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Brennpunkt | Montag, 10. Mai 21

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Paul Zauner, im Hintergrund, freut sich über die Passauer Freiheit und veranstaltet heute das erste postpandemische Konzert der Stadt.
Euphorie statt Pandemie

Passauer Frühlingsparadies mit Konzertpremiere und Opernerstaufführung

„Man fühlt sich wie in einem Paralleluniversum”, sagt die Ehefrau eines Jazzmusikers. Das erste Mal nach vielen Monaten wieder im Kaffeehaus auf der Terrasse sitzen. „Sogar mit Bedienung!“, teilt Paul Zauner, ihr Ehemann, die Begeisterung und fotografiert das Schild.

Die Dreiflüssestadt Passau, gut geimpft und virusarm, zündet in dieser Woche eine Freiheitsstufe nach der anderen. Ab Mittwoch tritt eine Situation ein, wie wir sie vom letzten Sommer kennen. Näheres dazu weiter unten im Text. Oberbürgermeister Jürgen Dupper appelliert an die Bevölkerung, bei aller Freude die Vernunft walten zu lassen. Das Virus sei nach wie vor präsent. Laut aktueller Pressemitteilung liegt die Quote für Erstgeimpfte bei 52 Prozent, 14 Prozent bei den Vollgeimpften.

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Der eine feiert im Netz sein Lieblingscafé... (Quelle: Instagram)
Paul Zauner, der seit Jahrzehnten als Musiker und Manager Jazz aus der ganzen Welt in die Region holt, hat heute doppelten Grund zur Freude: Er richtet abends in Passau das erste Konzert nach dem Ende der dritten Welle aus. „Wir hatten den Termin letztes Jahr auf gut Glück um ein Jahr verschoben“, erzählt er. Jetzt wurde es eine Punktlandung.

Heute erstes postpandemisches Konzert

Manu Delago, einer der besten Hang-Virtuosen, gastiert um 20 Uhr im „Café Museum“. Hang ist ein in der Schweiz erfundenes Musikinstrument, das mit beiden Händen gespielt wird, zwei aneinandergeklebte Halbkugeln aus Stahl. Delago, Komponist und Musiker, der mit seinem Quartett die ganze Welt bereiste, will seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern: Sie seien auf E-Bikes und Musikanlage mit Solartechnik unterwegs, erzählt Zauner. Gestern sind sie auf ihren Rädern von Salzburg nach Passau gestrampelt. Sie nennen ihre Konzertreihe „Recyling-Tour.“

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...der andere ruft "Ozapft is!" (Quelle: Instagram)
Fast wäre diese Konzertpremiere am mutmaßlichen Ende der Pandemie geplatzt. Denn der Veranstaltungsort, ein Kaffeehaus, zählt nicht - wie Museum, Kino oder Theater - als Kultur-, sondern als Vergnügungsstätte. Zauner ließ am Freitag seine Kontakte spielen, sandte eine E-Mail ans bayerische Kultusministerium und telefonierte mit dem Passauer Ordnungsamt. Es hat geklappt: Im Konzertraum dürfen zwölf Zuhörende sitzen, draußen auf der Donauterrasse werden 40 Stühle aufgestellt. Alles mit Reservierung und Test.

ZDF fängt Stimmung in Passau ein

Die ZDF-Leute sind im Stress. Das Feature aus Passau muss für die "Heute"-Sendung um 17 Uhr fertig sein. Sie haben ein Gespräch mit Marie Vesper vom „Proli-Café“ geführt, das seine Sonnenschirme auf der Terrasse wieder hochfahren darf, ein „Glücksmoment“, Euphorie macht sich breit. Das Fernsehteam hat seinen Übertragungswagen beim Opernhaus geparkt und die Satellitenschüssel gen Süden ausgerichtet.

Apropos Satellit: Gestern Abend gegen 21 Uhr schauten die Menschen fasziniert gen Himmel. Da zogen wie an einer Perlenschnur aufgereiht Dutzende hellstrahlende „Sterne“ vorüber: die „Starlink“-Satelliten von Tesla-Eigner Elon Musk. „Dass wir die Erde ausbeuten, reicht offenbar nicht mehr, jetzt vermüllen wir das Firmament“, kommentiert ein kritischer Beobachter.

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..das Theater verkündet: "Wir spielen wieder!" (Quelle: Instagram)
Auf der Erde gehen heute Abend lang Zeit erloschene Lichter wieder an: Die Gastronomie ist in Passau zurück! “Um 15 Uhr öffnen wir”, sagt eine Bedienung, die mit ihrem Kollegen eine Freiluftbar am Innufer vorbereitet; Tische wischen, Stühle sortieren. In der Nachbarschaft läuft ein Laden seit dem Vormittag. “Kaffee und Kuchen” verkünden Kreidetafeln, blaue Liegestühle stehen bereit.

Das öffentliche Wirtshaus- und Kulturleben kehrt also nach sieben Monaten zurück. Heute kletterte das Thermometer auf 28 Grad. Das bayerische Venedig macht seinem Namen alle Ehre. Passau ist für einen Moment das deutsche Paradies. Vom ZDF-Team wurde das mit Bildern und Stimmen eingefangen. Der Rest der Republik schaut mit gönnerhaftem Neid, aber bestimmt nicht mit Missgunst auf dieses Geschehen.   

