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Nachrichten | Dienstag, 14. Juni 22

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So lässt sich Minister Markus Blume von seinem PR-Fotografen Steffen Böttcher ablichten: Kunst scheint für ihne eine verschlossene Tür zu sein.
Kommentar zu "Europäische Wochen"

Söder-Fehlgriff? Kunstbanause Markus Blume

Die Festspiele „Europäische Wochen“ in Passau werden am Samstag nicht vom bayerischen Kunstminister eröffnet und begleitet, sondern vom Bau- und Verkehrsminister.  

Markus Blume reitet seinen Ministerposten wie ein Steckenpferd. Mit Kunst hat der neue bayerische Kunstminister deshalb wenig am Hut. „Innovationsministerium“ würde er sein Ministerium gerne nennen, verrät er in seiner 100-Tages-Bilanz. Diese Schieflage zwischen Amt und Interessen erklärt vielleicht, warum Blume konsequent wichtige Kulturereignisse links liegen lässt, er aber als selbsternannter "Innovationsminister" in Ingolstadt der Eröffnung einer Teststrecke für autonomes Fahren beiwohnte, einem Termin, der seinem Amtskollegen für Verkehr, Christian Bernreiter, ebenso gut angestanden hätte.

Wo war Blume bei der „Walküre“-Premiere in Landshut am 16. April? Warum kommt er nicht nach in Passau am kommenden Samstag zu Eröffnung der „Europäischen Wochen“? Liegt ihm die niederbayerische Provinz zu fern oder die Kunst? Wohl beides.

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Weil Kunstminister Blume Besseres zu tun hat, muss bei der Eröffnung der "Europäischen Wochen" Bauminister Bernreiter herhalten.
Der Ex-Parteigeneralsekretär war 53 Tage im Amt, da stand in Landshut das erste große Kulturereignis nach der Pandemiepause auf dem Programm: Premiere von Wagners „Walküre“, ein gelungener Kraftakt des Niederbayerischen Landestheaters, vor dem sich Opernschaffende der Metropolen verneigen. Blume glänzte mit Abwesenheit. Ein Auftritt wäre nicht nur ein Zeichen des Kunstverständnisses, sondern des Anstands gewesen: Sein Vorgänger Bernd Sibler war ursprünglich als Schirmherr angesagt.    

Was Blumes Qualifikationen als Kunst- und Wissenschaftsminister anbelangt, schreibt FAZ-Kollege Hannes Hintermeier: „Ein Vordiplom in Physik hilft bestimmt, aber worin sich die Kulturaffinität Blumes nun genau ausdrückt, ist noch nicht so durchgedrungen." Autoren der Süddeutschen Zeitung befanden bereits am 31. Mai: „Markus Blume ist als Wissenschaftsminister auch für die Kunst zuständig - das zeigt sich bislang aber kaum.“

Warum nimmt Blume Kulturtermine nicht wahr, die längst im Kalender seines Vorgängers stehen? Bei den "Europäischen Wochen" waren Eröffnungsrede und Staatsempfang an der Ortsspitze vom Ex-Kunstminister Sibler fix zugesagt. Eigensinn war noch nie eine Tugend. Das „schönste Amt der Welt“, wie Blume ein geflügeltes Wort von Strauß in seiner 100-Tages-Bilanz in den Mund nimmt, kann mit Starrsinn und Trotz zum peinlichsten Amt der Welt werden.

Ex-CSU-Generalsekretär Markus Blume ist einen Tag vor dem russischen Angriffskrieg in Europa, am 23. Februar, ins Ministeramt gehoben worden. Geschichtsnachhilfe für ihn: Die „Europäischen Wochen“ wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Offizieren aus der Taufe gehoben. Sie sollten die Wunden des Kriegs heilen, die Herzen öffnen für Frieden in einem vereinten Europa. Die Initiatoren erkannten, dass Kunst die Brücke zwischen den Kulturen bildet, dass das gemeinsame Erlebnis von Musik die Menschen verbindet.

Die "Europäischen Wochen" jähren sich zum 70. Mal. Ein Krieg in Europa verleiht diesen Festspielen eine traurige Symbolkraft. Was für eine Feierstunde!  Ein Kunstminister, der sie schwänzt, sollte sich schämen.

Hubert Jakob Denk

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