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Brennpunkt | Dienstag, 16. März 21

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Graue Tage: Das Corona-Testzentrum am Klinikum am Tag des Impfstopps für Astrazeneca. (Foto: mediendenk)
Im Wechselbad der Pandemie

Impfstopp: 3.000 Betroffene in Passau

Der Impfstopp wirkt sich dramatisch aus. Rund 1.100 Impfwillige, die in Passau diese Woche an die Reihe gekommen wären, müssen zurück auf die Warteliste. Fast 2.000 Menschen, die seit Februar ihre Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, leben bis Ende der Woche im Ungewissen, wann oder ob überhaupt sie an die zweite Dosis kommen.

Beitrag erschien für die Abos Plus und Premium vorgestern.

Deutschland befindet sich in einem neuen Tief der Seuche: die Impfungen am Boden, die Welle am Steigen, der Frühling im Lockdown. So haben wir uns den Einstieg ins zweite Jahr der Pandemie nicht vorgestellt. Humor hilft. Einer schreibt auf Twitter: „Man fühlt sich wie das Kind auf der Rückbank, dass die Eltern immer wieder fragt: ‚Wann sind wir endlich da?` - und die Mutter antwortet stets: „Es dauert nicht mehr lang`“.

Zwei neue Todesfälle: beide über 80
Tragisch die Meldung aus Stadt und Land von jeweils einem neuen Sterbefall, ein 85-jähriger und ein 81-jähriger Mann. Ob sie geimpft waren, auf der Warteliste standen oder sich nicht impfen lassen wollten? Man weiß es nicht. Die Sprecher der Kommunen behaupten, sie könnten dazu keine Angaben machen. Die Gesundheitsämter würden diese Umstände nicht übermitteln.

Die „unerfreuliche Nachricht“ über den Impfstopp bei Astrazeneca führe dazu, dass in Passau diese Woche nur etwa die Hälfte der geplanten Impfungen verabreicht werden können, schreibt eine Rathaussprecherin: etwa 700 Erst- und 500 Zweitimpfungen. Oberbürgermeister Jürgen Dupper lässt sich zitieren: „Vertrauensbildende und vertrauenserhaltende Krisenpolitik sieht anders aus.“ Der Rückschlag reihe sich ein in eine Abfolge von „größeren und kleineren Stolperern bei der Impfstrategie“. Die Extrakontingente, die für besonders schwer betroffene Grenzregionen wie Passau angekündigt waren, hätten sich, was Astrazeneca anbelangt, wohl erstmal erledigt.

Lage und Stadt und Landkreis
Das Gesundheitsamt meldet für den Landkreis Passau seit der letzten Meldung 73 neue Fälle, damit in der Summe 379. Mit 113 liegt die Siebentagesinzidenz deutlich unter der der Stadt. Eine Anfrage, wie sich der Astrazeneca-Stopp auf die Impfkampagne im Landkreis auswirkt, wurde bis zum Abend nicht beantwortet.

Die Stadt Passau meldet vier neue Fälle, in der Summe 114. Siebentagesinzidenz: 155. Die Lage in den Einrichtungen: in zwei Kindertagesstätten zehn Kinder und drei Beschäftigte positiv, an zwei Schulen ein Schüler und eine Lehrkraft und erstmals wieder eine Meldung aus zwei Altenheimen, da eine Bewohnerin und dort ein Mitarbeiter.

In Vilshofen und Rotthalmünster werden auf den Isolierstationen 28 Corona-Patienten stationär behandelt, davon 3 intensivmedizinisch, davon einer künstlich beatmet. Im Klinikum Passau werden 23 Patienten, davon 5 Personen auf der Intensivstation und eine Person davon beatmet. Die Welle der Neuinfektionen und wirkt sich erst Wochen später in den Kliniken und auf den Friedhöfen aus.