Ab Mittwoch gilt:

  • Begegnungen von maximal drei Hausständen im privaten und öffentlichen Raum sowie in der Freiuftgastronomie, maximal zehn Personen. Kinder, Vollgeimpfte oder positiv Getestete, die Corona hinter sich haben, zählen nicht. Testpflicht entfällt.
  • Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen und Straßen entfällt
  • Fitnessstudios dürfen wieder mit entsprechenden Hygienemaßnahmen öffnen
     
  • Handel und Dienstleistungen ohne Termine und Tests, aber mit Abstand.
     
  • Kitas und Schulen regulär, aber mit Testpflicht für Schülerinnen und Schüler
     
  • Theater, Kino und Museum können öffnen mit entsprechenden Hygienemaßnahmen

Im Opernhaus öffnet sich am Samstag nach sechsmonatiger Zwangspause der Vorhang für die erste "Präsenz-Premiere", eine deutsche Erstaufführung der Vivaldi-Oper "Herkules am Thermodon". Sie hatte ihre Uraufführung 1723 in Rom. Es geht um einen Krieg zwischen Männern und Frauen im Reich der Amazonen.

Am Schnelltestbus am Ludwigsplatz reiht sich die bislang längste Warteschlange. Wer wollte nicht zu den Premierengästen in der Freiluftgastronomie gehören? Derweil ist im Corona-Testzentrum am Klinikum eher Flaute. Eine Abstrichhelferin, weißer Kittel, grüner OP-Mundnasenschutz, und eine Sicherheitsfrau, schwarze Uniform, warten vor dem Containerbau auf Kundschaft. Angenehm zu arbeiten ist es hier an diesem ungewöhnlich warmen Maitag nicht. Belastend ist nicht so sehr die Hitze, sondern Lärm und Staub. Im angrenzenden Grundstück werkelt eine Großbaustelle des Klinikumviertels. Muldenkipper und Tieflader stehen in Warteschlange, lassen bei An- und Abfahrt eine mächtige Staubwolke hinter sich. Die FFP2-Maske, so erfährt der radelnde Reporter, filtert auch bei solchen Umweltbelastungen gut.

Nach Ruhe des Lockdowns nervt Krach umso mehr

“Der Lärm geht mir am meisten auf die Nerven”, sagt einer der Bediensteten am Testzentrum. Stimmt: Corona hat uns gezeigt, wie lärmarm und angenehm das Stadtleben sein kann. Brüllenden Motorräder und Sportwagen, knatternde Mofas und Mopeds werden jetzt viel störender wahrgenommen. Zudem ist der Fluglärm zurück, nicht nur die brummenden Jets in 10.000 Metern Höhe, auch die tieffliegenden Sonntagsflieger, die an Werktagen wie Wochenende bei schönem Wetter oft im Stundentakt über der Stadt ihre Schleife ziehen. Es ist Passaus Schicksal, dass es sich auch aus der Luft betrachtet sensationell darbietet.  

Ein besonderer Frühlingstag

Nach der kontaktarmen Zeit knistern die Frühlingsgefühle lauter denn je. Auf den Parkbänken am Innkai schmiegen sich aneinander Frischverliebte, Pärchen küssen sich unter Kastanien, händchenhaltend schiebt junges Familienglück den Kinderwagen. Wahrscheinlich ist das für Passau heute einer der schönsten Frühlingstage der Nachkriegsgeschichte.

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07:39
Donnerstag
17. Juni 2021
 
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KULTURKALENDAR
17.06. | Donnerstag
OPERNHAUS
Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Herkules am Thermodon
 
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Deutsche Erstaufführung der bekannten Barockoper Antonio Vivaldis aus dem Jahr 1723. Herkules soll für König Eurystheus den Gürtel der Amazonenkönigin beschaffen, der ein kriegerisches Attribut wie Symbol für den Beischlaf ist.


12:30 Uhr | Eintritt frei
DREILÄNDERHALLE
EW: Night Vigil
 
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Mischung aus Installation, Theater und interaktiver Performancekunst. Die englische Künstlergruppe Mechanimal will auf das Artensterben aufmerksam machen


17:00 Uhr | 29 Euro
HAUZENBERG
Ringlstetter & Band: "Heile Welt"
 
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Hannes Ringlstetter, der in Straubing aufgewachsene Musiker und Moderator, mit Band. Ort: Kurpark.


19:30 Uhr | 34 Euro
RATHAUS-INNENHOF
Christiane Öttl
 

Wunschkonzerte am Gartenzaun haben die Passauer Musikerin durch die Pandemie gebracht. Hier eines für alle. Open-Air am Vorplatz.


20:00 Uhr | Eintritt frei

Passauer Politiktage: Deutsche Außenpolitik
 

Podiumsdiskussion zur Frage der deutschen Außenpolitik und der Ausgangsfrage, ob Deutschland mehr Verantwortung zu übernehmen habe. Online-Veranstaltung via ZOOM, Details gibt der Veranstalter rechtzeitig auf seiner Website bekannt.


20:00 Uhr | Eintritt frei

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