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Brennpunkt | Sonntag, 28. Februar 21

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Landkreis Passau: Die Zahl der "aktiven" Fälle (orange) steigt wieder ran, der Abwärtstrend ist gebrochen. Blau: täglich neu gemeldete Fälle. Grau: summierte Anzahl der Toten, nunmehr 349. (Grafik: Mediendenk)
Corona-Lage

Kontrolle nicht zurückgewonnen, dritte Welle beginnt?

Während der nachfolgende Beitrag geschrieben worden ist, blinkte eine neue Nachricht aus Neuseeland auf, die das Geschriebene nochmals bestätigt. Wegen einer einzigen Neuinfektion geht die Stadt Auckland eine Woche lang in Lockdown. Neuseeland hatte Corona so gut wie ausgerottet. „Wehret den Anfängen“ ist offensichtlich die wirksamste Methode.

Europa hat das verpasst. Und in Deutschland sorgt das Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern für unkontrollierte Ausbreitung. Konsequentes striktes Handeln lässt das System schwerlich zu. Die Situation verschärfen die schleppenden Impfungen und fehlende Teststrategien (Poolbildung in Schulen mit Gurgeln, Schnelltests für Begegnungen in Büros und Betrieben, die keine Heimarbeit zulassen).

Die Passauer spüren zudem, dass Europas Grenzen in den Köpfen nie aufgegeben worden sind. Warum gehen Nachbarländer nicht Hand in Hand? In Österreich zeichnet sich seit einer Woche die dritte Welle ab.

Typisch deutsch ist es offenbar, stets den Finger auf „die da oben“ zu strecken. Jeder kann und darf selbstverantwortlich handeln. Eltern, die beispielsweise ihre Kinder nicht in die Schule oder in den Kindergarten schicken, obwohl sie wieder geöffnet sind, belegen dass sie verstanden haben: Orte der Massenbegegnungen, egal ob Asylbewerberheim, Altenheim oder Schule, können Seuchentreiber sein.

Blick über die Grenze: Schärding hat fast wieder den Inzidenzwert von 200 erreicht.

Ein Jahr Pandemie. Das Virus wütet gerade am schlimmsten in Tschechien. Dort wurde die Bewegungsfreiheit teilweise auf 500 Meter eingeschränkt.

Ein Blick auf unbequeme Wahrheiten: Im Vergleich der Todesopfer, die die Seuche gefordert hat, steht Passau schlimmer da als USA oder Tschechien. Und der Landkreis ist ebenso stark betroffen wie die USA.

In Zahlen:

  • Tschechien: 190 Tote auf 100.000 Einwohner.
  • Hongkong: 3 Tote
  • Passau: 220
  • Deutschland: 85
  • Österreich: 93
  • USA: 170
  • Landkreis Passau: 171

Wie machen die das in Hongkong?

Sie haben historische Pandemieerfahrung. Das Auswärtige Amt schreibt: „Bisher war Hongkong kaum von COVID-19 betroffen.“ Korrekt müsste es heißen: Hongkong ist so betroffen wie die ganze Welt, aber die Menschen in der Millionenmetropole verhalten sich anders. Wir führend dazu vier Punkte an.

1. Positiv Getestete werden ausnahmslos im Klinikum isoliert. Bei uns findet Isolierung in den Familien so gut wie nicht oder im Gästezimmer statt.

(Im aktuellen Magazin haben wir diesen Fall aufgegriffen: Als eine positiv getestete Ehefrau mit Symptomen vom Gesundheitsamtsmitarbeiter in Fürstenzell wissen will, was sie mit ihrem Ehemann, einen Risikopatienten, machen soll, antwortet der: „Können Sie ihn nicht selbst zum Test ins Krankenhaus fahren?“ Die Maßnahme, dass die Ehefrau isoliert werden müsste ehe sie ihn ansteckt - das war zu diesem Zeitpunkt nicht klar - ist in unserem System nicht vorgesehen. Er stirbt 14 Tage später.)

2. Absolute Kontrolle über Ausbrüche vom ersten Tag an. Tritt in einem Hongkonger Stadtteil ein neuer Fall auf, wird dieser sofort abgeriegelt - und das bleibt so bis alle durchgetestet sind. Krasse Einschnitte, aber für den Rest bedeutet das: maximale Freiheit. Die Inzidenz lag in den drei Wellen bisher nie über 3 (in Worten: drei).

