Google-Anzeigen

Report | Freitag, 07. Juli 17

bild_klein_0000012158.jpg
Künstlerin Arahmaiani Feisal zerschmettert auf dem Pflaster Porzellanteller, die Bürger zuvor mit ihren Gedanken zur Innpromenade beschriftet haben: Handeln, denn Postulieren allein genügt nicht, lautet die Boschaft.
Biennale-Künstlerin in Passau

"Lebensraum" nicht zerstören

Sie kämpft mit ihrer Kunst gegen die Abholzung des Regenwaldes, gegen die Naturzerstörung im Hochland von Tibet. Die symbolstarken Aufführungen der indonesischen Künstlerin Arahmaiani Feisal, 56, sind gefragt auf den großen Kunstschauen der Welt. Jetzt hat sie sich mit einer zweistündigen Inszenierung für den Erhalt eines Naturdenkmals in einer niederbayerischen Provinzstadt eingesetzt: Im Herzen von Passau soll eine Kastanienallee am Inn einer Hochwassermauer geopfert werden.

Flaggen, Porzellanteller, Gongschläge

bild_klein_0000012162.jpg
Mit Botschaften wie "Freiheit" oder "Kultur" waren die farbigen Fahnen beschriftet. Studenten des Lehrstuhl für "Südostasienkunde" und Passauer Bürger ließen sie im Schatten von Trauerweiden und Kastanien an der Innpromenade wehen.
Arahmaiani ließ ihre Studenten und Bürger mit farbenfrohen Flaggen zum Klang eines Buckelgongs an der Innpromenade aufziehen, Porzellanteller beschriften, welche den Wert dieser Bäume beschreiben sollen. Es genüge nicht, seine Ziele zu postulieren, man müsse dafür auch etwas tun, war ihre Botschaft. Sie zerschmetterte die 30 beschrifteten Teller symbolisch auf dem Pflaster. Im Scherbenhaufen, manche mögen ein Zeichen darin gesehen haben, war ein einziges heil geblieben. Es trug die Aufschrift „Lebensraum“.

Die Stadt Passau plant mit Unterstützung des Freistaates eine Straßensenke mit zwei Dutzend Häusern vor der Gefahr eines Jahrhunderthochwassers zu schützen. Für den Grundschutz müsste eine 520 Meter lange Mauer errichtet werden. Die Kastanienallee, ein Naturdenkmal aus dem 19. Jahrhundert, würde zerstört, etwa ein Drittel der Bäume gefällt werden.

bild_klein_0000012161.jpg
Kulturhistoriker Werner Kraus und Uni-Gastdozentin Arahmaiani Faisal entdecken im Scherbenhaufen den unzerstörten Teller "Lebensraum".
„Es scheint, dass die Menschheit die Fähigkeit hat, zu vergessen, dass das Leben ein schöner Garten ist, der Himmel auf Erden. Die Menschheit vergisst, auf ihn zu achten und ihn zu pflegen“, sagt Arahmaiani, der mit ihren ökologischen Performance-Kunst der Durchbruch auf der 50. Biennale von Venedig (Pavillon „Das verlorene Paradies – Trauer der Welt“, 2003) gelang. Derzeit pendelt sie zwischen drei Orten: ihrem Heimatort Jakarta,  ihrem Projekt in Tibet und der Uni Passau, wo sie seit fünf Jahren regelmäßig vom Lehrstuhl für Südostasienkunde als Dozentin verpflichtet wird.

Mehr in der gedruckten Ausgabe.

Fotogalerie: Hubert J. Denk

hud

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

20:37
Sonntag
23. Juli 2017
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

KULTURKALENDER
23.07. | Sonntag
Keine Einträge

BÜRGERBLICK AUF FACEBOOK

Google-Anzeigen