von seiner Familie, seinem erfüllten Beruf, den zuverlässigen Mitstreitern und Partnern erzählt, dann ist das keine plumpe PR, sondern so ehrlich wie die Zutaten seiner Brote. Manche der Zuhörer, und derer gab es bei diesem Festakt reichlich, bekamen feuchte Augen. 

Geschnittenes "Bauernbrot" (schon der Name ist gelogen) aus der Plastikhülle mit künstlichen Frischhaltestoffen und Feuchtigkeitsstabilisatoren vom Supermarkt oder ein frischer Laib vom Bio*-Bäcker? Der Wunsch der Gesellschaft nach Lebensmitteln, die aus ehrlichen, bestenfalls regionalen Zutaten bestehen, wächst zunehmend.

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Café mit Schaufenster zur Backstube. Die Handwerkenden wollen sich nicht fühlen wie im Zoo, deshalb weist ein kleines Schild darauf hin, dass man filmen und fotografieren unterlassen soll. Führungen gibt´s auf Nachfrage. (Foto: mediendenk)
Wer sich fürs unverfälschte Brot vom ältesten Handwerk entscheidet, gibt auf dem ersten Blick mehr Geld aus, aber knüpft mit an der Glückskette: mehr Genuss und Gesundheit für sich selbst, fair bezahlte Bäcker und Verkäuferinnen, fair bezahlte Bauern und Mühlner; regionale Arbeitsplätze und kurze Wege, gut für Wohlstand und Klima.

Das Glücksprojekt der Familie von Hans-Peter Wagner steht an der Bundesstraße 85 bei Tiefenbach auf einem ehemaligen Erdbeerfeld, eine 12-Millionen-Euro-Investition. Ein Backhaus mit rotem Ziegeldach, Holz und Granit, mit Bäckereiladen und Galerie-Café, mit einem Kinderspielplatz, der kein Stück Kunststoff kennt, mit Fernblick auf das prächtige Passauer Oberland. Damit jeder sehen kann, dass in dieser Großbäckerei noch immer echtes Handwerk steckt, arbeiten die Lehrlinge, Gesellen und Meister hinter Schaufenstern und Glas. Wer Gutes schafft, braucht sich nicht zu verstecken.

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Das rote Ziegeldach hat sich der Bauherr gewünscht. Es dürfte der einzige Gewerbebau in der Region sein, der sich diesen optischen Luxus leistet.
Und weil Wagners die Philosophie lebt,  das Regionale zu fördern, hat er sich sein Backhaus, was wohl günstiger und einfacher gewesen wäre, nicht aus der Schublade irgendeiner großen Fachfirma gekauft, sondern seine Ideen umsetzen lassen von 42 Handwerksbetrieben und Firmen aus der Umgebung, vom Architekten bis zum Zimmerer. "Wer Ideale hat, der derf a a bissal narrisch sein", würde der Bayer sagen. Wie das Brot so die Baustelle: "bio und regional". Die Zutaten: Naturgips, Naturkautschuk, Granitsteine und rote Dachziegel. Der Bau, so hatte der Architekt die Vorgabe, soll zu den umliegenden Bauernhöfen und Häusern passen.

Tausend Kunden am Tag zählt die gläserne Großbiobäckerei seit der Eröffnung. Ist es die Neugierde oder echte Begeisterung, man weiß es noch nicht. Der Glücksbäcker an der B85 ist Anlaufstelle für Frühaufsteher und Pendler, fürs tägliche Brot und für eine kleine Mahlzeit. Neu im Sortiment sind hausgemachte Dinkelpizza und selbstgemachtes Heumilcheis, denn Platz für Öfen und Eismaschinen, der in den Filialen oft fehlt, gibt es hier genug.

„Wir könnten rund um die Uhr offen haben, es würde wohl funktionieren“, sagt Heidi Wagner. Aber woher das Personal nehmen? Manchmal hilft sie selbst in der Spülküche aus. Um 6 Uhr sperrt der Laden auf, bei den fleißigen Bäckern in der Backstube brennt die ganze Nacht das Licht, um 8 Uhr abends ist für die Verkäuferinnen Feierabend.

*Es ist eigentlich traurig, dass wir die Beifügung „Bio“ in Beschreibungen für Ernährung überhaupt aufnehmen müssen. Sollten nicht unausgesprochen alle Lebensmittel, die wir essen und trinken naturrein sein? Die Lebensmittelindustrie, die für längere Haltbarkeit und Optik, zur Täuschung unserer Geschmacks- und Geruchsnerven künstliche Zutaten geschaffen und zugefügt hat, zwingt die Ursprünglichen ebenfalls Zutaten zu verwenden: auf der Verpackung; eben diese Etiketten, welche den Verbrauchern garantieren „regional und bio“, beispielsweise das Mitgliedssiegel vom „Biokreis.“ 

hud

Offenlegung: Bio-Bäcker Wagner unterstützt die freie Presse „Bürgerblick“ mit einem monatlichen Abo für Imagewerbung. Handwerker, Händler und Gewerbetreibende, die nach Wagners Philosophie leben und arbeiten, sind uns die Liebsten. Dieser Text wurde weder bestellt noch gekauft. Der Autor entstammt einer Bäckereifamilie.

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17. September 2019
 
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