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Brennpunkt | Sonntag, 29. November 20

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Klardenker

Vom Paradoxon der Pandemie

Zunächst die Fakten: Die Stadt Passau und der Landkreis Hildburghausen in Thüringen bleiben weiterhin die Seuchenbrennpunkte der Republik.
 
579 und 538 Corona-Fälle innerhalb einer Woche gerechnet auf 100.000 Einwohner. Passau zum Vortag ein Sprung von 140 nach vorne. Beide Kommunen sind auf der Deutschlandkarte als einzige mit einem Wert über 500 in der Farbe magenta markiert.
 
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Letzter Novembersonntag: 538.
Während sich beim Ausruf der bedingten Ausgangssperre am Freitag manche beruhigten, dass der hohe Wert allein durch den Ausbruch in zwei Altenheimen verursacht worden sei, scheint es so zu sein, dass diese Fälle jetzt erst beim RKI eingetragen worden sind.
 
Corona in Altenheimen hebt Inzidenz um 180
Es stimmt: Die Altenheim-Fälle heben den Inzidenzwert um 180. Betroffen sind 61 Rentnerinnen und Rentner und 34 Pflegekräfte. Diese in der Summe 95 Fälle rechnen sich in einer 53.000-Einwohner-Stadt auf den genannten Wert: 95/53.000x100.000. Die Altenheime herausgerechnet stünde Passau jetzt immer noch weit über der 300er Marke, bei 358.
 
Mitarbeiter des Gesundheitssystems sehen in Sorge auf diese Entwicklung. Denn erst mit einer Verzögerung von mindestens einer Woche wirkt sich diese Welle auf die Zahl der stationären Patienten und Todesfälle aus. Die Krankenhäuser im Landkreis Passau haben heute die Zahl ihrer Intensivbetten mit “28 belegt” und “7 frei” gemeldet. Das Klinikum Passau zuletzt “33 belegt”und “17 frei”.
 
In der Bevölkerung regt sich derweil Unverständnis über die tatsächliche Lage des sogenannten strengen Lockdowns, über die Widersprüche. Die Menschen sollen möglichst die Wohnung nicht verlassen, aber sämtliche Dienstleister und Geschäfte sind geöffnet? Spazierengehen mit der Person eines zweiten Haushalts ist erlaubt. Wenn dies alle tun, wird es heute an diesem sonnigen Sonntag auf der Innpromenade eng.
 
Ein Polizeibeamter beschreibt das während der Ladenöffnungszeiten so: “Bei der Kontrolle genügt es, eine H&M-Tüte vorzuzeigen"
 
Die mangelnde Logik hat mit den föderalen Strukturen des Landes zu tun.
  • Der Oberbürgermeister hat im öffentlichen Raum, in seinem Hohheitsgebiet, die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und die Maskenpflicht verordnet.
  • Für Handel und Dienstleister jedoch gilt die bayerische Regelung, die Seuchenschutzverordnung der Regierung in München.
Ebenso der Widerspruch an der bayerische-österreichischen Grenze:
  • Ministerpräsident Söder verhängt eine Einreisequarantäne für Landsleute, die von einem kurzen Ausflug aus Österreich zurückkehren. Also eine strenge Einreisebeschränkung.
  • Die Österreicher jedoch, die sich die ganze Zeit in ihrem Hochrisikogebiet befinden, dürfen unbeschränkt einreisen und sich - satirisch ausgedrückt - mit der genannten H&M-Tüte frei bewegen.

Erklärung: An der Grenze beißt sich das Landesrecht (Söder) mit dem Staatsrecht (Seehofer, Innenministerium), ja mit dem europäischen Recht auf grenzenlose Freizügigkeit. Diese komplizierten, komplexen juristischen Strukturen sind der Bevölkerung schwer zu vermitteln. Bei Ihnen sollte nur die Botschaft ankommen: Kontakte vermeiden! Sie sollten sich deshalb nicht den Kopf zerbrechen, was in der Praxis möglich ist und was nicht, nicht nach Ausreden und Schlupflöcher suchen.

Die Redaktion erhält Zuschriften wie diese: "Ich verstehe überhaupt nicht, warum es jetzt eine Ausgangssperre gibt, wenn doch sowieso alles erlaubt ist: Einkaufen, Sport, Spazierengehen, Arbeit."
 
Kanzler Kurz in Österreich hat es im Oktober so formuliert: “Treffen Sie niemanden!” Praxis und Theorie. Die Lösung lautet: Im sich Fernhalten zusammenhalten. Das unmenschliche Paradoxon der Pandemie.
 
Was wir alle im Hinterkopf behalten sollten: Würden sich die Menschen tatsächlich zehn Tage überhaupt nicht begegnen, kein Einkauf, kein Baustellenbetrieb, kein Verwandtenbesuch, keine Unternehmungen, kein Schulbetrieb, dann wäre Corona ausgerottet. Zumindest in dem so handelnden Raum.
 
Dünnbesiedeltes Land, Coronsa sinkt auf null
Dass harte Lockdowns wirkungsvoll sind, hat zuletzt Frankreich gezeigt. Ein Corona-Gebiet der Seligen ist seit vielen Tagen ein Landkreis südöstlich von Berlin, Dahme-Spreewald Mit 171.000 Einwohnern fast so bevölkerungsreich wie der Landkreis Passau. Mit 75 Bewohner pro Quadratkilometer ist er aber wesentlich dünner besiedelt (Landkreis Passau 126 Bewohner pro Quadratkilometer). Neue Infektionsfälle: null.
 
Sie sehen, Abstand wirkt.

HJD
 
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18:22
Mittwoch
20. Januar 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
20.01. | Mittwoch

Gefangenenchor aus Venedig
 
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Bewegendes Neujahrskonzert aus dem Opernhaus von Venedig, "Teatro des Fenice". Mit Verdis "Nationalhymne" aus "Nabucco" ab Minute 44.30. Mehr als 100 Mitwirkende mit Mund-Nasenschutz, auch 12 Sängerinnen und 32 Sänger mit Masken, nur die 19 Musiker der Blasinstrumente sind befreit. Leitung: der britische Maestro Daniel Harding. Auf TV "Arte" abrufbar bis 31. Januar.


07:00 Uhr
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 

Giacomo Puccinins weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cho-Cho-San, die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton mit einem Kind sitzengelassen wird. In den Hauptrollen: Yitian Luan als Cio-Cio San und Jeffrey Nardone als Pinkerton.


12:00 Uhr
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Hier am Heimkino erleben: Verwechslungskomödie von Johann Strauß um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein und seine untreue Frau Rosalinde. Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und führt eine dekadente Gesellschaft vor.  


13:00 Uhr

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