1.300 Dosen Astrazeneca auf Lager
„Die heute gelieferten 1.300 Impfdosen von AstraZeneca müssen nun in den Schränken des Impfzentrums in Kohlbruck eingelagert werden“, heißt es. Anders als geplant bleibt das Impfzentrum an diesem Donnerstag und Samstag geschlossen. Am Mittwoch werden Impfwillige älter als 70 Jahre mit Biontech versorgt. Die Debatte, ab wann Hausärzte impfen dürfen, stellt sich in Passau teilweise nicht. Einige sind längst in die Impfteams eingebunden und absolvieren Hausbesuche. „Am Mittwoch sind bei mir ein Dutzend Patienten an der Reihe“, berichtet ein Passauer Hausarzt. Er selbst brauchte keine Impfung, denn er hat Corona hinter sich, steckte sich wohl bei einem Hausbesuch an. „Ich hatte die Maske auf und nur einen leichten Verlauf“, erzählt er. Der FFP2-Schutz sorgte für weniger Virenlast. Wer gegen Maske sei, den könne er nicht ernst nehmen.     

Was sagen Astrazeneca-Geimpfte?
Im Stadtgebiet wurden bislang 9.400 Personen geimpft, davon seit Mitte Februar knapp 2.000 mit Astrazeneca. Der Großteil der Geimpften besteht aus medizinischem Personal, ein kleiner Teil aus Bevorrechtigten unter 65, die beispielsweise unter schweren Vorerkrankungen leiden oder Angehörige betreuen, die als Pflegefall eingestuft sind.

Einer aus der Gruppe der Letztgenannten sitzt dem Reporter am Montagvormittag bei einem Dienstgespräch gegenüber. „Wir sind überraschend aufgerufen worden und im Impfzentrum in Kohlbruck lief alles reibungslos, wunderbar“, erzählt er. Er pflegt seine 87-jährige Mutter. Die Erleichterung, geimpft zu sein, ist ihm anzumerken. „Sie können die Maske ruhig abnehmen“, sagt der Maskenlose bei geöffneter Balkontüre. Beschwerden? Ein bisschen Schmerzen im Arm am ersten Tag, eine Paracetamol genommen, danach alles gut, sagt er. Wenige Stunden später wird er aus den Nachrichten erfahren, dass er zu den Betroffenen des Impfstopps gehört.

Ebenso überrascht und vielleicht beunruhigt von den Neuigkeiten wird an diesem Nachmittag eine Arzthelferin Ende 30, gewesen sein. Sie hat zufällig am selben Tag bei einem Telefonat dem Reporter berichtet, dass sie beim Februartermin Astrazeneca nicht so gut vertragen habe. Eine Woche lang sei sie außer Gefecht gewesen, Müdigkeit, Kopfweh und Gliederschmerzen. „Aber ich habe damit gerechnet“, sagt sie. Für ihren Körper sei es eine neue Erfahrung gewesen, denn sie war, wie sie behauptet, noch nie krank. Das Wichtigste war für sie die Aussicht, wieder ein unbeschwertes Leben führen zu können.

Der pflegende Sohn und die Arzthelferin - es hängt vom Urteil der Medizinwissenschaftler ab, wie es für sie weitergeht. Die Abwägung - Schutz gegen Risiko - scheint darauf hinauszulaufen, dass weitergeimpft werden darf. Nach 1,6 Milionen Geimpften hatte es in Europa sieben Fälle mit Thrombosen, darunter drei Tote in Deutschland gegeben. Betroffene waren vor allem Frauen, Alter 20 bis 50.

Der für Mittwochabend geplante Impfgipfel von Bund und Ländern wurde auf Freitag verschoben. Bis dahin sollte von den Instituten ein Ergebnis vorliegen.

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15:35
Freitag
23. April 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
23.04. | Freitag
OPERNHAUS
Die unsichtbare Hand
 
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Schauspiel des New Yorker Autoren Ayad Akhtar in der Mediathek. Banker Nick wird zur Geisel einer islamistischen Splittergruppe und will sich seine 10 Millionen Euro Lösegeld selbst an der Börse verdienen. Bald gerät er in die Fesseln der allumfassendes Macht des Marktes. Regie: Heinz Oliver Karbus. 


12:00 Uhr | Eintritt frei
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Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
In einem Jahr mit 13 Monden
 
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Nach der Filmvorlage von Rainer Werner Fassbinder: Es ist wohl sein verzweifeltestes Werk, weil es aus einer persönlichen Erschütterung entstand, einer Art Selbstanklage. Er schuf es nach dem Selbstmord seines Lebensgefährten, von dem er sich getrennt hatte. Ein Mann, nicht schwul, der sich aus Liebe zu einem Mann zu einer Frau umwandeln lässt. Doch alles zerbricht.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
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Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
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Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro

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