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Brennpunkt | Freitag, 05. März 21

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Seuchenbekämpfung heißt in Deutschland "Öffnungsplan". Warum gibt es keine Verknüpfungen mit Teststrategien? Dass kleine Geschäfte gefahrloser für Ansteckung sind als große schlägt sich nirgendwo nieder. Warum?
Strategie oder Kapitulation?

Auf die lockere Schulter genommen

Nach mehr als 70.000 Toten hat Berlin ein Ausstiegszenario aus der Pandemie verabschiedet. Führt diese "Strategie" zum Ziel, die Seuche unter Kontrolle zu bringen? Es gibt nach den Beschlüssen Zweifel, nicht nur von Karl Lauerbach. Zudem ist einem umstrittenen Passauer Politiker die Aufgabe aufgebürdet worden, Schnelltests auf den Weg zu bringen: Andreas Scheuer.

Ein Streifzug durch die aktuelle Situation.

Die Stadt Passau hat nach mehreren Tagen unter Inzidenz 100 die erlaubten Lockerungen durchgeführt; in der Hoffnung, dass die Infektionszahlen weiter zurückgehen. Schulen und Kitas bleiben bis mindestens kommenden Mittwoch geöffnet. In den letzten drei Tagen sind die Werte gestiegen: 63, 68, 91. Am selben Tag wird gemeldet, das nach einem Infektionsfall in einem Kindergarten zwölf weitere Betreute in Quarantäne geschicht werden. Vorausschauend kündigt die städtische Pressestelle an, dass am 16. März die Europabücherei und ihre Zweigstelle in Neustift wieder öffnen. Digitale Ausleihe gibt es hier.

Die Testzentren am Klinikum und in der Haitzinger Straße werden offensichtlich kaum genutzt. Umsichtige, die sich beispielsweise vor einem Elternbesuch testen lassen berichten, dass Termine zügig zu bekommen seien. Testergebnisse treffen oft binnen eines halben Tages ein. Warum nutzen Menschen, die Begegnungen und Kundenverkehr ausgesetzt sind, nicht intensiver diese Möglichkeit? Wer es besonders eilig hat bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, dem nützt ein aktuelles Testergebnis.

  • Passau ist gestern um 5 auf Inzidenz 68 gestiegen, heute um weitere 23 auf 91.
  • Der Landkreis Passau hängt bei 100 fest, aktuell 110.
  • Der Landkreis Freyung-Grafenau leuchtet seit gestern mit 128 wieder dunkelrot, heute 142.
  • Im benachbarten Oberösterreich sind die Werte doppelt, in Braunau und Wels fast dreimal so hoch. Im Nachbarbezirk Schärding sind erstmals wieder um die 200 erreicht worden - akute Lage wie zuletzt Mitte Januar.

Die Impfquote hat in der Stadt rund elf, im Landkreis sechs Prozent erreicht. In den Schulen gibt es keine Pooltests (Gurgeln), die Corona-App ist kein Thema mehr. Wer sich seit Monaten intensiv mit Corona beschäftigt, fragt sich, warum bestimmte Chancen verpasst werden.

Was Sie beherzigen sollten: Einbahnstraßen in den großen Märkten bringen wenig. Wichtig ist, dass sich möglichst wenig Menschen möglichst wenig lange gemeinsam in einem schlecht belüfteten Raum aufhalten. Tatsache ist: Wo sich offene Münder ohne Maske treffen, verbreitet sich das Virus am schnellsten.

Zu den Kontaktaufzeichnungen bei Bewirtenden und Dienstleistern: Recherchen dieser Redaktion haben gezeigt, dass die Ermittelnden im Gesundheitsamt so gut wie nie auf solche Listen zurückgreifen. Der Aufwand diese abzuarbeiten wäre offensichtlich zu groß. Wenn sich positiv Getestete in den Tagen zuvor in Lokalen oder Betrieben aufgehalten hatten, wurde die Nachforschung mit dem Hinweis verworfen, dort gebe es Hygienekonzepte, also keine Ansteckungsgefahr. Verantwortungsvolle Arbeitgeber reagierten von sich aus, wenn sie erfahren hatten, dass ein Beschäftigter sich infiziert hat. „Einen Anruf vom Gesundheitsamt haben wir nie bekommen“, erzählte uns ein Geschäftsführer aus Passau-Hacklberg in einem konkreten Fall.

Was bedeutet Inzidenz 50 für unsere Region?

Das Gesundheitsamt Fürstenzell ist zuständig für Stadt und Landkreis Passau, knapp 250.000 Einwohner. Ausgehend davon, dass jeder Infizierte privat und beruflich mindestens zehn Kontakte hat, müssten die Beschäftigten in der Behörde also 1.250 Personen wöchentlich nachforschen, kontaktieren und gegebenenfalls in Quarantäne schicken. Der Autor behauptet, die Kontrolle kann bei 50 nicht zurückgewonnen werden. Nur eine kontrollierte Pandemie, das zeigt der Blick über den Tellerrand, kann effektiv eingedämmt werden.

Was die Todeszahlen anbelangt, die Gesellschaft ist abgestumpft. Dass derzeit täglich 40fach mehr Patienten an der Seuche versterben im Vergleich zum Straßenverkehr, diese Größenordnung hat die Gemüter im Dezember des Vorjahres entsetzt, heute Achselzucken. Deutschland blickt auf mehr als 70.000 verstorbene Corona-Patienten.

"Gas geben" und "klare Kante zeigen" sind die Lieblingssprüche von Verkehrsminister Andreas Scheuer (im aktuellen Heft ein Beitrag zum "Absturz eines Senkrechtstarters"). Gemeinsam mit Gesundheitsminister Spahn soll er jetzt rasch umsetzen, dass Schnelltests zum Alltag werden und das gelockerte Deutschland schützen. Discounter-Ketten überholen die Politiker, entdecken den Schnelltest als Geschäftsmodell: Stückpreis 5 Euro.

hud

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16:53
Freitag
23. April 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
23.04. | Freitag
OPERNHAUS
Die unsichtbare Hand
 
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Schauspiel des New Yorker Autoren Ayad Akhtar in der Mediathek. Banker Nick wird zur Geisel einer islamistischen Splittergruppe und will sich seine 10 Millionen Euro Lösegeld selbst an der Börse verdienen. Bald gerät er in die Fesseln der allumfassendes Macht des Marktes. Regie: Heinz Oliver Karbus. 


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
In einem Jahr mit 13 Monden
 
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Nach der Filmvorlage von Rainer Werner Fassbinder: Es ist wohl sein verzweifeltestes Werk, weil es aus einer persönlichen Erschütterung entstand, einer Art Selbstanklage. Er schuf es nach dem Selbstmord seines Lebensgefährten, von dem er sich getrennt hatte. Ein Mann, nicht schwul, der sich aus Liebe zu einem Mann zu einer Frau umwandeln lässt. Doch alles zerbricht.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro

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