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Universität | Mittwoch, 17. Juli 19

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Pädagogikprofessor Ulrich Bartosch, 59, ist heute zum neuen Uni-Präsidenten gewählt worden. (Foto: Tobias Köhler)
Wer steht ab 2020 an der Spitze?

Überraschung an der Uni: Bartosch wird neuer Präsident

Heute um 16 Uhr haben sich die 20 Mitglieder des Universitätsrates getroffen, um zu entscheiden, wer das Präsidentenamt für die nächsten sechs Jahre bekommt. Die Überraschung: Ulrich Bartosch aus Eichstätt löst im kommenden Jahr Carola Jungwirth ab.

In einer Kandidatenrunde hatten sich vor wenigen Tagen die drei Bewerber den Studenten vorgestellt. Hätte es ein Applausometer gegeben: Bartosch hatte die Sympathien der Studentinnen und Studenten im Saal auf seiner Seite.

"Diese Wahl ehrt mich sehr“, sagt Bartosch laut einer Pressemitteilung.  Die Uni Passau haben für ihn das Bild einer "aktiven, kompetitiven aber auch liebenswerten Universität" vermittelt. Am 1. April 2020 wird er sein Amt antreten. Der gebürtige Regensburger ist seit 2000 Professor für Pädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er studierte in seiner Heimatstadt Pädagogik und Politikwissenschaften, promovierte in Frankfurt am Main. "Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Demokratiebildung, Inklusion und Partizipation, Weltinnenpolitik und Nachhaltigkeit sowie Hochschulbildung und europäische Hochschulreform", heißt es in der Profilbeschreibung der Uni-Pressestelle.

So hatten sich die Bewerber selbst charakterisiert, wenn es eine "Herzblatt-Show" gewesen wäre:

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Wirtschaftswissenschaftlerin Carola Jungwirth, 53. (Foto: Tobias Köhler)
Carola Jungwirth, die mit Erfahrung punkten kann und unter Beweis gestellt hat, dass sie auch dann nicht den Kopf verliert, wenn sie gewaltig unter Druck steht? Mit der die Provinzuniversität in weltweiten Ranglisten auf Höhenflug geht, weil die Wirtschaftswissenschaftlerin weiß, dass im Konkurrenzkampf der Bildungsbetriebe nur der Beste bestehen kann, derjenige, der Exzellentes vorzuweisen hat?

Die wegen ihres Führungsstils in der Kritik stehende Präsidentin hatte in der Kandidatenrunde eingestanden, dass viele Kritikpunkte zutreffend seien. Missverständnisse täten ihr „von Herzen leid“. Sie entschuldigt sich, man stehe an der Spitze unter Stress, da falle das „gute Kommunizieren“ schon mal hinten runter. „Ich bin dabei zu lernen und zu verbessern.“

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Pädagogikprofessor Ulrich Bartosch, 59, ist heute zum neuen Uni-Präsidenten gewählt worden. (Foto: Tobias Köhler)
Ulrich Bartosch, der nahbare, väterliche Typ aus dem katholischen Eichstätt, der mit dem Leistungsbegriff „exzellent“ der Amtierenden überhaupt nichts anfangen kann? „Exzellent“ sei gewesen, was Passauer Bürger und Studenten gemeinsam bei der Hochwasser- und Flüchtlingshilfe gestemmt haben.  Er will den Jungen selbstverständlich Mitspracherecht in allen Fragen geben, weil es letztendlich um deren und nicht um die Zukunft der Lehrenden gehe. Bartosch kann sich sogar vorstellen, dass ein Studierender den Posten des Vizepräsidenten einnimmt.

Bartosch hat seine Ehefrau mit zur Kandidatenrunde gebracht, um zu zeigen, dass es ihm mit dem Umzug nach Passau ernst ist. Sein Einsatz habe sich auf alle Fälle gelohnt, meint er; durch den „Wahlkampf“ sei eine wichtige Debatte angestoßen worden. „Ich habe nichts zu verlieren.“

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Kulturwissenschaftlerin Ursula Reutner, 43. (Foto: Tobias Köhler)
Ursula Reutner, die als Kulturwissenschaftlerin davon überzeugt ist, dass Vielfalt Mehrwert bringt und nicht das Stärkere, sondern das Bessere sich durchsetzen soll? Sie zitiert Albert Einstein, um die zahlenfixierte Amtierende anzugreifen: „Nicht alles was man zählen kann zählt auch und nicht alles was zählt, kann man zählen.“ Eine Universität, die sich mit neuen Studiengängen als europäisches Zentrum für digitale Forschung aufstellen möchte, solle erstmal im eigenen Haus Digitalisierung vorbildlich umsetzen. Sie wünschte sich nicht nur ein „funktionierendes Wlan“, sondern auch weniger Zettelwirtschaft bei Reisekostenabrechnungen und Krankschreibungen. Transparenz, Mitspracherecht und Wertschätzung sind ihr wichtig.

"Jetzt kann ich ja mit dem Herzblatt-Hubschrauber nach Passau fliegen!", sagt amüsiert Ulrich Bartosch, anknüpfend an diesen Bericht in einem Telefonat nach dem Wahlergebnis. Er sei gerade im Garten gewesen, als ihn um 18:45 Uhr der Anruf erreichte. Der Vorsitzende des Universitätsrats habe ihm mit Glückwünschen die Nachricht überbracht.

„Ich habe für heute Abend schon ein paar Leute eingeladen, denn nach der langen Phase der Anstrengung war die Wahl heute Abend eine Zäsur", erzählt er. Jetzt werde es ein besonders schöner Abend, es gibt etwas zu feiern. Nach der Diskussion in der Kandidatenrunde habe sich für ihn der innere Entschluss gefestigt: „Da gehst Du hin!“

Als passionierter Ruderer freue er sich, "zwei richtige Flüsse" vor der Haustür zu haben. Der Kontakt zu Passau sei stets da gewesen, der berufliche zur Uni über die Erziehungswissenschaften und seine einjährige Assistenzzeit in Passau; natürlich die Donauverwandtschaft, seine Heimatstadt ist Regensburg. An der Uni Passau sieht er "andere liebenswerte Möglichkeiten" als sich in einem wirklichkeitsfremden Wettbewerb mit München, Hamburg oder Göttingen zu messen.

 

 

 

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