Nachrichten | Saturday, 07. February 26
Generalsanierung der Bahn: Ein Pluspunkt auf der Achse Passau–München
Passau/ München/ Nürnberg/ Wien - Er wollte nie mehr zurück ins Auto. Diese Routine endet dieses Jahr abrupt. Seit gestern wird die Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg für fünf Monate vollständig gesperrt. Die Generalsanierung beginnt. Regionalzüge fallen aus, Ersatzbusse übernehmen Verbindungen, Fernzüge werden umgeleitet. Für den Pendler bricht der bisher funktionierende Rhythmus weg. „Mein Arbeitsweg wird dann umständlich und unerträglich lang“, sagt er. In einen Bus möchte er nicht umsteigen. Er vergleicht zwei morgendliche Fahrten. Vor der Sperre: knapp drei Stunden Fahrzeit, ein Umstieg in Nürnberg. Nach Beginn der Sperre: Umstieg in Plattling, Umstieg in Regensburg, weiter per Ersatzbus nach Nürnberg, dann S-Bahn nach Ansbach. Die Reisezeit steigt auf mehr als viereinhalb Stunden – fast zwei Stunden länger. Die Unterbrechung zwischen Regensburg und Nürnberg wirkt weit über die Region hinaus. Direktverbindungen aus Ostbayern in den Norden gehen verloren, Reisezeiten verlängern sich deutlich. Oft bleibt nur der Umweg über München, um ICE-Verbindungen Richtung Berlin oder Hamburg zu erreichen.
Was wird saniert? In zwei Bauabschnitten werden unter anderem mehr als 80 Kilometer Gleise und 90 Kilometer Oberleitungen erneuert, dazu rund 40 Weichen. Alle 20 Stationen entlang der Strecke werden modernisiert. Für den Ersatzverkehr sind täglich rund 90 Busse eingeplant. Im zweiten Halbjahr 2026 trifft es Ostbayern noch härter. Die Strecke zwischen Obertraubling und Passau wird für sechs Monate gesperrt. Schienenverbindungen Richtung Hamburg oder Berlin sind dann nur über Umwege möglich – über Mühldorf, über Wels oder über Linz nach München. Vilshofen wird vorübergehend vollständig abgehängt. Aus fünfeinhalb Stunden von Passau nach Berlin oder sieben Stunden nach Hamburg werden mindestens drei Stunden mehr. In diesem Abschnitt werden 115 Kilometer Gleise, rund 60 Kilometer Oberleitungen und acht Bahnhöfe erneuert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Stellwerkstechnik. Besonders aufwendig ist die Stabilisierung der rund zwei Kilometer langen Moorstelle bei Osterhofen. In sechs bis zwölf Metern Tiefe muss der Untergrund verfestigt werden, damit Züge künftig wieder schneller fahren dürfen. Die Generalsanierung gilt als unumgänglich. Die Schiene wurde jahrzehntelang vernachlässigt. Gleichzeitig ist die Nachfrage hoch: 14 Millionen Menschen besitzen ein Deutschlandticket – das sind mehr als 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.
Für den Pendler nach Ansbach wären es ab Sommer rund sieben Stunden Fahrtzeit mit drei Umstiegen über Mühldorf. Er hat sich wieder ein Auto gekauft. „Die Bahn lässt mir keine andere Wahl“, sagt er. Wahrscheinlich werde er zurückkehren, wenn die Schiene wieder zuverlässig funktioniert. Denn am Lenkrad lässt sich die Zeit nicht sinnvoll nutzen.
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19. Februar 2026
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