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Nachrichten | Dienstag, 09. November 21

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Von links: Pastor Wilde, Rabbiner Muraiti, OB Dupper und Pfarrer Kirchmeyer gedenken der jüdischen Opfer. (Foto: Korbinian Strohhuber)
Reichspogromnacht

Passau gedenkt der NS-Opfer

Ein kalter Ostwind streicht durch die Trauerweiden am NS-Mahnmal und lässt manche der versammelten Menschen den Schal enger ziehen.

Mit einer Gedenkstunde haben Passauer Bürgerinnen und Bürger am Jahrestag der Reichspogromnacht die Erinnerung an die Verfolgten und Getöteten des NS-Regimes wach werden lassen. Es traten ans Redepult Oberbürgermeister Jürgen Dupper, Vertreter des Stadtjugendrings und der Kirchen.

„Wir alle wissen, was 1938 passiert ist“, sagt Dupper. Es gäbe seit den 1950er Jahren eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und es sei mittlerweile Staatsräson der Bundesrepublik, Antisemitismus zu bekämpfen. Dass jüdische Mitmenschen zunehmend angefeindet werden, lasse ihn zweifeln, ob genügend Weichen gestellt worden sind. 

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Rabbi Muraiti aus Straubing singt ein hebräisches Lied. (Foto: Korbinian Strohhuber)
Karin Meyer vom Stadtjugendring zählt Namen betroffener jüdischer Familien aus Passau auf: Grünebaum, Pick und Burian. Sie mussten fliehen oder wurden deportiert und ermordet. Eine freiheitliche Gesellschaft zum kritischen Denken und Mitgestalten zu befähigen, sei eine wichtige Aufgabe für die kommenden Generationen.

Markus Kirchmeyer, katholischer Pfarrer in Hacklberg, erzählt vom Leid der rumänischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger, die 1942 mit 18 Jahren im Arbeitslager Michailowka an Fleckenfieber starb. Sein evangelischer Kollege, Dekan Jochen Wilde, zeigt sich besorgt wegen steigender antisemitischer Straftaten aus dem rechtsterroristischen Milieu. Seine Botschaft: „Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus.“ Als letzter tritt der Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Straubing, Mendel Muraiti, ans Mikrofon und stimmt ein hebräisches Gebetslied an.

Dupper, Muraiti und die Vertreter der christlichen Kirchen legen nach der Kranzniederlegung eine Schweigeminute ein. Etwa 100 Menschen sind zu dieser Gedenkfeier gekommen, darunter viele Stadträte und die beiden Landtagsabgeordneten Christian Flisek (SPD) und Ralf Stadler (AfD).

Um 19.30 Uhr wird im Cineplex-Kino der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ gezeigt, der die Schwierigkeit thematisiert, in den 1950er Jahren NS-Verbrechen juristisch aufzuklären.

ks

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