Nachrichten | Wednesday, 24. June 26
Hitze in Passau: Schwüle Nächte, teurer Strom und der fehlende SpeicherIn Passau erleben wir derzeit Sommernächte, die offiziell keine Tropennächte sind – sich aber genau so anfühlen. Eine Tropennacht liegt meteorologisch erst vor, wenn die Temperatur in der Nacht nicht unter 20 Grad fällt. Bei uns sinkt sie aktuell meist auf 17 bis 18 Grad. Trotzdem berichten viele von drückender Schwüle, schlechtem Schlaf und Kreislaufproblemen. Der Schlüssel zum Verständnis ist ein Wert, den kaum jemand kennt: der Taupunkt. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft so viel Wasserdampf enthält, dass sie „voll“ ist. Kühlt die Luft nur ein wenig weiter ab, schlägt Wasser nieder. Wir Passauer kennen das im Flusstal als Nebel. Wenn der Taupunkt erreicht wird, sind frühmorgens die Autoscheiben außen beschlagen und das Gras wird feucht. In den letzten Nächten lagen Temperatur und Taupunkt laut unserer Innenstadt-Wetterstation am „kühlen Inn“ fast auf gleicher Höhe. Die Nachttemperatur betrug 17 bis 18 Grad, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von bis zu 99 Prozent.
Der beste Zeitpunkt, um möglichst kühle Luft einzulassen, liegt kurz vor Sonnenaufgang – derzeit zwischen 5 und 6 Uhr. Danach können geschlossene Fenster und Jalousinen helfen, die kühlere Luft im Raum zu halten. Wer zusätzlich ein Klimagerät oder einen Luftentfeuchter einschaltet, der die Luftfeuchtigkeit auf unter 50 Prozent senkt, schafft ein deutlich angenehmeres Raumklima. Solche Heimgeräte stellt unter anderem ein niederbayerisches Unternehmen her; sie kosten etwa 200 Euro und verbrauchen weniger als 200 Watt. Zehnter Hitzetag – und der Sommer hat erst begonnen Parallel zu den schwülen Nächten häufen sich die heißen Tage. In Passau erreichen wir heute bereits den zehnten Hitzetag dieses Jahres, also den zehnten Tag - heute um 15 Uhr mit einem Spitzenwert von 34,2 Grad. Juli und August liegen noch vor uns. Die Hitzeperioden starten früher, dauern länger und rauben durch die feuchte Nachtluft den erholsamen Schlaf. Für viele gesunde Menschen ist diese Wetterlage vor allem unangenehm. Für ältere oder kranke Menschen kann sie jedoch gefährlich werden. Eine Hausärztin berichtet aus Alten- und Pflegeheimen, dass die Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchte zu mehr Kreislaufproblemen führt. Viele alte Menschen trinken von sich aus zu wenig, verlieren über das Schwitzen zusätzliche Flüssigkeit und werden schwach. Die Folge: mehr Stürze. „Am Ende liegen sie in der Klinik an der Infusion, weil der Körper dringend Flüssigkeit braucht.“ Betriebe ziehen die Arbeitszeit nach vorne Im Alltag reagieren immer mehr Betriebe, indem sie die Arbeitszeiten vorverlegen. Ein Autolackierer aud dem nördlichen Landkreis berichtet, dass die Belegschaft jetzt eine Stunde früher beginnt und dafür schon um 16 Uhr heimgehen kann. Zwischen 15 und 16 Uhr werden die höchsten Temperaturen erreicht. Ähnlich sieht es in der Forst- und Landwirtschaft aus: Dort startet die Arbeit oft schon um fünf Uhr in der Früh, um die Hitze zu meiden. Glücklich schätzen sich diejenigen mit klimatisierten Arbeitsplätzen: In der Universität sind der Audimax und die Bibliothek gekühlt, nicht aber die Seminarräume. „Da ist es brütend heiß“, sagt ein Kulturwirtschaftsstudent. Die Hitze legt damit offen, wie ungleich der Zugang zu erträglichen Bedingungen in Bildung und Beruf verteilt ist. Brisant ist das Thema für Altenheime und Krankenhäuser. Europas Hitzebrennpunkt