Die Inzidenz heute in Passau: 80. im Landkreis: 118. Auf denselben Wert ist Altötting geklettert, dass bisher gut wegkam. Im Landkreis Regen: 142.

3. Masken werden so selbstverständlich getragen wie bei uns Socken und selbst Schwimmbrillen, um die Augen zu schützen, werden nicht als lächerlich angesehen. „Da beschlägt nichts“, erklärt mir Kollege Christopher Wong pragmatisch, als ich ihm den Beitrag aus Bayern vorlege: Ein FDP-Politiker hat sich gegen die Maskenpflicht am Fahrrad ausgesprochen, weil er mit Maske und beschlagener Brille nichts sehen kann.

4. Offene Münder ohne Maske – ein No-Go. Was die meisten in Hongkong anscheinend verinnerlicht haben: Gesellig zusammen essen und trinken geht nicht. „Das halten wir auch privat ein“, behauptet Wong. Restaurants: angeblich nur Zweiertische.

Quelle in Hongkong ist ein Kollege, mit dem die Redaktion Gespräche zur Lage führte. Er ist Journalist und verbrachte mehrere Jahre in Europa. Aufgrund der politischen Lage hat er seinen Job in Hongkong an den Nagel gehängt und schlägt sich mit einem Einzelhandel durch.

Fast 350 Tote im Landkreis Passau
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Landkreis Passau: Seit drei Tagen steigt die Zahl der Patentien in den Landkreiskrankenhäusern wieder an. (Grafik: mediendenk)
Im Landkreis Passau meldet der Pressesprecher am späten Sonntagnachmittag 40 neue Fälle vom Wochenende. Das RKI gibt die 7-Tages-Inzidenz mit 118 an. Der Sterbefall eines 81-Jährigen wird gemeldet. Die Pandemie hat unter den 192.800 Einwohner fast 350 Menschen das Leben gekostet.

351, 382, 383 – das sind die letzten Tageszahlen, Tendenz steigend, der Ansteckenden oder Erkrankten im Landkreis Passau. Die Trendlinie, dass die Pandemie in den ersten Märzwochen unter Kontrolle sein könnte, ist abgebrochen. In den Landkreiskrankenhäusern steigt die Zahl der Patienten wieder an.

In der Stadt Passau ist der Abwärtstrend seit drei Tagen gebrochen. Die 7-Tages-Inzidenz liegt unter 100, der niedrigeste Wert lag bei 61, jetzt 80. Am Donnerstag gab es die Reihentestungen beim Schlachthof. 10 der rund 80 Mitarbeiter waren positiv. Ein Rückkehrer vom Heimaturlaub hatte das Virus mitgebracht. Dieses Ergebnis steht noch aus. Der Oberbürgermeister lässt zum Montag Schulen und Kitas öffnen. Eine Teststrategie wie etwa in Tübingen (Pooltestungen mit Gurgeln, Schnelltests für alle Lehrer) gibt es nicht.

Nach unseren Informationen ist die Kindertagesstätte St. Severin in Passau-Innstadt erneut betroffen: zwei Gruppen sind ab Montag geschlossen und die Eltern wurden informiert, jeglichen Kontakt zu anderen Personen zu meiden, da wahrscheinlich alle Kinder, die letzte Woche anwesen waren, in Quarantäne müssen. Es gab offenbar mehrere positive Testungen.







 

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16:22
Freitag
23. April 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
23.04. | Freitag
OPERNHAUS
Die unsichtbare Hand
 
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Schauspiel des New Yorker Autoren Ayad Akhtar in der Mediathek. Banker Nick wird zur Geisel einer islamistischen Splittergruppe und will sich seine 10 Millionen Euro Lösegeld selbst an der Börse verdienen. Bald gerät er in die Fesseln der allumfassendes Macht des Marktes. Regie: Heinz Oliver Karbus. 


12:00 Uhr | Eintritt frei
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Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
In einem Jahr mit 13 Monden
 
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Nach der Filmvorlage von Rainer Werner Fassbinder: Es ist wohl sein verzweifeltestes Werk, weil es aus einer persönlichen Erschütterung entstand, einer Art Selbstanklage. Er schuf es nach dem Selbstmord seines Lebensgefährten, von dem er sich getrennt hatte. Ein Mann, nicht schwul, der sich aus Liebe zu einem Mann zu einer Frau umwandeln lässt. Doch alles zerbricht.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
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Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
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Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
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Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
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Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro

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