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Nachrichten | Mittwoch, 18. August 21

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Baerbock auf dem Weg zur Bühne, vorbei an einer Reihe von Bereitschaftspolizisten. (Foto: mediendenk)
Bundestagswahlkampf

Passauer Feuerwehr stört Baerbock-Auftritt

Um 12.10 Uhr trifft Annalena Baerbock mit ihrem grünem Wahlwerbebus in Passau ein. Auf ihren Auftritt muss sie eine halbe Stunde warten, denn die Passauer Direktkandidatin Stefanie Auer hat ihre Rede noch nicht beendet und danach werden die Kandidaten der niederbayrischen Wahlkreise vorgestellt. Baerbocks Rede beginnt mit einem Blaulichteinsatz.

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Die Bühne gehörte den Frauen (von links): Moderatorin Katrina Jordan, Grünen-Direktkandidatin Stefanie Auer und Kanzlerkandidatin. (Foto: mediendenk)
Der runde Bühnenpavillon unter Platanen trägt ein grünes Dach dekoriert mit Sonnenblumen und der Aufschrift "Hier, weil ihr es seid.". Vier Monitore übertragen in alle Richtungen das Geschehen. Die Polizeikräfte sind mit einem Dutzend Mannschaftswagen aufgefahren, eine schwarze Mercedes-Limousine steht für den Notfall zur sicheren Abfahrt der Kandidatin auf der Cagnes-Sur-Mer-Promenade. Zu Störungen wie an anderen Auftrittsorten wird es in Passau nicht kommen. Keine Tröten, keine Hörner, keine Trillerpfeifen. Stattdessen stört die Veranstaltung im Moment, als Baerbock die Bühne betritt, die Passauer Feuerwehr. Sie rückt mit zwei Löschwagen und Drehleiter an. Polizeibeamte greifen nervös zu ihren Funkgeräten. Was ist da los?

Baerbock trägt eine weinrote gesteppte Kunstlederjacke, langer dunkelblauer Faltenrock, schwarze Stiefletten. Sie schreitet über den mit einem Kunstrasenteppich belegten Bühnenboden, breitet oft die Arme aus, um Offenheit zu zeigen. Sie trägt auf dem Weg zur Bühne eine OP-Maske. Während der Veranstaltung ermahnen Ordner auch Schaulustige am Rande, Masken aufzusetzen. 

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Mit Blaulicht und Sirene rollt die Drehleiter der Passauer Feuerwehr auf die Cagnes-Sur-Mer-Promenade, auf der sich die Sicherheitskräfte der Polizei positioniert haben. (Foto: mediendenk)
Ein Feuermelder im Kapfinger-Hochhaus hatte angeschlagen. Es war ein Test bei Wartungsarbeiten. Ein ahnungsloser Besorgter rief die Polizei. Mit Blaulicht und Sirene treffen die roten Fahrzeuge just zum Auftritt von Baerbock ein. Sie baut das Ereignis in ihre Rede ein. Sinngemäß sagt sie, die Feuerwehr sei ein Symbol für Hilfe in der Krise, aber man solle nicht wie Große Koalition darauf waren, bis es brennt.

Der Einsatz führt dazu, dass Stadtbrandinspektor Andreas Dittlmann, der prominenteste lokale FDP-Politiker, unfreiwillig zu Baerbocks Auftritt kommt. Dass ein Handwerker oder Unbefugter mutwillig den Feuermelder ausgelöst hat, wird ausgeschlossen.

“Robert und ich wollen das”, betont Baerbock zu ihren politischen Forderungen. Habeck ist immer gegenwärtig. Auf den Wahlplakaten, auf dem Tourbus. Baerbock schlägt einen weiten Bogen. Sie spricht von Digitalisierung und Landwirtschaft, von Klimaschutz und Bildung. Es gehe darum, gemeinsam Verantwortung zu tragen, es in den nächsten Jahren besser zu machen. Sie greift andere Parteien nicht an, sondern deren Inhalte auf: mehr Mindestlohn (wie Olaf Scholz in seiner SPD-Wahlkampagne), fordert „Wir brauchen natürlich an jeder Milchkanne Glasfasernetz“ (ein Satz, der auch von FDP-Chef Christian Lindner sein könnte).

Nur einer bleibt nicht ungeschoren. Der Infrastrukturminister habe das Gebot der Zeit nicht gehört, zeigt sie auf die Versäumnisse von Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Ihre Rede dauert eine halbe Stunde. Dann beantwortet Bearbock Fragen aus dem Publikum. „Eine Bio-Gurke muss nicht erst um die halbe Welt geflogen werden“, sagt sie, wichtiger sei es, die regionalen "Bäuerinnen und Bäuern" zu stärken. "Wachsen und weichen", die Marktwirtschaft der "Dumpingpreise" dürfe keine Zukunft haben. Sie erwähnt den Milchpreis. Eine Koalition mit der Union will die Grünen-Kanzlerkandidatin auf Nachfrage nicht ausschließen. "Sie bestimmen, wer Koalitionsgespräche führen wird", sagt sie ans Publikum gerichtet.

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Auf dem Weg zum Tourbus erntet Baerbock auch kritische Blicke wie von diesem Radfahrer. "Was das alles kostet", meckerte er. (Foto: mediendenk)
Ein Polizeisprecher schätzt, dass etwa 600 Menschen in den Park gekommen sind, um Baerbock zu hören. Auffällig viele Studentinnen und Studenten, wie eine PNP-Reporterin anmerkte, aber auch die Mitglieder Passauer Bürgerinitiativen und der Ilztalbahn, Familienväter mit Kind auf dem Arm. "Was das alles kostet!", meckerte ein Zaungast, weißhaariger Herr, rot-weißes Trikot mit Fahrrad, der offensichtlich nicht zu den Baerbock-Sympathisanten gehört. Die Ehrengäste sitzen in der ersten Reihe auf Pappschachteln, manche tragen grüne Masken mit Sonnenblumenmotiv.

Frauen treten bei dieser Veranstaltung in den Vordergrund. Die Pressesprecherin der Universität Passau, Katrina Jordan, moderiert den Auftritt von Auer und Baerbock. Letztere lässt sich von zwei Leibwächterinnen begleiten.

Auer, in deren Familienkreis sich offenbar ein Künstler namens Auer befindet, überreicht als Geschenk eine Metallskulptur, an einem Geflecht hängt eine grüne Glaskugel, Symbol für Baum und Erde. 

Text und Fotogalerie: K. Strohhuber, H.-J. Denk

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