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Brennpunkt | Sonntag, 09. Mai 21

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Wenn Schönheit und abklingende Pandemie an diesem Sonntag das Muttertagsherz erfassen: Zwei Rentnerinnen sitzen auf einer Parkbank, beide schweigend, beide wie gebannt den Blick auf die Stadt gerichtet.
Kritischer Blick auf die Lage

Corona und Impfen: Europa schaut neidvoll auf Passau

Ein italienischer Erasmus-Student, 21, der in Passau Wirtschaft studiert, sonnt sich am Innufer, schlürft einen Aperol-Sprizz. Er schickt seinen Eltern ein Selfie nach Mailand, hinterher ein Bildschirmfoto von der deutschen RKI-Statistik: "Schaut mal, wie gut ich es hier getroffen habe!" Wer in Passau Zuhause ist, kann derzeit den Neid in der Welt erwecken. Die Pandemie liegt am Boden, die Freiheit steigt.

Dennoch: Covid-19 hat seine Schrecken nicht verloren, auch nicht in einer Stadt, die bei Inzidenz von unter 30 vor Freude tanzt: Unter den Sterbefällen, die deutschlandweit sich allein seit Freitag auf 649 summieren, ist ein 47-jähriger Passauer. 

74-70-68-49-34-30-21-27. Das ist die Talfahrt in der Pandemie, die Passau seit Maibeginn erlebt. Im Klinikum ist die Belegung auf der Isolierstation im Vergleich zur tragischsten Zeit auf ein Siebtel gesunken. Dennoch hat sich an der Gefährlichkeit des Virus nichts geändert, im Gegenteil: Jeder dritte der vierzehn Corona-Patienten liegt auf intensiv, vier kämpfen wie wahrscheinlich zuletzt der 47-Jährige an der Beatmungsmaschine um ihr Leben. Dies sollten vor allem diejenigen lesen, die sich im Netz immer noch brüsten, sie würden Corona lieber testen als sich impfen lassen. Es kursiert in bestimmten Kreisen eine Plakette mit der Aufschrift: „Ich bin nicht geimpft. Ich bin in der Kontrollgruppe des Experiments.“ Diese Blase sollte auch die Geschichte von dem 27-jährigen Passauer kennen, bei dem das Virus erst das Herz, dann die Lunge angriff. Der Amateursportler schwebte tagelang zwischen Leben und Tod. Er überlebte und gilt als genesen.

Mehr als jeder Zweite erstgeimpft
Die Freiheiten, die locken, haben den Anteil der Impfunwilligen und Impfskeptiker abschmelzen lassen. Passau, das am Samstag mit einer Inzidenz von 20,8 den niedrigsten RKI-Wert der Bundesrepublik aufzeigte, heute mit 26,5 auf Platz 3, erreicht laut einer Pressemitteilung des Rathauses an diesem Wochenende eine Quote der Erstgeimpften von über 50 Prozent. 2.500 Stadtbewohner erhalten in der kommenden Woche ihre Zweitimpfung. „Unser Ziel ist nach wie vor, bis Ende Mai eine Impftquote von bis zu 65 Prozent zu erreichen“, schreibt der Oberbürgermeister. Im städtischen Impfzentrum sind 20.000 Dosen verabreicht worden. Die Dreiflüssesadt zählt 52.800 Einwohner.

Pluspunkte einer Provinzmetropole
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Was die beiden Rentnerinnen erblicken: Passau, die Ansicht vom Süden über den Inn.
Warum die Impfkampagne in der Dreiflüssestadft so hervorragend klappt und wirkt, haben wir mehrmals geschrieben: Die Hausärzte sind von Anfang an eingebunden worden; die Impfreihenfolge wurde von einem krisenerprobten OB konsequent eingehalten; Extra-Impfdosen für Risikogebiete in Grenzlage. Passau genießt zudem ein großes Plus: Es verfügt über die Infrastruktur einer Metropole, ist aber an der Einwohnerzahl gemessen eher ein Dorf.

Der Muttertagssonntag beschert das Wetter, das sich die Betreibenden der Freiluftgastronomie fortan täglich wünschen. Ab morgen dürfen sie unter bestimmten Voraussetzungen (Registrierungspflicht, Testpflicht bei mehr als einen Haushalt, maximal fünf Personen) Gäste begrüßen. Ab Dienstag treten weitere Lockerungen in Kraft. Die sogenannten Corona-Genesen und Zweitgeimpften zählen wie Kinder unter 14 nicht mit. Sie sind zudem von Testpflicht befreit. 

