Brennpunkt | Dienstag, 12. Juli 22

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Waldbrandalarm: Auf einem Feldweg nahe der A13 bei Gallun sind fünf Ortsfeuerwehren vorgefahren. (Foto: mediendenk)
Feuerwehren im Alarmzustand

Brandenburger Forst: wie ein vertrockneter Adventskranz

Um 14.23 Uhr heulen in Dörfern des Dahmelandes, Luftlinie 30 Kilometer von Berlin-Mitte, wieder die Sirenen.

In Motzen, Ragow, Gallun und in der Stadt Mittenwalde schlüpfen Männer in ihre schwarz-gelben Uniformen und rücken mit roten Löschwagen aus. Fünf Feuerwehrautos und ein Rettungswagen rollen auf einen Feldweg östlich der Landstraße bei Gallun. Der Boden ist sandig, das Gras strohgelb, blätterlose Birken säumen einen Forst aus hohen Kiefern, der typische Bewuchs dieser Region. 

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Ein Feuerwehrmann stapft in ein vertrocknetes Feld, hält Ausschau nach Rauchfahnen. (Foto: mediendenk)
Ein Anrufer von der Autobahn A 13 soll gemeldet haben, dass er verdächtigen Rauch gesichtet hat. Ein 130 Hektar großes Waldgebiet erstreckt sich zwischen dem Feldweg bei Gallun und der Autopiste. Feuerwehrleute steigen aus, halten Ausschau. Einer von ihnen stapft in ein Feld auf der anderen Straßenseite, dort stehen strohtrockene Gräser fast kniehoch. Mit der Hand an der Stirn schirmt er die Sonne ab und prüft die Landschaft.

„Wäre eine Drohne nicht hilfreich?“, fragt der Reporter. Das Mitglied einer Ortsfeuerwehr meint, damit sei man nicht ausgerüstet und die vorhandene sei noch nicht da. Anfang der Woche hat es an zwei bewölkten Tagen mehrere Regenschauer gegeben. Ist die Waldbrandgefahr tatsächlich noch so hoch? Das bisschen Regen habe nichts an der Lage geändert, erklärt der Gesprächspartner.

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Feuerwehreinsatz wegen Waldbrandgefahr: strohtrockene Wiesen, blätterlose Birken. (Foto: mediendenk)
In den nächsten Tagen ist neue Hitzewelle angesagt. Wieder tagelang kein Regen in Sicht. Die Feuerwehrleute in Brandenburg stehen in höchster Alarmbereitschaft. Bei jeder Meldung beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit ein, den Brandort rasch auszukundschaften, bevor er sich zum Flächenbrand ausweitet. Die hohe Waldbrandgefahr, korrekt müsste es Forstbrandgefahr heißen, ist menschgemacht. Geprägt ist das Dahmeland von Kieferanpflanzungen, Wirtschaftswald, wie es Kollege Kersten Augustin von der taz zutreffend beschreibt. Es wurde schnell wachsendes Holz angebaut für Ziegelbrenner, Bootsbauer, Zimmerer und Tischler.

Es fehlt der natürliche Bewuchs, das Unterholz, Schatten spendende Laubbäume. Die Sonne scheint zwischen den kerzengeraden hohen Kiefern, durch dürre Kronen fast ungehindert auf den Waldboden. Der liefert Flammen schnelle Nahrung wie ein vertrockneter Adventskranz: eine dicke Schicht von verdorrten Kiefernadeln und Kieferzapfen. 

Dass sich der Waldboden selbst entzündet - Forscher haben Tests mit Glasscherben gemacht, die laut Volksmund wie Brenngläser wirken - ist eine Mär. Wiederum ist es der Mensch, der in den allermeisten Fällen das Unheil anrichtet: verbotene Grillfeuer, weggeworfene Zigarettenkippen. Letztere finden sich auf Wanderwegen und Ruheplätzen zuhauf, wie eine Erkundung der Gegend zeigt.  
Die Feuerwehrkräfte ziehen wieder ab. Es scheint ein Fehlalarm gewesen zu sein. Ruhig schlafen kann in diesen Tagen keiner der Männer und Frauen dieser Ortswehren, wenn sie auf die Wetterprognosen blicken.

hud

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