Apropos Frankreich: Die Hitze hat inzwischen auch Folgen für die Energieversorgung. Atomkraftwerke müssen ihre Leistung drosseln, weil die Flüsse als Kühlwasserquelle zu warm werden oder zu wenig Wasser führen. Und wo wir schon bei der Energie sind: An der Börse und bei dynamischen Stromtarifen werden nach Sonnenuntergang kurzzeitige Spitzenwerte von mehr als 1 Euro je Kilowattstunde aufgerufen. Das sind Strompreise, die sonst nur zu Beginn des Ukrainekriegs erreicht wurden. Woran liegt’s? Es ist ein vorübergehendes Problem, weil die Hitzeglocke die Windenergie gedrosselt hat. Zugleich verbraucht das Land in der Hitzewelle mehr Strom zum Kühlen – vom Rechenzentrum bis zur Supermarkthalle. An dieser Stelle sei angemerkt: Söders Mini-Atomkraftwerke sind aus Sicht vieler Energieexperten der falsche Weg in die Zukunft. Experten schätzen die Kosten eines „Mini-Atomkraftwerks“ mit 300 Megawatt Leistung auf etwa eine Milliarde Euro. Für dieselbe Größenordnung ließen sich heute Batteriegroßspeicher mit rund 2.500 Megawattstunden Kapazität errichten. Das reicht, um eine halbe bis eine Million Haushalte für fünf Abendstunden mit gespeicherten Solarstrom verfügbar zu versorgen, ohne einen Liter Kühlwasser aus dem Fluss. Während der kluge Hausbesitzer mit dynamischem Stromtarif, Photovoltaik auf dem Dach, einer kühlenden Wärmepumpe und einem Batteriespeicher die Strompreisspitzen überbrückt, hängt das Land bei Stromspeicherkonzepten hinterher. Anders als ein Pumpspeicherwerk greifen sie deutlich weniger in die Landschaft ein, weil keine Staubecken und keine großflächigen Erdbewegungen nötig sind. Gleichzeitig stabilisieren Batteriespeicher das Netz agiler und effektiver: Sie reagieren schneller als Turbinen und lassen sich modular erweitern, wenn der Bedarf wächst. Doch wegen komplizierter Regeln, unsicherer Geschäftsmodelle und mangelnden politischen Willens werden sie bisher kaum gebaut. Deshalb mangelt es an diesen Speichern, die den teuren Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken am Abend wirklich überflüssig machen könnten.
Die zweite Hitzewelle soll sich steigern auf bis zu 37 Grad und noch bis Sonntag andauern. Die erste setzte mit vier Tagen Ende Mai heuer ungewöhnlich früh ein.
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Sonntag
5. Juli 2026
PRIVATE PLATTFORMEN05.07. | Sunday CAFÉ MUSEUM Across The Pond Guitar Festival Das Programm vereint die Gitarristen Gavino Loche aus Italien, Adrian Raso aus Kanada und Jimmy Robinson aus New Orleans. Die Musiker präsentieren ein Trio an akustischen und elektrischen Gitarren. Das Festival findet seit 2023 statt und umfasst internationale Stationen wie Amsterdam und New Orleans. (Letzter Termin) 20:00 Uhr | frei VESTE OBERHAUS Hamlet auf der Freilichtbühne ![]() In Shakespeares „Hamlet“ untersucht der dänische Prinz den Tod seines Vaters und gerät dabei in ein Netz aus Intrigen, Verrat und Gewalt. Hamlet spielt Benedikt Schulz. Bei schlechtem Wetter im Fürstbischöflichen Opernhaus. 20:00 Uhr | ab 9 Euro
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