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Brennpunkt | Freitag, 13. Mai 22

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"Tisch bitte nicht berühren. Abstand halten". An dieser Zeugenbank hat heute ein junger Mann fast fünf Stunden gesessen und den Mordangeklagten schwer belastet. (Foto: mediendenk)
Freyunger Verbrechen

Mordgeständnis bei Fahrt zum Passauer Burger-Laden

Deggendorf/ Passau/ Freyung - Zwei hungrige, beste Freunde und ein Kleinkind sind an einem Novembertag 2016 im Auto unterwegs von Freyung in ein 40 Kilometer entferntes Schnellrestaurant nach Passau-Haidenhof. Als sie ihre Burger verspeisen und den Kleinen mit Pommes füttern, hat sich der eine entschieden, darüber zu schweigen, was ihm während der gut 30-minütigen Fahrt der andere anvertraut hat.

Heute, fünfeinhalb Jahre später, wird der Autofahrer vor dem Landgericht Deggendorf als Zeuge in einem Mordprozess befragt. Zu seiner Linken sitzt zwischen zwei Strafverteidigern der ehemalige Beifahrer, der Vater eines heute Siebenjährigen, als Angeklagter. Wie genau verlief das Gespräch bei dieser Autofahrt, will der Vorsitzende Richter wissen.

Der Gefragte, der heute in der fast fünfstündigen Anhörung oft betont, dass er sich an vieles nicht mehr erinnern könne, wiederholt den Kern seiner Aussage. Er hat diese zuletzt vor der Polizei und in seinem eigenen Strafverfahren wegen Falschaussage vor einem Passauer Amtsrichter getätigt. Sie lautet sinngemäß: Der Freund habe ihm bei dieser Fahrt gestanden, dass er vor einigen Tagen die Mutter seines Kindes umgebracht habe; dass es vor der Bluttat zwischen den beiden Streit gegeben, sie sich danach zu Bett begeben habe, während er wach blieb und Wodka trank; dass er dann irgendwann auf die Schlafende „mit dem Messer eingehauen“ habe; dass er die Leiche in der Badewanne habe ausbluten lassen, bevor er sie in einen Müllsack gepackt versteckte.

Das Schweigen dieses Mitwissers der Tat im ersten Mordprozess 2017 hatte gravierende Folgen: Als es ans Licht kam, wurde er wegen uneidlicher Falschaussage verurteilt und seit April wird der Mordprozess neu aufgerollt. Die Karten stehen schlecht, dass der im ersten Verfahren vor dem Landgericht Passau wegen Totschlags zu zwölf Jahren Gefängnis Verurteilte erneut einem Mordurteil entkommt.

Die Strafverteidigung hat heute versucht, die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen zu erschüttern. Es handelt sich um den ehemals besten Freund ihres Mandanten. Die beiden verbindet eine kriminelle Vergangenheit, sie waren gemeinsam auf Dutzende Einbruchstouren gegangen, überführt und verurteilt worden.

Von heute 14 Uhr bis 19 Uhr, mit kurzen Erholungspausen, hat vor dem Landgericht Deggendorf die Anhörung dieses Zeugen gedauert. Die meisten bohrenden Nachfragen stellten die Strafverteidiger.

ks

 

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