Wirte zwischen Krise und Karibik
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RKI-Grafik vom 9. Mai.
So wie die staatliche Fluthilfe 2013 ganz Passau zu einem Sanierungs- und Verschönerungsschub verhalf, erleben wir durch die Coronahilfen nach der Pandemie herausgeputzte Wirtshäuser. Sanierungs- und Modernisierungskosten wurden den Zwangsstillgelegten wie laufende Kosten bei den Zuwendungen angerechnet. Der Lockdown war eine gute Gelegenheit, Aufgeschobenes anzupacken. Die Lage in der Gastronomie zeigt viele Facetten, von denen nicht alle durch die Lobbypolitik des Hotel- und Gaststätternverbandes sichtbar wurden. Die einen wurden tatsächlich gebeutelt durch hohe Mietkosten oder bestehende Schuldentilgungen oder, weil das Geschäft bereits vor der Pandemie nicht gut lief; andere wurden bestraft für ihre Schwarzkassen, weil sie hilfebringende Umsätze oder Gewinne nicht belegen konnten; wiederum anderen spülten die staatlichen Unterstützungen, allen voran die Novemberhilfe, so viel Geld in die Kasse, dass sie sich eine Auszeit in der Karibik nahmen. Unter diesen Inselurlaubern finden sich auch welche aus unserer Region.

Kultur blüht auf
Theoretisch könnten ab morgen in Passau Theater, Kinos Museen und Opernhäuser für registrierte Besucher mit Testergebnis, vollständig Geimpfte und sogenannte Corona-Genesenen wieder öffnen. Wie sich die Betreiber entscheiden, ab welcher Besucherzahl sich der Betrieb für sie lohnt, wird sich zeigen und jeder für sich kalkulieren. Die Kulturschaffenden der Europäischen Wochen und des Eulenspiegel-Festivals blicken zuversichtlich wie nie auf den Passauer Sommer.

Grundsätzlich gilt für alle Begegnungen in den genannten Einrichtungen dasselbe wie in der Gastronomie: Registrierungspflicht, Testpflicht bei mehr als zwei Haushalten, Gruppen begrenzt auf fünf Personen. Zweitgeimpfte und sogenannte Corona- Genesene zählen nicht mit und sind vom Test befreit. Bei Letzteren darf das positive Testergebnis nicht älter als sechs Monate zurückliegen. Eine einmalige Impfung nach sechs Monaten stellt Corona-Genesene mit vollständig Geimpften gleich. 

Nachtrag: Nachdem die Inzidenz stabil unter 50 geblieben ist, entfällt die Testpflicht ab Dienstag und kontaktfreier Sport ist im Freien für bis zu zehn Erwachsene oder zwanzig Kinder erlaubt. Im Handel entfallen Testpflicht und Anmeldung. Kitas und Schulen dürfen wieder regulär öffnen, soweit die Hygienemaßnahmen umgesetzt werden können. Nach wie vor gilt für Schülerinnen und Schüler "zweimal die Woche testen". Hier zur Pressemitteilung vom Sonntag, 9. Mai.

Dutzende Teststationen (hier zur Karte), von der Apotheke bis zum Schnelltestbus, bereiten sich im Stadtgebiet auf einen möglichen Ansturm am Montag vor. Neu ist eine Teststation an der Donaulände, die von Rettungsdiensten betrieben wird. 

Amseln jubilieren in den Wipfeln einer Winterlinde, aus den offenen Fenstern einer Wohnung am Jugendzentrum erklingt der "Tango To Evora" von der kanadischen Komponistin Loreena McKennitt. Freude und Wehmut, Trauer und Jubel sind in Krisenzeiten eng verbunden.

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07:03
Donnerstag
17. Juni 2021
 
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KULTURKALENDAR
17.06. | Donnerstag
OPERNHAUS
Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Herkules am Thermodon
 
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Deutsche Erstaufführung der bekannten Barockoper Antonio Vivaldis aus dem Jahr 1723. Herkules soll für König Eurystheus den Gürtel der Amazonenkönigin beschaffen, der ein kriegerisches Attribut wie Symbol für den Beischlaf ist.


12:30 Uhr | Eintritt frei
DREILÄNDERHALLE
EW: Night Vigil
 
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Mischung aus Installation, Theater und interaktiver Performancekunst. Die englische Künstlergruppe Mechanimal will auf das Artensterben aufmerksam machen


17:00 Uhr | 29 Euro
HAUZENBERG
Ringlstetter & Band: "Heile Welt"
 
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Hannes Ringlstetter, der in Straubing aufgewachsene Musiker und Moderator, mit Band. Ort: Kurpark.


19:30 Uhr | 34 Euro
RATHAUS-INNENHOF
Christiane Öttl
 

Wunschkonzerte am Gartenzaun haben die Passauer Musikerin durch die Pandemie gebracht. Hier eines für alle. Open-Air am Vorplatz.


20:00 Uhr | Eintritt frei

Passauer Politiktage: Deutsche Außenpolitik
 

Podiumsdiskussion zur Frage der deutschen Außenpolitik und der Ausgangsfrage, ob Deutschland mehr Verantwortung zu übernehmen habe. Online-Veranstaltung via ZOOM, Details gibt der Veranstalter rechtzeitig auf seiner Website bekannt.


20:00 Uhr | Eintritt frei

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