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Nachrichten | Donnerstag, 26. November 20

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Wie Schlachthofarbeiter ihre Arbeitsplätze desinfizieren, zeigt dieses PR-Foto der Vion GmbH. Dass die Mitarbeiter in der aktuellen Infektionslage beengt wohnen, zeigen die Transparenzseiten des Unternehmens nicht.
Akutes Seuchengeschehen

120 Schlachthofmitarbeiter in Quarantäne

Nach unseren Recherchen gehört Passau heute deutschlandweit zu den einzigen drei Kommunen, in denen sich die  Seuche mit einem Inzidenzwert von über 300 ausbreitet. Vilshofen wird von einem Ausbruch im "größten Schlachtbetrieb Bayerns" überrascht.

Die deutschen Hotspots:

  • Stadt Speyer mit 366
  • Der thüringische Landkreis Hildburghausen mit 603
  • Stadt Passau mit 428

In Hildburghausen hat das Landratsamt eine Ausgangssperre verhängt wie zuletzt deutschlandweit bei der ersten Welle. Gestern Abend haben sich dort ein paar hundert besorgte Bürgerinnen und Bürger zum Protest versammelt. Sie singen "Oh, wie ist das schön!"

Das Passauer Rathaus wartet darauf, was heute die Kabinettsitzung in München ergibt. Die Zahl der Patienten auf der Corona-Isolierstation im Klinikum ist heute auf 60 geklettert. Zum Vergleich: der Höchststand bei der ersten Welle lag bei 36.

Die Stadt Vilshofen ist von einem ähnlichen Ausbruch betroffen wir seinerzeit die Fleischfabrik Tönnies bei Gütersloh. Mehr als ein Viertel der insgesamt 300 Beschäftigten des Schlachthofes "Vion" soll positiv getestet worden sein. Die offizielle Bestätigung liegt bis dato nicht vor. Das Landratsamt hält sich bedeckt.

Vilshofener Bürgermeister berichtet über beengte Arbeiterunterkünfte
In einem Telefonat am Morgen hat der Vilshofener Bürgermeister Florian Gams auf Anfrage erklärt, dass ihm keine Informationen zu diesem Coronaausbruch vorliegen. Die Zuständigkeit und Hoheit liegt allein beim Landratsamt. Gams erinnert sich, dass vor etwa drei Jahren die beengten Unterkünfte der Schlachthofmitarbeiter kritisch im Stadtrat beleuchtet worden sind. Man habe gefordert, dass wenigstens die Standards der Asylbewerberheime erfüllt werden.

In mehreren Gebäuden der Stadt, aufgegebenen Wirtshäusern und leerstehenden Geschäftshäusern, waren private Sammelunterkünfte eingerichtet worden. Mehrere Schlachthofmitarbeiter teilen sich offenbar ein Zimmer und mehrere Bewohner die sanitären Anlagen. Die Stadtverwaltung war auf den möglichen Missstand gestoßen, weil unter bestimmten Adressen die Zahl der Gemeldeten ungewöhnlich hoch war.

Diese Wohnsituation würde die rasche Verbreitung des Virus erklären. Nach Informationen des Bürgermeisters sind in diesem Unternehmen, das sich „Bayerns größter Schlachtbetrieb“ nennt, viele rumänische Gastarbeiter beschäftigt, die am Wochenende nach Hause pendeln.  „Ich möchte mit diesen Leuten nicht tauschen“, kommentiert er deren belastende berufliche Lebenssituation.

Der Passauer Landrat ist nicht verpflichtet, die einzelnen Kommunen und Städte seines Landkreises über die Seuchenlage zu informieren. Denn Bewertung, Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen werden ausschließlich von Kreisverwaltungsbehörde gesteuert. Diese mangelnde Transparenz für Bevölkerung und Bürgermeister im Landkreis hatte diese Redaktion bereits in der ersten Welle kritisiert. Ein Vorstoß der Journalisten hat dazu geführt, das mittlerweile in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau wenigstens in regelmäßigen Abständen die Coronalage aufgeschlüsselt auf die einzelnen Kommunen bekannt gegeben wird. Der Landkreis Passau hinkt derzeit mit seinen Veröffentlichungen hinterher.

Rund 120 Beschäftigte in Isolation und Quarantäne

Um 11.15 Uhr bestätigt das Landratsamt unser Recherche:

  • 83 Schlachthofmitarbeiter seien positiv getestet worden, weitere Reihentestungen laufen.
  • Es handelt sich bei den Infizierten um deutsche, tschechische und rumänische Staatsbürger.
  • Vor dem Ausbruchsgeschehen haben sich die Mitarbeiter Wohnungen geteilt und gemeinschaftliche Sozialräume.

Erneut deckt das Virus auf, unter welchen Bedingungen Leih- und Gastarbeiter in bestimmten Branchen beschäftigt sind.

Erste Maßnahme: Die positiv Getesteten werden angeblich in zwei separaten Häusern isoliert, die sogenannten Kontaktpersonen 1, rund 30 Beschäftigte, in einem dritten Gebäude in Quarantäne gehalten.

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17:23
Mittwoch
20. Januar 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
20.01. | Mittwoch

Gefangenenchor aus Venedig
 
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Bewegendes Neujahrskonzert aus dem Opernhaus von Venedig, "Teatro des Fenice". Mit Verdis "Nationalhymne" aus "Nabucco" ab Minute 44.30. Mehr als 100 Mitwirkende mit Mund-Nasenschutz, auch 12 Sängerinnen und 32 Sänger mit Masken, nur die 19 Musiker der Blasinstrumente sind befreit. Leitung: der britische Maestro Daniel Harding. Auf TV "Arte" abrufbar bis 31. Januar.


07:00 Uhr
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 

Giacomo Puccinins weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cho-Cho-San, die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton mit einem Kind sitzengelassen wird. In den Hauptrollen: Yitian Luan als Cio-Cio San und Jeffrey Nardone als Pinkerton.


12:00 Uhr
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Hier am Heimkino erleben: Verwechslungskomödie von Johann Strauß um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein und seine untreue Frau Rosalinde. Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und führt eine dekadente Gesellschaft vor.  


13:00 Uhr

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