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Brennpunkt | Dienstag, 16. November 21

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Passauer Opernhaus, Christbaum, Theaterwerbung, Einsatzfahrzeuge. Drinnen Besprechung zur Katastrophenlage. (Foto: mediendenk)
Bedrückende Zeiten

Passau in der Corona-Zange: Zwischen Bangen, Blaulicht und Kerzenlicht

Die Szenen, die sich parallel in der Stadt abspielen, könnten die Zerrissenheit unserer Zeit nicht besser widerspiegeln.

Am Ludwigsplatz hievt ein Kran einen tonnenschweren Tannenbaum von der Waagerechten in die Senkrechte. Männer mit gelben Warnwesten verfolgen das Spektakel und fotografieren. Einige Schaulustige tun es ihnen an diesem nebelverhangenen Novembertag gleich. Der Christbaum ist da! Das Kirchensymbol für das Licht der Welt wird zum Schmuck eines Konsumtempels. Irgendwie passt alles nicht zusammen. Corona, Konsum und Christbaum. Eine Nachricht blitzt auf. „Der letzte Beitrag für ein seltsames 2021“, schreibt unser Musikkolumnist.

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Der Christbaum fürs Einkaufszentrum ist da! Aber so richtige Freude kommt irgendwie nicht auf. (Foto: mediendenk)
Fast zur selben Zeit, als wohl der größte Christbaum der Stadt aufgestellt wird, rollen vor dem Opernhaus auffällige Dienstfahrzeuge in die Haltebucht: das Firmenauto der „Funkleitstelle 112“, je ein Blaulichtwagen vom Bayerischen Roten Kreuz und vom Malteser Hilfsdienst, die Dienstwagen der Passauer Feuerwehrchefs. „Wir sehen uns im Theater!“, prangt ein Transparent über der Blaulichtflotte. Mit G2 und FFP2, möchte man hinzufügen. Oder kommt es wieder zum totalen Lockdown? Am altehrwürdigen Kulturhaus ist ein schmuckloser Christbaum ebenso bereits aufgestellt. Weihnachtsstimmung? Eher wohl das beklemmende Gefühl, erneut in einer Katastrophenzeit gelandet zu sein. Die Männer mit den Einsatzwagen treffen sich im Saal im ersten Stock. Es sind die verantwortlichen Mitwirkenden in Katastrophenlagen. Lagebesprechung.

Der Kalender zeigt Mitte November, aber die Belegung der Corona-Isolierstationen am Klinikum Passau hat die Zahl 70 erreicht, fast zwei Drittel des Höchststandes vom letzten Winter. Das letzte der zwölf für Corona-Patienten reservierte Intensivbett ist vergeben worden. Problem: Das Pflegepersonal ist nach kräftezehrendem Einsatz da und dort geschwunden. Am Nachmittag erschüttertdie Nachricht aus Salzburg, dass eine Klinikleitung vorsorglich ein Triageteam aufgestellt hat. Für die Bevölkerung wäre die Botschaft unter anderem: Alles tunlichst vermeiden, was zu schweren Unfällen führen kann. Im letzten Winter sorgte die Ausgangssperre dafür, jetzt muss die eigene Vernunft herhalten. Risiken einzuschätzen, das gehört zur größten Schwäche des Menschen.   

Die Stadt Passau ist umzingelt von Hochinzidenzgebieten. 1000er Werte im Landkreis und im Bayerischen Wald, 2000er Werte in Oberösterreich. Neun Kinderbetreuungstätten und dreißig Schulen sind im Stadtgebiet betroffen: 33 Erwachsene, 193 Schulpflichtige und 14 Kinder positiv.

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Ein Krankenwagen aus dem Hochinzidenzgebiet Frreyung-Grafenau fährt durch die Nikolastraße. Im Hintergrund wird der Christbaum am Ludwigsplatz aufgestellt. (Foto: mediendenk)
Gut möglich, dass in dieser Deltawelle das europäische Vorzeigeland Deutschland sein bayerisches oder sächsisches Bergamo erlebt. Patienten in andere Länder verlegen zu müssen, sind diesmal wir dran? Es ist nicht mehr auszuschließen. Denn Test und Zugangsbeschränkungen, so berechnen manche Seuchenexperten, werden nicht ausreichen, die Welle zu brechen. Begegnungen zu vermeiden wäre wirksamer als Tests. Aber die Politik will die Einsichtigen und Umsichtigen nicht mehr einschränken, die bei den Impfungen vorangegangen sind. Dabei hätten viele von ihnen vermutlich das größte Verständnis. „Ich muss mich nicht mehr impfen lassen. Es reicht, wenn ihr das für mich macht“, klingt ein Satz vom letzten Sommer im Ohr, den ein Impfgegner grinsend zu einem Impfwilligen gesprochen hat.

Es wird wohl wieder eine Adventszeit zwischen Bangen, Blaulicht und Kerzenlicht.

hud

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