Google-Anzeigen

Nachrichten | Sonntag, 21. November 21

bild_klein_19823.jpg
Starker Auftritt, große Stimme: Opernsängerin Eva Bodorová. Das Publikum lag ihr zu Füßen, sie unterdrückte Freudentränen. (Foto: mediendenk)
Nachtkritik aus dem Opernhaus

Im Bann der Königin

Eine Gesellschaft am Abgrund der Pandemie, Gesichter bedeckt vom Mund-Nasenschutz. Auf der Bühne spielt eine Frau, groß und markant, im scharlachroten Kleid eine Königin. Ihre Sopranstimme voll Liebreiz und Schmerz lässt zweieinhalb Stunden lang vergessen, wie verrückt die Welt da draußen geworden ist. 

Die Enttäuschung, dass die Philharmonie im Orchestergraben wieder im kleinen Pandemieformat spielt, Klavier, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass, ist vergessen, als der Vorhang sich öffnet. Ein schwarzer Bühnenraum mit unglaublicher Tiefe entfaltet sich, füllt sich mit zwei Dutzend Männer und Frauen; schwarze Melonenhüte, schwarze Anzüge, blaue und grüne Glitzerkleider. Es sind die Mitglieder des kraftvollen und schauspielstarken Theaterchors. 

Die Operndiva im Scharlachrot verkörpert die Figur von Königin Elisabeth I. Jenseits ihrer strahlenden Stimme fesselt sie mit treffender Mimik und Körpersprache. Eva Bodoverá, eine preisgekrönte Slowakin, ist ein sensationeller Gewinn für das Opernensemble. An diesem Abend sind mit ihr vier vortreffliche Stimmen auf der Bühne vereint: Mezzosopranistin Iryna Zhytynska, gebürtig in der Ukraine, die als Herzogin von Nottingham auftritt; Hausbariton Kyung Chun Kim, der Ehemann der Herzogin; der spanische Tenor Vicent Romero, der als Titelfigur „Roberto Devereux“ die Liebestragödie ins Rollen bringt. Die Königin ist ihm verfallen, aber er himmelt heimlich die Ehefrau seines besten Freundes an, die Herzogin von Nottingham. 

Die Belcanto-Oper "Roberto Devereux“ schrieb Gaetano Donizetti (1797-1848), der aus einem Ort stammt, der für schwarze Tage der Pandemie steht: Bergamo. Die Inzenierung trägt die Handschrift des Schweizer Regisseurs Urs Häberli, der diesem Opernhaus schon eine Reihe Aufführungen, „Carmen“ bis „Amadeus“, beschert hat, die Aufsehen erregten.

Zu Beginn der Premiere tritt Intendant Stefan Tilch mit der Botschaft vor den Vorhang, dass die vierte Welle auch das Theater getroffen habe. Er verweist auf die kleine Kammerorchesterbesetzung.

Das begeisterte Publikum spendet zahlreichen Zwischenapplaus, was sensible Opernfreunde als störend empfinden könnten. „Bravo!“ schallt es beim Schlussapplaus aus den von weißen und schwarzen Masken gedämpften Mündern. Und das Kammerorchester, keine Frage, war echt klasse. 

hud

Unabhängiger Journalismus ist abhängig von zahlenden Lesenden

Wenn Sie uns zusätzlich unterstützen wollen, hier können Sie „spenden“.
Hinweis fürs Finanzamt: Zahlungseingänge werden wie Abozahlungen verbucht.
Bürgerblick als gemeinnützige Gesellschaft zu etablieren ist in Arbeit.

03:36
Montag
29. November 2021
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDAR
29.11. | Montag
CAFÉ DUFTLEBEN
"Be Cool"
 
bild_klein_19674.jpg

Sängerin und Pianistin Katharina Müller aus dem Musikerkollektiv "Knusprige Wimpern" spielt mit dem Gitarristen und Pianisten Jan Korinek als Duo "Be Cool". 


19:00 Uhr | freier Eintritt
DREILÄNDERHALLE
Queen-Nacht
 
bild_klein_19673.jpg

"Gary Mullen and The Works" imitieren die britische Band "Queen". Gary Mullen verkleidet sich und singt als Frontmann Freddie Mercury.


20:00 Uhr | ab 42 Euro

Google-Anzeigen