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Nachrichten | Donnerstag, 15. Oktober 20

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Der an der Innpromenade errichtete Mobilfunkturm überragt das NS-Mahnmal um 29 Meter. (Foto: mediendenk)
Provisorium für EU-Verkehrsministerkonferenz

BR befragt Kritiker des "Andreas-Scheuer-Funkturms"

Nachtrag: Die EU-Tagung hat Verkehrsminister Andreas Scheuer nachmassiver Kritik aus der Heimat "wegen Corona" abgesagt. Der Funkturm, der das NS-Mahnmal in den Schatten stellt (siehe Video am Ende des Beitrags), bleibt trotzdem bis Anfang November stehen.

„Sind das schon die Bauarbeiten für den Hochwasserschutz?“
, fragten besorgte Bürger beim Vereinsvorsitzenden vom „Forum Passau“ an. Ein pensionierter TV-Journalist schrieb gar einen Brief an Kanzlerin Merkel: Ob Verkehrsminister Scheuer in Coronazeiten nicht mit einer digitalen Konferenz besser beraten gewesen wäre und man sich dieses Bauwerk hätte ersparen können? Der Vorsitzende der ÖDP-Rathausfraktion wiederum zeigt sich verwundert, dass der Oberbürgermeister dieses Turmbau überhaupt zugelassen hat.

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Der Passauer Stefan Weber erklärt einer BR-Journalistin, warum er dieses Bauwerk für Unsinn hält: Solche Konferenzen seien klimaschädlich und vor allem in Coronazeiten vermeidbar. (Foto: mediendenk)
Der "Andreas-Scheuer-Funkturm" am Passauer Innufer, der das unmittelbar daneben stehende NS-Mahnmal um 29 Meter überragt, ist ein Aufreger geworden. Heute haben Reporter des Bayerischen Rundfunks die Kritiker Stefan Weber, Fritz Brunner und Urban Mangold an den Schauplatz geholt, um Beiträge vorzubereiten.

Der provisorische Mobilfunkturm dient dem Passauer Verkehrsminister Andreas Scheuer, der seine EU-Kolleginnen und -kollegen Ende Oktober zur Tagung in seine Heimat eingeladen hat. Mitten im „grünen Wohnzimmer“ der Dreiflüssestadt, an der Innpromenade, hat der britische Betreiber Vodafone einen 36 Meter hohen Funkmasten aufgestellt. Ein Provisorium. Viel Aufwand für wenige Stunden: Es soll garantieren, dass Gäste und Sicherheitskräfte jederzeit besten D2-Funkempfang haben, wenn sie auf Scheuers Einladung einen kurzen Abstecher in die Dreiflüssestadt unternehmen. Er zeigt ihnen die Prunkräum der Neuen Residenz. Die Tagung selbst findet in Bad Griesbach statt. Dort wurde ein Zwilling dieses Funkturms errichtet.

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Stadtrat Urban Mangold besichtigt mit einer BR-Reporterin das Fundament des monströsen Mobilfunkturms. (Foto: mediendenk)
Dazu muss man wissen: Während D1 (Deutsche Telekom) in der Provinz gut ausgebaut ist, hapert es oft mit dem britischen D2-Netz (Vodafone). Ausgerechnet mit letzterem Anbieter hat der Freistaat Verträge für sein  Behördennetz, darunter Justiz und Polizei, abgeschlossen.   

Die Lücken im Funknetz bestätigt eine Anfrage: Solche mobilen Basisstationen zu errichten gehöre zum „Tagesgeschäft“, schreibt Vodafone-Konzernsprecher Volker Petendorf. In Passau werde einer der insgesamt 150 mobilen Masten eingesetzt. „Die Kosten im niedrigen fünfstelligen Eurobereich, inklusive Aufbau und Rückbau, trägt natürlich Vodafone.“

Die Stahlrohrkonstruktion ruht auf einem eisernen 64 Quadratmeter großem Fundament, das mit 24 Betonklötzen beschwert worden ist. Spätestens zur Gedenkfeier der Reichspogramnacht am Mahnmal, 9. November, soll sie wieder zurückgebaut sein.

Kritik vom "Runden Tisch gegen Rechts"
"Ist Mobilfunk für Verkehrsminister wichtiger als Erinnerungskultur?", fragt in einer Pressemitteilung die Vorsitzende Elisabeh Stadler vom "Runden Tisch gegen Rechts."
Statt eines "stillen Platz des Gedenkens" sei das Mahnmal derzeit Schauplatz für einen Funkmasten; der Granitwürfel mit seiner Inschrift sei verhüllt. Das Mahnmal werde bildlich in die "Bedeutungslosigkeit" gewungen.

 

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17:22
Donnerstag
22. Oktober 2020
 
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KULTURKALENDER
22.10. | Donnerstag
PRODUZENTENGALERIE
Ernst Zahnweh - Stahl, Keramik, Malerei
 

Bilder, Objekte und Installationen des Münchner Autodidakts Ernst Zahnweh, der seit mehr als 35 Jahren künstlerisch tätig ist. Ausstellung bis zum 25.10 immer donnerstags bis sonntags von 15-17 Uhr. 


15:00 Uhr | Eintritt frei
SCHARFRICHTERHAUS
Sulaiman Masomi: Morgen-Land
 
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Den Zuschauer erwarten kluge Beobachtungen und witzige, teils tiefgründe Alltagsgeschichten des Krefelder Rappers und Poetry-Slammers. Gewinner des Scharfrichterbeils 2018.


20:00 Uhr | 25,20 Euro
CINEPLEX
Der jenseitige Abgrund
 

Die österreichische Dokumentarfilmerin Sabine Fuchs geht gemeinsam mit einer Gruppe von Aktivisten und Aktvisitinnen den Globalisierungsprotesten nach den Anschlägen des 11. Septembers auf den Grund. Im Zentrum steht die Frage, wie es zum gewaltsamen Ende dieser Proteste kam.


20:00 Uhr | ab 6,80 Euro

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