Google-Anzeigen

Meinung | Mittwoch, 01. Januar 20

bild_klein_0000016329.jpg
Furchtlose Kriegerin? Rey (Daisy Ridley) stellt sich dem Bösen. (Foto: Disney)
Kino: Star Wars

So alt, so neu

Fast eine Stunde des Films ist abgespult, da wird er endlich interessant.

Kein Witz, es muss erst ein Raumschiff explodieren, damit eine gewisse Spannung entsteht. Im Prinzip wäre es kein Grund zur Aufregung, denn explodierendes Metall trägt die „Star Wars“-Reihe quasi in ihrer DNA. Allerdings hat diesmal nicht irgendwer irgendwen hochgejagt: An Bord des Frachters befand sich eine wichtige Nebenfigur und die Waffe ausgelöst wurde von der sonst untadeligen Jedi-Ritterin Rey - im Zorn. Ein kleiner, aber folgenschwerer Ausraster, soviel ist jedem klar, der das Star-Wars-Universum auch nur in seinen Grundzügen kennt. Die Story, die bis dahin eher so vor sich hinplätscherte, nimmt Fahrt auf. Endlich geht es um etwas.

Dem Werk “Der Aufstieg Skywalkers” fällt die undankbare Aufgabe zu, die in den ersten beiden Teilen der Sequel-Trilogie geknüpften Handlungsfäden zu Ende zu erzählen. Im maßlosen Universum sind die Fragen nach dem großen Ganzen tatsächlich die einzigen Konstanten: Wer ist das Kind von wem, wer wird böse, wer wird gut, wer kommt (vielleicht) mit wem zusammen? Einzelheiten sind Nebensache. So begleiten wir die tapfere Rey auf der klassischen Sammelqueste (es muss eine Art magischer Wegweiser beschafft werden) mit ihren Getreuen von einem Planet zum nächsten, wo die eingestreuten Figuren und Ereignisse wie Stichwortgeber dienen, um die oben angesprochenen Komplexe von Identität und Autonomie irgendwie anzureichern, bis die Zeit bis zum Finale überbrückt ist.

Die Leere, in der diese großen Worte widerhallen, werden vom Donnern der Turbolaser-Kanonen übertönt. Von denen hat “Der Aufstieg Skywalkers” eine sehr große Menge zu bieten. Die Endschlacht ist eine von mehreren; recht oft wird jemand in letzter Sekunde gerettet, stets geistert durch die Story die Frage, ob man das Schlechte zulassen muss, um gut sein zu können. Mit altbekannten Strickmustern wird eine Geschichte zu Ende gebracht, die vor über vierzig Jahren damit begann, dass ein schwarzer Ritter eine Prinzessin raubte.

Wo also erzählerisch vielleicht nie wirklich viel zu holen war, schürft Regisseur J. J. Abrahams ausgiebig den Rohstoff, der unbegrenzt zur Verfügung steht: das Spektakuläre. Scharlachrote Sturmtruppen, eine Sith-Nekropole im stroboskopartigen Blitzlicht, die Überreste des Todessterns umspült von stürmischer See. Tatsächlich setzten die Sequel-Filme das visuelle Potential der Vorgänger vollumfänglich um; was alt war, sieht jünger aus als jemals zuvor. Abrahms, der bereits bei Episode VII Regie führte, sah seine Chance, und er nutzte sie.

An Betrachts der Tatsache, dass die “Star-Wars”-Reihe längst mythisiert worden ist und von allen Seiten mit überzogenen Erwartungen bedacht wird (irgendwie will man Neues, gleichzeitig soll alles beim Alten bleiben), wird man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass “Der Aufstieg Skywalkers” so gut ist, wie er sein kann. Ein besonderer Verdienst kommt den beiden Hauptdarstellenden zu: Daisy Ridley (Jedi-Ritterin Rey) und Adam Driver (Antagonist Kylo Ren). Das Pathos des Films, das sich mit jedem Abschied, mit jedem plötzlich auftauchenden alten Bekannten routiniert entleert, wird im Grunde allein durch die Dynamik dieses Jungschauspieler-Duos gerettet.

Tatsächlich gelingt es “Der Aufstieg Skywalkers”, die Figurenentwicklung der beiden Antagonisten glaubhaft zu einem Abschluss zu bringen - was nebenbei vor Augen führt, wie völlig gleichgültig die meisten der Nebenfiguren uns letztendlich sind. Woran das liegt, darüber ist viel spekuliert worden. Aber wer sich daran beteiligt, sollte sich vielleicht fragen, ob die Anforderungen eines postmodernen „komplexen“ Kinos auf einen Film übertragen werden können, der schon zu seiner Zeit im Nostalgie-Modus erzählte. Wer davon absieht, muss anerkennen, dass die Aufgabe, eine epische Geschichte von Familie und Verrat zu erzählen, am Ende mit Bravour erfüllt wird.

 

“Die Saga ist vollendet” - so hieß es mal vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis. Genauer gesagt im Jahre 2005, als das erste Mal eine von den drei Hauptfilmen um das “Star-Wars”-Universum zu Ende, eine aus den 1970er Jahren ausgelagerte Filmreihe. Fast 15 Jahre später flimmert jetzt unter demselben Schlagwort Teil 9 der Reihe über die Leinwände. Die Geschichte wiederholt sich und entsprechend darf man Zweifel haben, ob das wirklich das Ende ist. Spinn-Offs (‘Rogue One’) und Serienadaptionen (‘The Mandalorian’) sind oder werden bereits produziert. Welchen Grund sollte Disney auch für vornehme Zurückhaltung haben?

 

Wir sehen uns 2033, möge die Macht bis dahin mit uns sein.

Clemens Pittrof

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

16:47
Freitag
10. Juli 2020
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDER
10.07. | Freitag
ORTSPITZE
VERSCHOBEN: Oliver Pocher
 
bild_klein_0000016829.jpg

Nicht nur Promis bekommen in den sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit. In seinem Programm "Schonungslos - durchgeklickt" zeigt Oliver Pocher die Eindrücke aus Facebook, WhatsApp, TripAdvisor und Tinder. Das Bühnenprogramm ist interaktiv: Der Zuschauer macht mit.

Diese Veranstaltung wurde noch ohne Ersatztermin verschoben.

 


20:00 Uhr | 31,10€

Google-Anzeigen