Nachrichten | Saturday, 14. March 26

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Porträts von Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen. Viele wurden Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde. Die Bildtafel greift das neue Buch von Anna Rosmus auf.
Geschichte des Nationalsozialismus

NS-Krankenmorde in Mainkofen: Anna Rosmus enthüllt Passauer Verbindungen

Die Türen der Anstalt standen offen – doch für viele führte der Weg nur noch in den Tod.

„Mach Dei Türl auf!“ nennt Anna Rosmus ihr neues Buch. Der bairische Titel bedeutet schlicht „Öffne die Tür“ – und genau das tut die Autorin: Sie öffnet Archive und erzählt, wie das nationalsozialistische System der sogenannten „Euthanasie“ auch in Niederbayern funktionierte.

Im Zentrum steht die Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen. Rosmus zeigt, wie Ärzte, Behörden und lokale Netzwerke Menschen zwangssterilisieren ließen, Patienten auswählten und in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz deportierten. Dort ermordeten die Nationalsozialisten in einer Gaskammer Tausende kranke und behinderte Menschen.

In Mainkofen selbst starben viele Patienten später an gezielter Unterernährung.

Die Autorin nennt Namen, zitiert aus Originalakten und beschreibt auch die Rolle Passauer Akteure, etwa des damaligen Bürgermeisters Max Moosbauer oder von Ärzten am städtischen Krankenhaus.

Wie nah diese Geschichte an Passau reicht, zeigt ein aktuelles Beispiel der Erinnerungskultur. In der Lederergasse 33 erinnert seit kurzem ein Stolperstein an Adelgunde Dölzer. Sie wurde Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Nach mehreren Jahren in Heil- und Pflegeanstalten deportierten die Behörden sie im November 1940 nach Hartheim. 

Die Verbrechen begannen lange vor den Mordaktionen. Bereits am 14. Juli 1933 verabschiedeten die Nationalsozialisten das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Ärzte ließen daraufhin auch in Mainkofen Menschen zwangssterilisieren – Jugendliche ebenso wie Erwachsene, die sich nicht wehren konnten. Bis 1945 führten sie dort mehr als 500 solcher Eingriffe durch. Im gesamten Deutschen Reich machten die Behörden über 350.000 Menschen gegen ihren Willen unfruchtbar. Später radikalisierte sich die Gewalt weiter. In Mainkofen setzten Ärzte und Verwaltung den sogenannten „Bayerischen Hungerkosterlass“ vom 30. November 1942 um. Die Küche stellte auf eine völlig fleisch- und fettlose Kost um. Innerhalb weniger Monate starben 762 Patienten an Entkräftung – man ließ sie gezielt verhungern.

Anna Rosmus, geboren 1960 in Passau, machte bereits als junge Autorin international auf sich aufmerksam, als sie die NS-Vergangenheit ihrer Heimatstadt erforschte und damit heftige Konflikte auslöste. Ihr Buch „Widerstand und Verfolgung am Beispiel Passau 1933–1939“ gilt bis heute als wichtige Studie zur regionalen Geschichte des Nationalsozialismus. Die Geschichte ihrer Recherche wurde später verfilmt: Der Spielfilm „Das schreckliche Mädchen“ von Michael Verhoeven basiert auf Rosmus’ Arbeit.

Rosmus lebt heute in den USA und brachte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach amerikanische Kriegsveteranen zurück nach Deutschland, um mit ihnen die Orte der Befreiung zu besuchen.

red

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