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Nachrichten | Mittwoch, 12. März 08

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Gut fürs Geschäft, schlechts fürs Image: Das Wochenblatt kassierte knapp 8 Euro pro Zeile und ließ dafür OB Zankl auf zwei Seiten Redakteur spielen.
Wochenblatt-Interview mit OB Zankl

Bayerns teuerstes Selbstgespräch

Albert Zankl führt ein Selbstgespräch und lässt es dann für 3.100 Euro als angebliches Interview mit der „Redaktion“ im Passauer Wochenblatt (PaWo) abdrucken. Das ist die eine Seite des Passauer Medienskandals.

Die andere kostet weitere 3.100 Euro. Hier lässt der amtierende Rathauschef Zankl Leserbriefe veröffentlichen, die teilweise von den Redaktionen abgelehnt worden waren, seiner Meinung nach aber unbedingt ins Blatt gehören. Er reibt sich die Hände über seinen cleveren Schlag gegen die Presse vor der Stichwahl - und verscherzt sich wahrscheinlich weitere Sympathien.

Selten hat ein Online-Beitrag auf Bürgerblick in Kürze so viele Leser gewonnen. Die Redaktion sprach mit Mitwirkenden der PaWo-Politik-Affäre und bat sie um Stellungnahmen.

Alexander Wösner von der Werbeagentur gibt den "Schwarzen Peter" weiter: „Ich habe nur einen Auftrag erledigt und die Arbeit umgesetzt“. Als Auftraggeber nennt er die "CSU Passau", der er selbst angehört.

Das fingierte Interview hat „PaWo-Schreiberling“ Zankl selbst verfasst. Ein Autor oder Verantwortlicher für den Inhalt wird auf der Seite nicht genannt.

Fest steht: Wösner lieferte die zwei umstrittenen  Zeitungsseiten (inklusive eines Inserats der Zanklfreunde MdB Dr. Max Stadler und Dr. Anton Jungwirth) komplett gestaltet bei der Passauer Woche ab.

Der Verantwortliche der Anzeigenabteilung bekam wegen des Beitrags "Bauchschmerzen" und setzte wenigstens das Wörtchen Anzeige darüber. Ganz ohne Werbehinweis wäre es dem Kunden noch lieber gewesen.

Stefan Brandl, der Chef der Redaktion, fühlt sich weder übergangen noch zuständig. „Das ist kein Eingriff ins Blatt, sondern gängige Werbepraxis“, erklärt er auf schriftliche Anfrage. Die SPD habe schon im Wahlkampf 1996 ihren OB-Kandidaten Schmöller so beworben, ebenso die CSU ihre Kandidatin Plenk. „Im Wahlkampf 2008 diese plötzlich nicht mehr zu zulassen, wäre gegenüber dem Anzeigenkunden kaum zu begründen gewesen.“

Mag alles stimmen, aber als Interview mit der "Redaktion" wurde so etwas noch nie verkauft.

Zum vorgetäuschten "Leserforum": Die Schreiber der Leserbriefe gibt es wirklich. Manche haben gar nicht  wahrgenommen, dass ihr Beitrag für eine verkappte "CSU-Anzeige" benutzt wurde. Einige wenige legen erbost auf, als sie gefragt werden, wie ihr Brief auf diese Werbeseite kam. Andere freuen sich, weil ihre Zuschriften von den echten Redakteuren abgelehnt worden sind.

Am meisten erbaut unter den bestellten Leserbriefschreibern ist der städtische GmbH-Boss Joseph Gevatter von der Event. „Ich und meine Mitarbeiter wurden im Wahlkampf in den letzten Wochen durch den Dreck gezogen. Da platzt uns allen irgendwann der Kragen“. Die Chance auf eine kostenlose Meinungsäußerung habe man in Absprache mit einem Großteil der 18 Beschäftigten genutzt. "PaWo-Redakteur" Zankl setzte diesen Leserbrief an erster Stelle.

So gesehen kann jeder der acht Leserbriefschreiber „Dankeschön“ sagen, dass ihm die "CSU Passau" für rund 390 Euro ein paar Zeilen Meinungsfreiheit gekauft hat.

Das Passauer Wochenblatt  allerdings hat mit diesem fragwürdigen Geschäft einmal mehr ihre Glaubwürdigkeit  und redaktionelle Unabhängigkeit verloren.
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07. August 2020
 
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