Nachrichten | Donnerstag, 01. Oktober 26

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Vorigen August hat die oberösterreichische Grenztankstelle für Kundschaft sogar geworben. Weil manche merkten, dass die Ersparnis keine echte ist? (Foto: mediendenk)
Der Preis des Verbrenners

Günstiger tanken in Österreich?

Ein Freund ruft den Reporter auf dem Weg zum Brotjacklriegel an. Schönstes Ausflugswetter war am Wochenende, aber ungewöhnlich wenige Autos unterwegs. Er fährt mit seinem Stromer hinauf und wundert sich, wie wenig los ist. Seine Vermutung: Die hohen Spritpreise halten inzwischen manchen von der Sonntagsrunde ab.

Vollgas trotz hoher Spritpreise

Auf der Autobahn sieht die Welt teilweise anders aus, wie der Reporter auf der Autobahnfahrt nach München erlebte. Wer es sich leisten kann, fährt weiterhin 180 und schneller. Denn wer einen Dienstwagen hat und den Sprit nicht selbst bezahlt oder einen dicken Geldbeutel besitzt, den juckt die Anzeige an der Zapfsäule nicht. Aber diese Spurtstrecken für PS-Protze sind auf dieser Route ohnehin zur Seltenheit geworden. Es ist wie auf der Schiene: Die Fahrbahn ist reparaturbedürftig, kilometerlang ziehen sich Baustellen. Der Großteil fährt, auch das gehört zur Wahrheit, spritsparend mit maximal Tempo 130. Ein Handwerker, den der Reporter kennt, hat seine Firmenwagen auf 110 km/h begrenzt. Allerdings nicht, um Sprit zu sparen: Es sind elektrische Lieferfahrzeuge. Bei höherem Tempo schmilzt die Reichweite. So sorgt ausgerechnet der Akku dafür, dass auf der Autobahn vernünftiger gefahren wird.

Die Straße der Tanktouristen

Und vor der Haustür des Reporters, auf der "Straße der Kaiser und Könige", liegt die Verkehrsfrequenz auf Dauerhoch. Es ist die Pendelstrecke der Tanktouristen. Aber sparen die überhaupt nennenswert etwas? Diesel ist in Österreich billiger. Die Fahrt über die Grenze kann zur Gewohnheit werden: Man weiß, wo der Sprit günstiger ist, und fährt hin. Ob sich der Umweg tatsächlich noch rechnet, wird irgendwann gar nicht mehr hinterfragt.

45 Liter bringen 4,95 Euro

Nehmen wir den aktuellen Preisunterschied von elf Cent je Liter und einen realistischen Tankvorgang von 45 Litern. Dann bleiben an der Zapfsäule 4,95 Euro mehr im Geldbeutel. Das klingt zunächst ordentlich. Allerdings liegen zwischen einer Tankstelle in der Stadt und Achleiten rund neun zusätzliche Kilometer und etwa 20 Minuten Fahrt. Für einen Diesel setzen wir im Stadtverkehr einen Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer an. Die neun Kilometer verbrauchen damit rund 0,63 Liter. Bei 2,25 Euro je Liter sind schon rund 1,40 Euro der Ersparnis wieder verfahren. Hinzu kommen vorsichtig gerechnet etwa 1,50 bis 2 Euro für Verschleiß und kilometerbedingten Wertverlust. Von den 4,95 Euro bleiben damit tatsächlich nur noch etwa 1,50 bis 2 Euro übrig.

Und was ist eine halbe Stunde Lebenszeit wert?

Mit dem Tanken selbst ist schnell etwa eine halbe Stunde Lebenszeit weg. Bewertet man diese Zeit nur mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde, entspricht eine halbe Stunde 6,95 Euro. Zusammen mit Kraftstoff, Verschleiß und Wertverlust kostet der Tankausflug rechnerisch damit rund 9,85 bis 10,35 Euro – für eine Ersparnis von 4,95 Euro an der Zapfsäule. Natürlich wird kaum jemand seine Freizeit tatsächlich mit einem Stundenlohn abrechnen. Die Rechnung zeigt aber, wie klein der finanzielle Vorteil des Tanktourismus geworden ist. Kommen Stau oder Wartezeiten hinzu, wird die Bilanz noch schlechter.

Wäre es nicht ohnehin viel wertvoller, diese halbe Stunde mit seinen Liebsten zu verbringen, statt für eine fragwürdige Ersparnis über die Grenze zu fahren?

Ab Oktober könnte sich die Rechnung ohnehin drehen

Ab 1. Oktober kommt der staatliche Tankrabatt zurück. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt um 14,04 Cent je Liter, zusammen mit der geringeren Mehrwertsteuer beträgt die Entlastung rechnerisch rund 17 Cent. Bundestag und Bundesrat haben zugestimmt.Der Reporter hält diese Art der Entlastung für ungerecht: Wer wenig verdient, bekommt an der Zapfsäule pro Liter genauso viel Rabatt wie der Fahrer eines großen Dienstwagens oder der Vermögende.

Und für Passauer Tanktouristen könnte es spannend werden: Diesel könnte in Bayern günstiger sein als jenseits der Grenze. Lassen wir uns am Donnerstag überraschen.

Nachtrag: Zumindest am ersten Tag des neuen Tankrabatts hat sich das Blatt gedreht. Diesel kostet in Schärding am Inn und an der österreichischen Grenztankstelle in Achleiten rund 2,20 Euro, in der Passauer Shell-Tankstelle an der Regensburger Straße vier Cent weniger.

hud

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