Nachrichten | Tuesday, 14. July 26

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Fotogalerie: Quelle Internetauftritt Wohnungsgenossenschaft Spitzberg.
Jubiläum einer Genossenschaft

Seit 1901 gilt am Passauer Spitzberg: Wohnen statt Rendite

Passau – Es gibt Begriffe, die sofort ein gutes Gefühl auslösen.

Wohnungsgenossenschaft gehört dazu. Man denkt an Wien, an bezahlbare Mieten. Wohnen soll dort kein Geschäftsmodell sein, sondern ein Grundbedürfnis. Keine anonymen Investoren, keine maximale Rendite, sondern Menschen, die gemeinsam Eigentümer ihres Zuhauses sind. Genau dieses Prinzip feiert am Wochenende die älteste Wohnungsgenossenschaft Passaus.

Ihren Namen "Spitzberg" trägt sie von jenem Stadthügel westlich des Kleinen Exerzierplatzes, auf dem die Löwenbrauerei bis heute das Ortsbild prägt. Gegründet wurde sie am 7. Juli 1901 von 23 Bediensteten der damaligen "Königlich Bayerischen Staatseisenbahn". Heute umfasst der Bestand 191 Wohnungen, überwiegend Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen Neuburgerstraße und Sechszehnerstraße und um St. Anton. 

Wer eine Wohnung der Genossenschaft beziehen möchte, muss Mitglied werden. Jedes Mitglied besitzt Genossenschaftsanteile und ist damit Mitinhaber. Das verleiht nicht nur ein lebenslanges Wohnrecht, solange die Satzung eingehalten wird und die Nutzungsgebühren bezahlt werden. Jedes Mitglied kann auch bei der Generalversammlung über die Zukunft der Genossenschaft mitentscheiden. Überschüsse - es sind kontinuierlich rund 200.000 Euro, also etwa 1.000 Euro je Wohnung - fließen nach Angaben der Genossenschaft in den Erhalt und die Modernisierung des Bestands.

Aktuell sind allerdings sämtliche Wohnungen vergeben. Viele Bewohner leben seit Jahrzehnten dort, manche Familien sogar über Generationen hinweg.

Ein Brief sagt mehr als viele Zahlen

Wie stark sich manche Bewohner mit ihrer Genossenschaft verbunden fühlen, zeigt ein im Netz veröffentlichter Brief, den eine Mitglied einst an Vorstand und Mitarbeiter schrieb. Darin bedankt sie sich für mehr als 25 Jahre Wohnen am Spitzberg. Sie beschreibt die frühere Hausgemeinschaft als etwas Besonderes, erinnert sich an den Blick über Passau und daran, dass sie sich von Anfang an zuhause gefühlt habe. Die Modernisierung ihrer Wohnung habe sie gerne mitgetragen. 

Gefeiert wird im Kreis der Mitglieder. Mit Festreden, einem Films über die Geschichte der Baugenossenschaft und einem Auftritt von Kabarettist Thomas Schreckenberger.

In Zeiten steigender Mieten und knappen bezahlbaren Wohnraums wirkt die kleine Baugenossenschaft Spitzberg fast wie ein Gegenentwurf zum Immobilienmarkt. Seit 125 Jahren gilt dort ein einfacher Grundsatz: Wohnen ist in erster Linie ein Zuhause – und erst danach eine wirtschaftliche Größe. 

red

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