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Nachrichten | Mittwoch, 07. April 21

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"Gefäß" für autonomen öffentlichen Nahverkehr: der Prototyp, den die ZF in Passau einsetzen will. Acht Sitzplätze, vierzehn Stehplätze, maximal 40 km/h, 30 elektronische "Augen" überwachen die Fahrt. (Foto: mediendenk)
E-Mobilität

Passau als Pilotprojekt für autonomen Nahverkehr

Die Stadt hat heute Nachmittag zu einem PR-Termin nach Patriching geladen. Prominente Passauer Politiker, Vertreter der Zahnradfabrik und ein namhafter Reiseunternehmer stellen den Prototyp eines elektrischen Kleinbusses vor, der irgendwann mal autonom durch die Altstadt fahren könnte. (Klicken Sie sich durch die Fotogalerie)

"Wir brauchen 18 Monate für die Entwicklung", gibt der für dieses Projekt zuständige ZF-Geschäftsleiter Jochen Benz einen überraschend optmistischen Ausblick. Passau ist als Standort für dieses Pilotprojekt ausgewählt worden. Ein Passauer CSU-Stadtrat hat das mit eingefädelt, der zugleich der oberste politische Chef für Mobilität in Deutschland ist: Andreas Scheuer. Das stimmt nicht nur SPD-Oberbürgermeister Jürgen Dupper hoffnungsfroh, dass die Umsetzung funktioniert, es gibt auch einem vom Corona-Stillstand betroffenen Reiseunternehmer sein Lächeln zurück: Manfred Eichberger. Er ist in das Projekt mit eingebunden, sitzt buchstäblich im Leitstand für diesen autonomen Nahverkehr der Zukunft.

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Beim Pressefoto wird der E-Bus 4.0 zur stürmischen "Schneekugel": OB Dupper mit fliegender Krawatte, Minister Scheuer im Mantel, Pressesprecher Veil dirigiert, ZF-Chef Moser in der Bustür, Projektleiter Benz kämpft mit Gegenwind. (Foto: mediendenk)
Am 26. April wird das Projekt dem Stadtrat vorgestellt. Es gehe hier nicht speziell um die Citybuslinie, sagt der Oberbürgermeister. Wobei hier seit vielen Jahren von den Altstadtbewohnern Handlungsbedarf gefordert wird. Die alten, lauten Dieselfahrzeuge seien in den Gassen unerträglich.

Ein Rückblick: „Dieselfahrzeuge raus aus der Stadt und Elektromobilität anschieben, das könnte eine schnelle Lösung sein, um unsere Städte von Feinstaub, Abgas und Lärm zu befreien“, hat diese Redaktion vor fünf Jahren geschrieben.

Dass es überraschend schnell gehen kann hat damals im Frühjahr 2016 die Post bewiesen: 14 Elektroautos sind in Passau eingesetzt worden. Zu selben Zeit hat diese Redaktion ihren Verbrenner "Ford Fiesta" gegen einen baugleichen französischen Stromer getauscht; damals das erste Auto mit „E-Kennzeichen“ im Stadtgebiet.

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Verkehrminister Scheuer bei der Präsentation des ZF-Prototyps: elektrischer, autonom fahrender Pendelbus.
Dem positiven Beispiel, den E-Postautos, hatten wir ein negatives gegenübergestellt: das Ärgernis Citybus. Immer wieder haben uns Altstädter angesprochen: „Macht da mal was!“ Die alten Dieselbusse eines Subunternehmers sind laut, verpesten die Luft und schieben sich durch die engen Gassen. 48-mal am Tag!

Und was machte die Stadt? Statt auf neue Technik zu setzen und abzuwarten, Batterietechnik und Reichweiten entwickeln sich rasant, kaufte sie im April 2017 für 1,7 Millionen Euro fünf neue Gelenkbusse mit Verbrennungsmotor. Merke: Kommunen kaufen bevorzugt das, was mit öffentlichen Geldern gefördert wird. Sie werden selten selbst aktiv, wenn Schulden drücken.

Im April 2018 hat der Rottaler Reiseunternehmer Manfred Eichberger, der die Citybuslinie betrieb, reagiert. Er testete einen elektrischen Niederflurbus – und ließ die Finger davon. Das Fahrzeug erschien zu wenig ausgereift. Zum selben Schluss kam die Stadt, die kurz darauf die Presse zu einer Testfahrt lud.

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Auch im Bus der Zukunft: Beim Einsteigen beschlägt die Brille. Andreas Scheuer lüftet sie, Jürgen Dupper hat sie auf die Stirn gesteckt. (Foto: mediendenk)
Im August 2018 setzte diese Redaktion nach neuen Beschwerdebriefen ihre Kritik fort: „Die Citybuslinie, die in engen Gassen und dicht vorbei an Straßencafés verkehrt, ist vielen Altstädter ein Dorn im Auge. Die alten Dieselfahrzeuge, die ein lokaler Reiseunternehmer betreibt, lärmen und stinken. Nach der verkehrsberuhigten Luitpoldbrücke (Hängebrücke) wäre wahrscheinlich die Elektrifizierung dieser Strecke der nächste wichtige Schritt, die Altstädter ein wenig aufatmen zu lassen.“ Die Stadt hat die Linie schließlich wieder selbst übernommen, bis heute fahren Verbrenner.

Drei Jahre sind seitdem vergangen. Heute zeigen sich Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Verkehrsminister Andreas Scheuer zusammen mit dem Rottaler Bus- und Reiseunternehmer und spielen Zukunftsmusik: Sie stellen den ZF-Prototyp eines elektrischen Pendelbusses vor, der einst autonom durch die Altstadt fahren könnte. Er basiert auf einer Entwicklung der Zahnradfabrik Friedrichshafen. Die Werksleitung hat das Fahrzeug für diesen PR-Termin eigens nach Passau transportieren lassen.

Apropos PR-Termin: Solche Auftritte sind für Andreas Scheuer Ablenkung und Abwechslung von unbequemen Themen. Wie das BR-Magazin „Quer“ in diesen Minuten verkündet, habe Scheuer in der Mautaffäre seine Zusammenarbeit mit einem Ermittlungsbeauftragten des Untersuchungsausschusses abgelehnt: Er will sein Handypostfach nicht sichten lassen. Das muss wohl die „maximal mögliche Transparenz“ sein, von der Scheuer 2019 gesprochen hat, ätzt das TV-Magazin. Scheuer sagt dazu am Rande der ZF-Präsentation: "Der BGH hat entschieden, dass ich die Daten nicht herausgeben muss. Waurm sollte ich dann etwas anders machen?" Das Gerichtsurteil ärgere natürlich die Opposition.

Der erste autonome E-Kleinbus kam übrigens 2017 in Bad Füssing, der Heimat des Unternehmers Eichberger ins Rollen. Die Altstädter werden wohl keine weitere fünf Jahre mehr warten müssen, bis die lauten blauen Stinker verschwinden.

 

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