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Brennpunkt | Freitag, 23. April 21

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Seuchenland ohne Perspektive. (Quelle: RKI)
Zweiergruppen verboten, mehr Mindestabstand

Corona-Inzidenz über 200: Ostbayern sieht Schwarz

Wer die Handreichung liest, welche heute den Teilnehmenden der Pressekonferenz zur Corona-Lage und Kreistagssitzung im Landkreis Freyung-Grafenau gegeben wird, der spürt, dass die Sorge groß und die Lage ernst ist. Die Ansteckungsgefahr ist gewachsen.

„Aufgrund der fortschreitenden Mutationen und der somit erhöhten Viruslast wird darum gebeten, auch während eines Redebeitrags die Maske nicht abzunehmen“, schreibt Pressesprecher Christian Luckner. Warme Kleidung sei empfohlen, denn die Pressekonferenz finde im Sitzungsraum des Landratsamtes bei durchgehend geöffneten Fenstern statt. Der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Menschen ist auf zwei Meter angehoben worden. „Sollten Personen während der Pressekonferenz Symptome entwickeln, müssten diese die Veranstaltung umgehend verlassen.“ Jeder Teilnehmende wird namentlich erfasst.

Heute am frühen Morgen legt seine Kollegin noch mal nach: Bereits auf dem Weg zum Gebäude wie auch während und nach der Sitzung sei jede Gruppenbildung zu unterlassen; dies gelte auch für Zweiergruppen und beim Gang zur Toilette. Die Kreistagssitzung ist in den größten Raum, in die Dreifachturnhalle verlegt worden.

Der Beobachter fragt sich: Warum beschränkt sich das Haus nicht wenigstens bei der Pressekonferenz auf eine digitale Lösung? 

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Landkreis Frreyung-Grafenau: Heute Krisensitzung zur Inzidenz 239. (Quelle: RKI)
Diese Töne sind aus einer Kommune zu vernehmen, die wie so viele andere nach der zweiten Welle davon ausging, dass sie das Schlimmste hinter sich hat. Hier aus dem Bayerwald gab es die Meldungen über die - aus der Sicht der Coronamaßnahmenmüden - mutigen Modehändlerinnen, die ihr Sortiment mit Klopapier aufgestockt hatten, um als Systemrelevante öffnen zu können. Die Regierung musste ihnen einen Riegel vorschieben. Hier sitzen Initiatoren der Protestbewegung „Ostbayern sieht Schwarz“. Wir erinnern uns: Großunternehmer, darunter Betreiber eines Bekleidungshauses in Waldkirchen, hatten mit Plakaten und Aktionen das Netz und die Schaufenster geflutet, Demos organisiert.

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Dass Protestplakat des Handels vom März.
„Ostbayern sieht Schwarz“ hatte im März das Ziel, bestimmte Maßnahmen abzuschütteln. Es hat sich ins Gegenteil verkehrt: Die Schatten der Pandemie schieben sich schwarz wie lange nicht mehr über das Land. Ab Samstag sind die Ladenöffnungen dahin, der erlaubte Kundenverkehr nach Terminvereinbarung, das sogenannte „Click and meet“. 

Luckner hat nach seiner Einladung zur Pressekonferenz gleich hinterher geschoben, wie wegen der anhaltenden Inzidenz über 200 ab Samstag zu reagieren ist. Hier der Wichtigkeit wegen im Wortlaut, denn wie sooft stellt sich die Frage, warum gerade diese oder jene Branche im Vergleich zu anderen systemrelevant ist: „Die Öffnung von Ladengeschäften mit Kundenverkehr für Handels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe ist untersagt. Ausgenommen sind der Lebensmittelhandel inklusive Direktvermarktung, Lieferdienste, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen, Versicherungsbüros, Pfandleihhäuser, Filialen des Brief- und Versandhandels, Reinigungen und Waschsalons, der Verkauf von Presseartikeln, Tierbedarf und Futtermitteln sowie der Großhandel. Dabei ist der Verkauf von Waren, die über das übliche Sortiment des jeweiligen Geschäfts hinausgehen, untersagt.“

Für geöffnete Betriebe gelten die strengen Hygienemaßnahmen.

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Landkreis Passau: jenseits der Inzidenz 150. (Quelle: RKI)
Die Seuche hat Ostbayern wieder fest im Griff.
Der Landkreis Freyung-Grafenau liegt in der Inzidenz aktuell bei 239, Landkreis Regen 226, Landkreis Cham 221. Im südlichen Ostbayern noch drastischer: Landkreis Rottal-Inn 286, Landkreis Dingolfing-Landau 290. Selbst die Impfkampagnengewinnerin Stadt Passau fällt auf 131 zurück, umgeben von einem Landkreis mit 165.

Dieses Land hat die Chance verpasst, die Kontrolle über die Pandemie zurückzugewinnen. Inzidenzwerte festlegen, das Abwarten und Zählen, wie viele Kranke und Tote aufschlagen, sich schnell mal frei testen können, all das sind keine echt wirksamen Instrumente, eine Seuche konsequent zu bekämpfen und einzudämmen. Das Ziel muss sein: Jede Infektionskette erkennen, verfolgen und brechen. Diese Leistung ist allein in der ersten Welle gelungen. Würden in der aktuellen Lage die Gesundheitsämter zu Etagen füllenden Callcentern aufgestockt, selbst dann würden die Mitwirkenden versagen, denn sie stoßen bei bestimmten Bevölkerungskreisen auf Verweigerungshaltung.

Das Impfziel vor Augen, das realistisch gesehen vor Eintritt des Herbstes erreicht werden könnte, rast Deutschland blindlings über täglich hunderte Tote hinweg. Heute sind es wieder 265. Die mahnenden Worte bei der Trauerfeier für die 80.000 Corona-Toten sind verhallt. Die Sonne scheint. Das Berufsleben tobt dort, wo es nicht verboten ist. Bierflaschen kreisen in Parks und an Flussufern. Die Altersschicht 15 bis 34 treibt die Seuche laut Statistik am kräftigsten an. 
HJD

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17:38
Sonntag
16. Mai 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
16.05. | Sonntag
OPERNHAUS
Die unsichtbare Hand
 
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Schauspiel des New Yorker Autoren Ayad Akhtar in der Mediathek. Banker Nick wird zur Geisel einer islamistischen Splittergruppe und will sich seine 10 Millionen Euro Lösegeld selbst an der Börse verdienen. Bald gerät er in die Fesseln der allumfassendes Macht des Marktes. Regie: Heinz Oliver Karbus. 


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro

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